Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Ein ehrgeiziges Budget, doch wo bleiben die Menschen? abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
02:50 min, aus HeuteMorgen vom 19.12.2018.
Inhalt

Athen verabschiedet Budget Spart sich Griechenland zu Tode?

Das griechische Parlament hat erstmals wieder ein eigenes Budget beschlossen. Zugleich werden fürs kommenden Jahr 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um zwei Prozentpunkte auf noch knapp 17 Prozent prognostiziert. Erst kürzlich hat das Land den Rettungsschirm der internationalen Geldgeber verlassen.

Corinna Jessen

Corinna Jessen

Journalistin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Corinna Jessen ist freie Journalistin in Athen und Korrespondentin für mehrere deutschsprachige Fernsehsender und Tageszeitungen. Sie ist in Athen geboren und aufgewachsen. Studiert hat sie in Deutschland.

SRF News: Sind diese Prognosen für Griechenland nicht ein wenig gar zu optimistisch?

Corinna Jessen: Von diesem Optimismus ist im Alltag der Griechen jedenfalls nichts zu spüren. Wer Arbeit hat, ist meist in einer prekären Lage mit einem Monatslohn von umgerechnet vielleicht 450 bis 730 Franken. Hunderttausende gut ausgebildeter Griechen sind ins Ausland gegangen, was die Arbeitslosigkeit ebenfalls sinken lässt. Wegen der gestiegenen Staatseinnahmen fehlt es den Menschen am Nötigsten. Die sehr hohe Steuerbelastung schnürt dem Geldfluss in der Realwirtschaft die Luft ab.

Kritiker werfen der Regierung Tsipras Schönfärberei und Propaganda vor. Was ist da dran?

Schönfärberei ist vor allem der von der Regierung so gepriesene immense Primärüberschuss, also der Haushaltsüberschuss des zu Ende gehenden Jahres vor den Schuldendiensten. Dieser ist mit 7,6 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie die Kreditgeber vorgegeben hatten.

Doch den Überschuss erzielt die Regierung, indem sie 2,5 Milliarden Euro an Schulden des Staates gegenüber Privatgläubigern etwa in Form von Mehrwertsteuerrückzahlungen einfach zurückhält. Dieses Geld fehlt auf dem Markt. Zugleich ist das öffentliche Investitionsprogramm als einer der wichtigsten Motoren der Wirtschaft um 1,5 Milliarden Euro gekürzt worden.

Der Budget-Entwurf hatte den Segen der EU. Hat Griechenland aus Sicht von Brüssel also genug gespart?

Die EU ist nun erst einmal zufrieden, weil die Zahlen stimmen. Das tun sie zurzeit auch mit dem immensen Primärüberschuss. Da interessiert sich Brüssel jetzt wahrscheinlich zuerst einmal weniger, wie es den Menschen geht. Allerdings sind mit der EU auch für die kommenden Jahre immens hohe Primärübschüsse von 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts vereinbart worden. Daran sind weitere Schuldenerleichterungen geknüpft. Experten halten das für viel zu ehrgeizig.

Alle möchten die Erfolgsstory der Griechenland-Rettung erzählen.
Autor: Corinna Jessen

Aber momentan decken sich die Interessen ausgerechnet von Premierminister Alexis Tsipras und den einst so verhassten Brüsseler Kreditgebern vollkommen. Alle möchten nämlich Ruhe einkehren lassen und die Erfolgsstory der Griechenland-Rettung erzählen.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Schoenenberger (Beaumont)
    Man kann über Griechenland herziehen. Aber USA hat 100% Schulden zur Jahreswirtachaftsleistung, Italien und Frankreich auch, Deutschland "nur" 75%. Darin sind die zukünftigen ungedeckten Sozialkosten nicht gerechnet. Die grosse Pleite ist also vorprogrammiert. Diesmal kann China auch nicht mehr helfen wie 2008 weil es auch verschuldet ist. Die Schweiz mit 43% etwas besser, aber wenn der Knall kommt was dann, und wann kommt er?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    GR ist letztenendes selber Schuld an seiner Misere. Zuerst sich mit falschen Daten und einem zu hohen Kurs in den € schmuggeln, dann über Jahre grosszügig auf Pump in der EU einkaufen, immer begleitet von falschen finanz. Angaben. Jetzt, wo die Kreditgeber es gemerkt haben, jammern. Tragisch für den gr. Normalbürger. Aber grundlegende Strukturänderungen in Wirtschaft und Gesellschaft? - Fehlanzeige.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Die griechische Regierung ist an der Malaise selber schuld, da sie dringend notwendige Reformen, die eigentliche nichts kosten würden, verabsäumt. Wie: Steuerreformen, Abbau der überbordenden Bürokratie, Katasterwesen, Kampf gegen die Korruption, Rechtssicherheit für Investoren etc.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Armin Spreter (aspre)
      ... und die Einforderung von jahrzehntelang hinterzogenen Steuern - nicht nur diejenigen der immens reichen gr. Reeder.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen