Zum Inhalt springen

Header

Audio
Ukraine: Selenski nimmt Kursänderung vor
Aus Echo der Zeit vom 15.03.2021.
abspielen. Laufzeit 06:27 Minuten.
Inhalt

Anti-Russland-Kurs in Ukraine Russland-Korrespondent: «Selenski will Moskau ein Signal senden»

Als Wolodimir Selenski vor zwei Jahren zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde, wusste niemand so genau, wofür Selenski politisch steht. Er schaffte es, weder die pro-ukrainische noch die pro-russische Bevölkerung zu vergraulen. Es war unklar, ob er eher eine pro-westliche Politik in Richtung EU verfolgen würde, oder ob er auf den starken Nachbar Russland setzen würde.

Seit ein paar Wochen fährt Selenski auf einmal einen harten anti-russischen Kurs. David Nauer über die Hintergründe.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF News: Wie äussert sich der anti-russische Kurs bei Selenski?

David Nauer: Das zeigt sich daran, dass Selenski gegen pro-russische Medien in der Ukraine vorgegangen ist. Er hat im Februar drei Fernsehsender verbieten lassen. Fernsehsender, welche stark die Kreml-Linie vertreten haben, gerade im Konflikt in der Ostukraine. Begründet hat der Präsident diese Massnahme damit, dass die Sender Propaganda verbreitet hätten, was nicht falsch ist.

Selenski hat gesehen, dass ihm die Russen, ausser Probleme, nicht viel zu bieten haben und der Westen ihm Unterstützung bietet.

Bei diesem Schlag gegen die Sender ist es nicht geblieben, die ukrainischen Behörden sind auch gegen den mutmasslichen Besitzer dieser Fernsehanstalten, Viktor Medwedtschuk, vorgegangen. Der Geschäftsmann und Politiker wurde kürzlich vom Geheimdienst zu einer Vernehmung vorgeladen. Offenbar gibt es gegen ihnen Vorwürfe, er habe mit pro-russischen Separatisten schmutzige Geschäfte gemacht.

Viktor Medwedtschuk ist Oligarch und eine Schlüsselfigur in der ukrainischen Politik. Ist er ein Freund Russlands?

Er ist DER Freund Russlands in der ukrainischen Politik, genauer gesagt der Freund von Vladimir Putin. Medwedtschuk und Putin kennen sich gut. Putin ist sogar der Patenonkel von Medwedtschuks Tochter. Diese persönlichen Verbindungen nach Moskau machen Medwedtschuk zu einem wichtigen Faktor in der Politik. Er ist der Einzige, welcher noch mit den Russen sprechen kann. Er hat sich auch schon an Verhandlungen beteiligt, als es zum Beispiel um die Freilassung von Gefangenen in der Ostukraine ging. Zudem ist Medwedtschuk eine ganz wichtige Figur bei der pro-russischen Oppositionspartei «Für das Leben.»

Wie erklären Sie sich, dass Präsident Selenski Medwedtschuk bisher gewähren liess?

Das hat einerseits aussenpolitische Gründe: Selenski war angetreten, um den Krieg im Osten zu beenden und das Verhältnis mit den Russen zu verbessern. Er hat in den letzten beiden Jahren jedoch gesehen, dass der Kreml da nicht mitmacht. Dass der Kreml nicht bereit ist, den Ukrainern entgegenzukommen. Selenski seinerseits ist den Russen entgegengekommen, hat aber nichts erhalten. Nun versucht er es offenbar mit einer anderen Strategie und will Moskau ein Signal senden. Andererseits gibt es sicher auch innenpolitische Gründe. Selenskis Partei hat in letzter Zeit stark an Popularität eingebüsst. Die Partei von Medwedtschuk dagegen hat viel an Unterstützung gewonnen.

Wie gross ist der Rückhalt, den Selenski aus dem Westen erhält?

Der Rückhalt wächst. Die US-Botschaft hat, wie ich finde, die Massnahmen in bemerkenswerter Weise gestützt und auf Twitter schon fast applaudiert. Dies hat sicherlich mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden zu tun, welcher eine stärkere Rolle Amerikas in diesem Konflikt verfolgt. Es hat aber auch damit zu tun, dass Selenski gesehen hat, dass ihm die Russen ausser Probleme nicht viel zu bieten haben und der Westen ihm Unterstützung bietet.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Echo der Zeit, 15.3.2021, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Martin J. Pérez  (MJP)
    In Russland wird gegen einen Oppositionspolitiker vorgegangen; der Westen reagiert mit Sanktionen.
    In der Ukraine wird gegen einen Oppositionspolitiker vorgegangen; der Westen applaudiert.
    Die Beschneidung demokratischer Rechte sind also nicht das Problem, sondern die Interessen des Westens.

    Das die USA Putin nicht mögen ist seit den 90er Jahren bekannt als dieser den Ausverkauf russischer Bodenschätze an US Firmen, welcher unter Jelzin begann, stoppte.
    Schade nur das Europa da mitmacht.
  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Nun durch die Blume, Herrn Nauers Kommentar ins richtige Licht gestellt würde bedeuten:
    Selensky arbeitet für President Biden, da die Amis sich nicht nur die Goldreserven der Ukraine beim Maidanputsch unter den Nagel gerissen haben, sondern sich schamlos an den Rohstoffen des Landes bereichern wollen. Irgendwann wird sich Russland dieses Gebahren nicht mehr bieten lassen
    1. Antwort von Andreas Beerli  (swissneutro)
      Alles richtig, er hat übrigens auch die umfangreichen US Waffengeschäfte nicht erwähnt, die mit Biden sicherlich nicht kleiner werden :P Aber die aus Russland. Tja, schon irgendwie eigenartig, bin enttäuscht von SRF, es ginge weitaus informativer. Aber nach der Crypto Affäre, oder Schweden mit den U-Booten (Fall Olof Palme), gibt es keine Neutralität, leider!!!, das Schwergewicht im Raum, zieht alle mit. Ein Imperium will immer gewisse Fäden ziehen, um Einfluss zu erhalten.
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    “Dies hat sicherlich mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden zu tun, welcher eine stärkere Rolle Amerikas in diesem Konflikt verfolgt” steht es im Artikel. Man stelle sich vor die frühere Administration hätte von einer Stärkung der Rolle der USA in einem geopolitischen Konflikt gesprochen. Die Leitmedien würden tagelang nichts anderes berichten. Bei Biden reicht es gerade so für einen eingeschobenen Satz:)