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Auch wenn das Interesse sinkt US-Anti-Schusswaffen-Bewegung gibt nicht auf

Der Todesschütze von Parkland steht erstmals vor Gericht. Seine Tat löste Jugendproteste ungeahnten Ausmasses aus.

Legende: Audio USA: Schülerbewegung für schärferes Waffengesetz abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
04:55 min, aus Rendez-vous vom 25.05.2018.

Nach Parkland gingen hunderttausende junge Menschen auf die Strasse und forderten strengere Waffengesetze. Letzte Woche wiederholte sich das Grauen: An der High School von Santa Fe in Texas tötete ein 17-jähriger zehn Menschen und verletzte ebenso viele.

Eine ähnlich eindrückliche Reaktion wie nach Parkland zeichnet sich bis jetzt nicht ab. Doch die Bewegung lebt. Viele tausend Schüler sind aktiv in der anti-Schusswaffen-Bewegung und sie geben nicht auf.

Wenn eine bewaffnete Polizistin vor dem Schuleingang steht

Vor der Winston Churchill High School – im wohlhabenden Montgomery County von Maryland – geniessen Schülerinnen und Schüler die Pause. Mädchen und Jungen schäkern, einige lösen Schulaufgaben, andere machen sich auf zum Sport – wie an irgendeiner Schule, irgendwo auf der Welt. Wäre da nicht die Polizistin, die mit einer Maschinenpistole bewaffnet den Schuleingang bewacht. Hinter der Türe stehen zwei weitere Sicherheitsleute, die jeden Fremden gleich ins Empfangsbüro lotsen.

Dort lautet die Auskunft freundlich und knapp: Nein Interviews gebe es keine, weder zu den Sicherheitsmassnahmen noch zu den Schülerprotesten gegen Waffengewalt.

Polizeiauto vor einem Schild.
Legende: Die Schiesserei in Parkland vom Februar setzte in den USA vieles in Bewegung. Nun kommt der Täter erstmals vor Gericht. Keystone / Archiv

Draussen auf dem Vorplatz der Schule unterschreibt Dani Miller gerade ein grosses Solidaritätsbanner, das dann mit möglichst vielen Unterschriften nach Texas an die Santa Fe High School geschickt werden soll. Dort hat ein Jugendlicher letzte Woche neun Mitschüler und eine Lehrerin erschossen. Fast alle unterschreiben, freut sich Danis Freundin Karenna Nambiar.

Eine Demonstration alleine verändert noch nicht sofort alles. Wir wissen, das wird ein Marathon, nicht ein Sprint.
Autor: AlexanderSchüler 16 Jahre

Karenna und Dani sind beide 17. Die quirrlige Dani trägt verlöcherte Jeans und ein altes Militärhemd. Karenna mag es eleganter, sie wirkt ernst und zurückhaltend. Unterschiedliche Persönlichkeiten, aber ein gemeinsamer Kampf gegen Waffengewalt an Schulen.

In den letzten zehn Jahren kam es zu 288 schweren Zwischenfällen. Es ist wie eine Seuche, klagt Karenna und es muss jetzt aufhören: Vernünftige Waffengesetze und eine sorgfältigere Überprüfung von Waffenkäufern forderten Ende März auch weit über eine Million Jugendliche an Demonstrationen im ganzen Land – mehrere hunderttausend alleine in Washington.

Auch der 16-jährige Alexander war dabei am «March for our Lives». Es sei erstaunlich, dass das ganze Land auf uns und unser Anliegen schaute. «Aber klar, eine Demonstration alleine verändert noch nicht sofort alles. Wir wissen, das wird ein Marathon, nicht ein Sprint.»

Schwierigkeiten auf Bundesebene

Tatsächlich haben die jungen anti-Waffen-Aktivisten starke Gegner. Versuche, in den USA schärfere Waffengesetze durchzubringen, scheitern seit Jahren regelmässig.

Die Massenproteste zeigen nun aber doch etwas Wirkung: In Florida muss künftig 21 Jahre alt sein, wer eine Waffe kaufen will und nicht bloss 18. In New Jersey werden Waffenkäufer etwas genauer überprüft und auch in andern Bundesstaaten befassen sich die Parlamente mit Gesetzesverschärfungen.

Auf Bundesebene ist es schwieriger. Präsident Trump schien nach dem Massaker von Parkland zwar offen zu sein für etwas härtere Bestimmungen, inzwischen ist er aber wieder zurückgekrebst. Immerhin: sogenannte Bump Stocks sollen landesweit verboten werden. Das sind Vorrichtungen, die aus halbautomatischen Waffen Seriefeuergewehre machen.

258 weisse T-Shirts

Das sind erst bescheidene Erfolge, aber wir bleiben dran, verspricht Dani trotzig. «Das hier ist der Kampf unserer Generation.» Dani, Alexander, Karenna und tausende weitere junge Leute sind entschlossen, so lange wie nötig für ihre Sache zu kämpfen. Sie sind gut vernetzt und fähig, grosse und laute Demonstrationen zu organisieren, aber auch kleine und stille Aktionen.

An der Winston Churchill High in Potamac flattern derzeit 258 weisse T-Shirts im Wind – jedes mit einem schwarz aufgepinselten Namen.

Ein Plenum mit leeren Stühlen und der Aufschrift "Never Again".
Legende: Von «Never Again» sind die USA noch weit entfernt. Die Anti-Schusswaffen-Bewegung ist aber auch ein Jahr nach Parkland weiterhin aktiv. Keystone / Archiv

Dani und Alexander, Karenna und tausende weitere junge Leute sind entschlossen, so lange wie nötig für ihre Sache zu kämpfen. Sie sind gut vernetzt und fähig, grosse und laute Demonstrationen zu organisieren, aber auch kleine und stille Aktionen.

An der Winston Churchill High in Potamac flattern derzeit 258 weisse T-Shirts im Wind - jedes mit einem schwarz aufgepinselten Namen. Jedes Shirt ehrt einen seit Januar in den USA erschossenen jungen Menschen. 258 tote Teenager alleine in diesem Jahr.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Es ist nicht das Gewehr, das Messer, die Bombe, der Lastwagen, sondern die gewalttätige Kultur, Video-Games, Mangel an Respekt vor Leben, Mangel an Moms & Dads, Mangel an Gemeinschaft, Mangel an Liebe....es sind nicht die Waffen, denn die waren immer da.
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  • Kommentar von Luzian Wasescha (Oberländer)
    Was ist das Problem die Verfügbarkeit von Waffen oder der Mensch? Was die USA brauchen ist eine Änderung des Mindset. Weil wenn es nur die Waffen wären, hätten wir auch alle paar Tage eine Massenschiesserei. Menschen die verantwortungsvoll an der Waffe ausgebildet werden und damit sicher umgehen stellen keine Gefahr für die Menschheit dar.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Es wäre schön wenn das wahr wäre. Leider stimmt es nicht. Die Verfügbarkeit von Waffen hat direkten Einfluss auf die Häufigkeit und Schwere von Ereignissen. Bekanntlich kommen ähnlich viele US-Amerikaner in Schiess - Unfällen ums Leben wie in Schiessereien. Ausserdem schützt die Waffe vor nichts, das wissen die nur nicht.
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    2. Antwort von Luzian Wasescha (Oberländer)
      @Beat Reuteler Eben, die Waffe allein ist nicht das Problem. Sonst würde es in der Schweiz gleich aussehen. Und es werden mithilfe der Schusswaffen auch Hundertausende Verbrechen verhindert. Nur schert das keinen.
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    3. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Änderung des Mindset? "Nach Schätzung der Stiftung „World Literacy Foundation“ können rund 22 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner nicht oder nur begrenzt lesen. Bei der Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum internationalen Vergleich von Alltagswissen liegen die USA unter dem Durchschnitt." Wird schwierig.
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  • Kommentar von Felice Limacher (Felimas)
    " Wäre da nicht die Polizistin, die mit einer Maschinenpistole bewaffnet den Schuleingang bewacht. Hinter der Türe stehen zwei weitere Sicherheitsleute" Die Amerikaner merken nach wie vor nicht wo sie stehen ... Diese "Gemeinschaft" ist eine Schande für die ganze Welt!
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Und da gibt es viele Individuen, die bilden sich sonst etwas auf Ihre US-Gesellschaft" ein.:((
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    2. Antwort von Luzian Wasescha (Oberländer)
      Als ob die USA alleine damit wäre
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    3. Antwort von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
      Da haben Sie Recht Luzian Wasescha. Allen voran in Dritt/Entwicklungsländer (in diesem Belang, auch die USA) ist bewaffnete Polizeipräsenz (meist privater Bewachungsfirmen), vor so gut wie allen öffentlichen Einrichtungen, Alltag. Mit der Zeit fällt einem dieser gestörte Zustand nicht einmal mehr auf. Geht mir hier in Guatemala so.
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