Zum Inhalt springen
Inhalt

Steuersenkung und höhere Löhne Athen will Geldhahn aufdrehen

Legende: Audio Wird Griechenland es wirtschaftlich schaffen? abspielen. Laufzeit 06:27 Minuten.
06:27 min, aus Echo der Zeit vom 20.08.2018.
  • Höhere Löhne, stabile Renten und niedrigere Steuern hat Griechenlands Premier Tsipras seinen Landsleuten bei einer Rede in Thessaloniki versprochen.
  • Man wolle allerdings den Reformkurs, wie er mit den Gläubigern vereinbart worden sei, fortsetzen, betonte der Regierungschef.
  • Gegen die Fortsetzung des Sparkurses mobilisierten die Gewerkschaften. Tausende folgten in Thessaloniki dem Aufruf zu Protesten, die von heftigen Zusammenstössen mit der Polizei begleitet waren.

Für die kommenden Monate und Jahre hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras seinen Landsleuten höhere Löhne und Renten sowie niedrigere Steuern versprochen.

Steuersenkungen auf breiter Front

So sollen die Unternehmenssteuern ab 2019 von 29 Prozent auf 25 Prozent reduziert werden, erklärte der Premier bei einer Rede zur Eröffnung einer Messe in der Hafenstadt Thessaloniki. Auch die Mehrwertsteuer und die Immobiliensteuer sollen in den kommenden Jahren verringert werden.

Gleichzeitig solle der Mindestlohn angehoben und Rechte der Arbeitnehmer wieder in Kraft gesetzt werden. Auf eine geplante Absenkung der Renten kann verzichtet werden, erklärte Tsipras weiter.

Tausende demonstrieren gegen Sparpolitik

Allerdings müsse der eingeschlagene Reformkurs fortgesetzt werden, betonte er in seiner Rede. Alle Massnahmen zur Anhebung des Lebensstandards würden im Einklang mit den Gläubigern angegangen. «Wir sind entschlossen, das (mit den Gläubigern) Vereinbarte einzuhalten», sagte Tsipras in Thessaloniki.

Ökonomische Daten sollen Mut machen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Premier Tsipras hob in seiner Rede in Thessaloniki hervor, dass die griechische Wirtschaft dieses Jahr voraussichtlich um 2,5 Prozent wachsen werde. Die Arbeitslosigkeit sei von 27,5 Prozent vor vier Jahren auf 19,1 Prozent gefallen. In weiteren fünf Jahren solle sie auf zehn Prozent gedrückt werden. Das Land erziele einen primären Haushaltsüberschuss – ohne den Schuldendienst – von deutlich über 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die Gewerkschaften trauen den Ankündigungen aus Athen allerdings nicht und riefen deshalb zu Kundgebungen gegen Arbeitslosigkeit und Sparpolitik am Rande der Messe in Thessaloniki auf. Mehrere Tausend Menschen gingen in der Hafenstadt auf die Strassen und protestierten. «Wir wollen Jobs und nicht endlose Steuern», stand auf Transparenten.

Menschen mit Transparenten
Legende: Gewalt in Thessaloniki Protest mit Laserpointern: Nationalisten protestieren am Rande der Gewerkschaftsdemo in Thessaloniki gegen den Mazedonien-Deal der Regierung. Keystone

Ungünstiger Zinssatz

Nach acht Jahren hatte Griechenland am 20. August den EU-Rettungsschirm verlassen. Nach dem Auslaufen der Finanz-Hilfsprogramme muss sich das Land wieder aus eigener Kraft am Kapitalmarkt finanzieren.

Zurzeit sind die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen mit etwa 4,3 Prozent allerdings ungünstig – das ist der höchste Stand seit Ende Juni. Man habe aber ein Kapitalpolster von 24 Milliarden Euro und brauche sich deswegen keine Sorgen zu machen, beruhigt der Premier.

US-Firmen bereit zu investieren

Lange steckte das Land in einer Rezession, was die Wirtschaftskraft um rund ein Viertel einbrechen liess. Athen bekam von seinen Euro-Partnern und vom Internationalen Währungsfonds seit 2010 Hilfen in Höhe von insgesamt rund 288 Milliarden Euro, um eine Staatspleite abzuwenden.

Dass das Land mittlerweile auf dem richtigen Weg sei, attestiert auch US-Handelsminister Wilbur Ross, der zusammen mit Tsipras den amerikanischen Pavillon auf der Messe in Thessaloniki besuchte. Ross erklärte, zahlreiche US-Unternehmen seien bereit, in Griechenland zu investieren, zum Beispiel in Werften. Das Land sei ein Ort der Stabilität im östlichen Mittelmeer.

Gewalt gegen Mazedonien-Deal

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Überschattet wurde die Eröffnung der Messe in Thessaloniki durch eine gewalttätige Demonstration von Nationalisten, die gegen den zwischen Athen und Skopje erzielten Kompromiss im Streit um den Namen Mazedoniens protestierten. Bei der Demonstration der Nationalisten bewarf eine Gruppe Vermummter in Thessaloniki die Polizei mit Steinen. Diese setzte Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcke ein, um die Randalierer auseinander zu treiben, wie das Fernsehen zeigte. Griechenland und Mazedonien hatten sich darauf geeinigt, dass die ehemalige jugoslawische Teilrepublik künftig Nord-Mazedonien heissen solle und sich damit von der nordgriechischen Provinz Mazedonien (griechisch: Makedonia) unterscheidet. Als Gegenleistung will Athen den Weg des Landes zur Nato und in die EU nicht länger blockieren.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ganz klar, dass dies für die Bevölkerung das Land das beste ist. Die Griechen sollten sich wirklich überlegen, ob sie weiter mit der EU oder nicht doch besser mit den USA zusammenarbeiten. Nordamerika ist auf der ganzen Welt bereit Handel zu betreiben, aber fairen Handel +nicht wie bisher, dass Amerika allen anderen etwas mehr abgibt (wie das Obama wollte) +dabei immer ärmer wird. Die Amerikaner haben das nicht verdient, denn das sind ja ex Europäer die vor Unterdrückung nach Amerika flüchteten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von T. H. Isaak (cuibono)
    2019 sind Wahlen in Griechenland. Es wäre eine parteipolitische Unterlassungssünde, diese Ankündigungen jetzt nicht zu machen. Auch wenn in Griechenland alle unter den Unternehmenssteuer und der MwSt ächzen, Stabilität ist gefragt, und die bietet die Koalition aus SYRIZA und ANEL. Man wird sie wieder wählen. Denn die Alternative sind ND und PASOK, beide verantwortlich für die griechische Tragödie.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oliver Schmid (O. Schmid)
    Gemäss aktuellen Zahlen beträgt die Staatsverschuldung Griechenlands 349.8 Mia. (die höchste seit 7 Jahren). Bei 4% Zins ist das Kapitalpolster von 24 Mia. (gemäss Tsipras) in 2 Jahren aufgebraucht und bei tieferen Steuern wohl noch schneller. Aber Tsipras weiss ja schon, dass er dann wieder EU Hilfen erhält. Wie lange macht die restliche EU das Theater noch mit, bzw. finanziert immer alles ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Die Staats"verschuldung" Griechenlands wurde inzwischen von den Risikopraemien abzockenden Speckulationsbaenkstern auf den deutschen Steuerzahler umgelegt. Im Gegensatz zu den Speckulanten mutet man denen ohne Weiteres Zinsstundungen, Zinsermaessigungen, Zinsbefreiungen, Kapitalschnitte und Totalabschreibungen zu. Allerdings in Salamitaktik nur scheibchenweise....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen