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Asymmetrische Fähigkeiten Wie sich Taiwan gegen China wappnet

Kaum ein Ort verbindet Fortschritt und existenzielle Bedrohung so unmittelbar wie Taiwan. Auf der einen Seite Hightech und Demokratie. Auf der anderen Seite mit China eine autoritäre Supermacht, die offen Anspruch auf die Insel erhebt – und zunehmend Druck ausübt.

Militärmanöver, Cyberangriffe und gezielte Einflussnahme gehören längst zum Alltag. Wie nah ist Taiwan am Ernstfall? Das Team von SRFglobal war vor Ort und ordnet ein.

Sebastian Ramspeck und Christina Brun

Internationaler Korrespondent und Produzentin #SRFglobal

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Sebastian Ramspeck ist internationaler Korrespondent für SRF. Zuvor war er Korrespondent in Brüssel und arbeitete als Wirtschaftsreporter für das Nachrichtenmagazin «10vor10». Ramspeck studierte Internationale Beziehungen am Graduate Institute in Genf.

Christina Brun ist die Produzentin von #SRFglobal, dem geopolitischen Auslandsmagazin von SRF. Zuvor war sie als Freischaffende unterwegs. Brun studiert nebst ihrer Arbeit bei SRF International Security an der Universität Harvard.

Ist jetzt der ideale Zeitpunkt für China, Taiwan anzugreifen?

China erhöht den Druck kontinuierlich, jedoch bislang ohne die Schwelle zum offenen Krieg zu überschreiten. Ein militärischer Angriff wäre komplex und riskant – politisch, wirtschaftlich und militärisch. Gleichzeitig gilt als gesetzt, dass China Taiwan langfristig unter seine Kontrolle bringen will. Experten sprechen vom «letzten Puzzlestück» für die chinesische Führung.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob, sondern wann und wie. Peking versucht bislang, einen offenen Krieg zu vermeiden, und setzt stattdessen auf Druck und Einflussnahme. Ein freiwilliger Anschluss erscheint jedoch wenig realistisch.

Entscheidend bleibt, ob Peking überzeugt ist, dass der strategische Nutzen die Risiken übersteigt und eine Eskalation kontrollierbar bleibt.

Wie setzt China Taiwan unter Druck – ohne Krieg?

China verfolgt eine Strategie unterhalb der Kriegsschwelle. Dazu gehören Militärmanöver rund um die Insel, wirtschaftlicher Druck, diplomatische Isolation und gezielte Desinformation. Ziel ist es, Taiwan zu schwächen, ohne einen offenen Konflikt zu riskieren.

Der stellvertretende Aussenminister Taiwans, Wu Chih-chung, betont, dass viele Staaten Taiwan nicht aus Überzeugung, sondern unter Druck aus Peking meiden. Parallel dazu zielt kognitive Kriegsführung darauf ab, Wahrnehmungen zu beeinflussen, Zweifel zu streuen und das Vertrauen in Regierung und Verbündete zu untergraben. Der Konflikt findet damit längst statt – nur ohne offene Kampfhandlungen.

Wie bereitet sich Taiwan auf einen möglichen Konflikt vor?

Taiwan setzt auf Abschreckung – nicht mit klassischer militärischer Überlegenheit, sondern mit umfassender Widerstandskraft. Im Zentrum stehen asymmetrische Fähigkeiten wie mobile Waffensysteme, Drohnen und Luftabwehr, geprägt von den Lehren aus dem Ukraine-Krieg.

Gleichzeitig wird die Gesellschaft eingebunden. Die Bevölkerung ist ein Teil der Verteidigungsstrategie. Zivilschutz, Notfallplanung und Resilienz sollen sicherstellen, dass Taiwan auch im Krisenfall handlungsfähig bleibt. Ziel ist es, einen Angriff so kostspielig und langwierig wie möglich zu machen, dass er für China strategisch unattraktiv bleibt – auch ohne klare Sicherheitsgarantie der USA.

Fahrzeuge mit Soldaten und Motorräder auf Strasse, bunte Fahnen im Hintergrund.
Legende: Zwei Motorradfahrer unterhalten sich neben geparkten Militärpanzern auf der Insel Beigan. (16.3.2026) REUTERS/Ann Wang

Am Ende läuft alles auf eine Frage hinaus: Reicht diese Strategie, um einen Konflikt zu verhindern? Taiwan kann Zeit gewinnen und den Preis eines Angriffs erhöhen – entscheiden wird aber, wie China die Kosten kalkuliert und wie klar die USA ihre Rolle definieren.

SRF 1, 2.4.2026, 22:25 Uhr ; 

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