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Atomwaffenbericht «Die Ära der nuklearen Abrüstung ist zu Ende»

Risiko oder Sicherheitsgarantie? Angesichts der globalen Konflikte und Kriege sind Atomwaffen wieder auf dem Vormarsch.

Geht es um Atomwaffen, ist die Welt zutiefst gespalten. Auf der einen Seite sehen immer mehr Staaten in Nuklearwaffen ein existenzielles Risiko für die Menschheit. Auf der anderen Seite sieht eine grosse Minderheit von mehr als vierzig Ländern, darunter die meisten europäischen, in Atombomben eine immer wichtigere Sicherheitsgarantie. Deshalb gibt es immer mehr und immer potentere Atomwaffen.

Atomare Rüstungskontrolle auf dem Rückzug

Die neuesten Zahlen sind beeindruckend – und besorgniserregend. Zurzeit gibt es weltweit 9745 einsatzfähige Atomwaffen. Sie haben die Zerstörungskraft von 135'000 Hiroshima-Bomben. Aus der jüngsten Ausgabe des jährlichen «Nuclear Weapons Ban Monitor» geht ausserdem hervor, dass immer mehr dieser Waffen kurzfristig eingesetzt werden könnten.

Die Gefahr, dass Konflikte zu Atomkriegen eskalieren, nimmt zu.
Autor: Grethe Lauglo Ostern Herausgeberin des «Nuclear Weapons Ban Monitor»

Dazu kommt, so Alistair Burnett von Ican, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Kampagne gegen Atomwaffen: «Kein einziges Abkommen über atomare Rüstungskontrolle gilt mehr.» Das letzte, New Start, zwischen den USA und Russland lief im Februar ersatzlos aus. Entsprechend gibt es keinerlei verbindliche Obergrenzen mehr für die Zahl von Atombomben.

Atompilzwolke am Himmel über den Wolken.
Legende: Atompilz über den Marshallinseln im Südpazifik: Hier testeten die USA in den 1940er- und 1950er-Jahren zahlreiche Kernwaffen. Getty Images/SPPL

Grethe Lauglo Ostern, die Herausgeberin des Atomwaffenberichts, befürchtet deshalb: «Die Gefahr, dass Konflikte zu Atomkriegen eskalieren, nimmt zu.» Und Hans Kristensen von der Föderation Amerikanischer Wissenschaftler und einer der weltweit führenden Experten für Nuklearrüstung spricht vom «Ende der Ära atomarer Abrüstung».

Auf der einen Seite bekennt sich eine knappe und weiterwachsende Mehrheit aller Länder zum UNO-Atomverbotsvertrag. Besonders in Afrika und Lateinamerika. Aus Sicht dieser Staaten bedrohen Atombomben das Überleben der Menschheit. In Europa stehen hingegen nur gerade Österreich, Irland, Malta, der Vatikan, San Marino und Liechtenstein hinter diesem Abkommen. Die Schweiz bleibt auf Distanz.

Atomwaffenfreie Welt als ferner Traum

Auf der anderen Seite hat keine einzige der neun Atommächte das Atomwaffenverbot unterzeichnet. Alle, ausser Israel, bauen derzeit vielmehr sogar ihre Arsenale aus, momentan tut das besonders stark China. Diese Länder modernisieren oder haben Pläne für nukleare Aufrüstung wie etwa Frankreich. Diese Regierungen gewichten die Bedeutung, ja die Notwendigkeit von Atomwaffen sogar wieder höher als noch vor kurzer Zeit.

Und zwar tun das nicht nur die Atommächte selber, sondern auch solche, die mit einer von ihnen in Allianzen verbunden sind, darunter alle Nato-Staaten. In Europa wird gar eine eigene, europäische Atombombe zum Thema, weil man sich immer weniger auf Washington verlassen kann. Zudem stehen die heutigen Atommächte einander viel feindseliger gegenüber als noch vor wenigen Jahren. Auch das erhöht die Risiken.

Und all jene, die weiterhin an eine atomwaffenfreie Welt glauben wollen? Hans Kristensen: «Sie werden zunehmend lächerlich gemacht und gelten als naiv.»

Rendez-vous, 26.03.2026, 12:30 Uhr;liea

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