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Tom Grundy: «Lackmustest für freie Meinungsäusserung» (engl.)
Aus News-Clip vom 21.06.2021.
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Aus für Zeitung «Apple Daily» Hongkongs Sündenfall schweigt für immer

25 Jahre lang erhob die Tageszeitung «Apple Daily» in Hongkong die Stimme gegen Pekings zunehmenden Einfluss. Nun verstummt sie für immer.

Im Vergleich zum Resten Chinas, galt Hongkongs Medienlandschaft lange als geradezu paradiesisch. Freie Meinungsäusserung, Kritik am System und vor allem auch Kritik an der Kommunistischen Partei in Peking waren feste Bestandteile der Berichterstattung.

Die Speerspitze bildete die Boulevardzeitung «Apple Daily», gegründet und geführt vom umtriebigen Geschäftsmann und Pekingkritiker Jimmy Lai, der selber aus politischen Gründen im Gefängnis sitzt. Diese Woche dürfte nun auch das definitive Ende seiner Zeitung mit dem angebissenen Apfel im Logo bedeuten.

Jimmy Lai, umgeben von Polizisten.
Legende: Der «Apple Daily»-Besitzer und Aktivist Jimmy Lai wurde bereits vergangenen August verhaftet. Der 73-Jährige muss eine Strafe von 20 Monaten absitzen. Keystone

Am letzten Donnerstag stürmten über 500 Polizisten die Redaktionsräume des «Apple Daily», seither blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Gelder wurden eingefroren und fünf Journalisten festgenommen. Das Medienunternehmen «Next Digital» , das unter anderem den «Apple Daily» herausgibt, ist handlungsunfähig geworden und muss wohl noch diese Woche für immer den Betrieb einstellen. Die Tageszeitung, die mit ihrem Logo mit dem biblischen Sündenfall kokettiert, war der pekingtreuen Fraktion in Hongkong schon lange ein Dorn im Auge.

Journalisten zittern

Seit der Einführung des drakonischen Sicherheitsgesetzes gilt offene Kritik an Pekings Regierung als mögliche Gefährdung der Sicherheit. Kritischer Journalismus wird damit tatsächlich zum Sündenfall, wie das Exempel nun deutlich zeigt. «Was wir gerade erleben, ist der Lackmustest für die Rede- und Pressefreiheit in Honkong», beschreibt Tom Grundy, der Chefredaktor der Nachrichtenplattform «Hongkong Free Press» die neusten Entwicklungen. Es sei eine grosse Zäsur, die sich jedoch schon länger abgezeichnet hatte. Dass nun aber die Zeitung schon Ende Woche ganz eingestellt werde soll, sei ein grosser Schock.

Wir versuchen uns möglichst nicht einschüchtern zu lassen.
Autor: Tom GrundyChefredaktor der Nachrichtenplattform «Hongkong Free Press»

Grundy, der mit seinem Newsportal ebenfalls mit Argusaugen beobachtet wird, wählt seine Worte mit Bedacht. Die Bedeutung der Schliessung von Apple Daily lasse sich nicht schönreden, sagt er gegenüber SRF. «Das lässt viele Journalisten hier erschaudern und zittern.» Auch er muss damit rechnen, eines Tages Besuch von den Sicherheitskräften zu erhalten.

Wachsende Selbstzensur unter Journalisten

In einem früheren Interview erzählte er, dass man als Medienunternehmen heute seine Computer und Festplatten besser anketten sollte. Wie genau er sich und seine Angestellten vor einem ähnlichen Schritt schütze, will er nicht ausführen. «Wir versuchen uns möglichst nicht einschüchtern zu lassen», wiegelt er ab. Da sein Portal nur in englischer Sprache publiziere und nicht in Kantonesisch, geniesse die «Hongkong Free Press» noch etwas mehr Spielraum als andere lokale Zeitungen, meint Grundy.

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Tom Grundy: «Wir wissen nicht, wo die rote Linie ist» (engl.)
Aus News-Clip vom 21.06.2021.
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Klar ist: Seit die Regierung in Peking den Hongkongern das neue Sicherheitsgesetz aufgebrummt hat, ist die einst blühende Medienlandschaft der ehemaligen Kronkolonie am welken. Tom Grundys grösste Sorge ist die wachsende Selbstzensur unter den Journalistinnen und Journalisten. «Es ist nicht klar, wo die rote Linie verläuft. Die Gefahr ist nun, dass man über viele Themen nicht mehr berichtet, nur schon aus Angst, die Linie zu überschreiten.»

SRF 4 News vom 17.06.2021, 18 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Was wird denn der Zeitung vorgeworfen, damit sie geschlossen wurde? Wenn man das schon schreibt, wäre es gut, die genauen Gründe zu kennen. Könnte es möglich sein, dass diese Zeitung zum Wiederstand und zum Aufstand gegen China schrieb? Wie war das, als Trump zum Wiederstand aufrief, da wurde eine Sperrung befürwortet (auch wenn nicht der Staat das anordnete). Wieso darf China (in diesem Fall Hongkong) nicht gegen ein Medium vorgehen, welches die Einheit im Staat gefährdet?
    1. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Laut China wurde diese Zeitung von Ausländischen Kräften unterstützt. 5 Journalisten wurden zur Untersuchung verhaftet.
      In wie fern das stimmt ist natürlich unsicher. Da jedoch China sich gegen die Einflussnahmen insbesondere Westlicher Staaten (allen voran den USA) wehrt (wir wissen ja alle, dass die USA den Aufstieg Chinas mit allen Mitteln bekämpfen wird), sind solche Sachen natürlich die Konsequenzen, die es für den Schutz des eigenen Staates braucht. Und wird auch von China ausgenutzt.
  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Hongkong ist ein Teil von China.

    Ich denke wir Europäer sollten zuerst mal über unsere fragwürdige koloniale Vergangenheit nachdenken bevor wir uns in die inneren Angelegenheiten anderer souveräner Staaten einmischen.

    Ist finde es überheblich zu denken, dass in anderen Ländern die gleichen Prioritäten gesetzt werden sollten wie bei uns. China verlangt auch nicht von uns dass wir den Kommunismus einführen sollen.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Stäheli: Längst nicht jedes europäische Land hatte Kolonien. Es gehört zur freien Meinungsäusserung dazu über Geschehnisse in anderen Ländern zu sprechen. Wenn man die Geschehnisse in China verfolgt ist Kritik durchaus angebracht. Oder finden Sie es richtig was gerade in China wieder geschieht?
    2. Antwort von Arber Thaqi  (arberi.th)
      Eine Million Menschen in Konzentrationslagern, Beerdigung der Demokratie in Hongkong, Provokationen im Asiatischen Mittelmeerraum, Bedrohungen Taiwan mit Gewalt einzunehmen und danach behaupten, wir sollte um unsere eigene Probleme kümmern?

      Machen Sie mal halblang Herr Stäheli!
  • Kommentar von Charles Grossrieder  (View)
    Das Sicherheitsgesetz unterbindet keinen Journalismus an und für sich, es verbieten in HKG anti chinesischen Journalismus; welcher dem chinesischen kulturellen wie gesetzlichen Gebilde unterstellt ist; welches sich wiederum klar vom westlichen unterscheidet.
    Diesen Richtlinien zu folgen wie SCMP und andere zeigen ist nicht schwierig, außer man wird von westlichen Interessen bewegt dies nicht zu tun, was nicht in HKG’s Interessen sondern rein dem Wirtschaft- & Machtkrieg des Westens dient.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Grossenrieder: Ich empfehle Ihnen sich bei der chinesischen Führung als Werber im sogenannten Westen zu bewerben. Echter Journalismus heisst unter anderem kein Staat diktiert einem Medienhaus was es bringen darf und was nicht.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Komische Einstellung Herr Grossrieder. Wie definieren Sie denn Journalismus? Ist das etwas, das vom Staat vorgeschrieben wird? Dann bräuchte es doch keinen. Für jeden Staat wäre es viel einfacher eine Art Informationsstelle einzurichten, an der die Bevölkerung sich orientieren könnte. Wollen Sie so was? Ich auf jeden Fall nicht.
    3. Antwort von Martin Stäheli  (Marsus)
      @Meyer
      Die Pressevielfalt und Meinungsvielfalt bei uns war auch schon grösser. Ausser die Weltwoche und der Nebelspalter machen die meisten Medien einen gleichgeschalteten Eindruck. Die Presse in der Schweiz wird immer mehr vom Staat subventioniert. Wie kann man da einen unabhängigen Journalismus erwarten?
    4. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Echter Journalismus ist auch kritischer Journalismus der Beschlüsses der Regierung hinterfragt und auch Unregelmässigkeiten aufdeckt. In Hongkong könnte man Zeitungen auch staatliche Infoblatt nennen, denn hinterfragt werden darf nicht mehr.
    5. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Stäheli: Bei der Pressevielfalt gebe ich Ihnen recht, nicht jedoch bei der Meinungsvielfalt. Die Weltwoche und mittlerweile auch der Nebelspalter stehen der SVP nahe, also böse formuliert gleichgeschaltet. Von subventionierten und somit gleichgeschalteten Medien sind wir in der Schweiz noch weit entfernt. Ich selbst bevorzuge das SRF, dem man nachsagt dass es den Linken nahe steht und die Luzerner Zeitung, der man nachsagt das sie der Mitte nahesteht.