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Ampel soll Hotspots auf Bezirksebene anzeigen
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.07.2020.
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Ausgeklügelte Datenanalyse Österreich plant ein Ampelsystem im Kampf gegen Corona

  • Österreich geriet zuletzt wegen des Corona-Hotspots in St. Wolfgang in die Schlagzeilen. Dort wurden bisher 68 positive Fälle gemeldet.
  • Auch das Reisen in und aus dem Balkan erachtet die Regierung in Wien als starkes Risiko-Kriterium in Bezug auf neue Corona-Infektionen.
  • Nun hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober Details zu einer Corona-Ampel präsentiert, die einzelne Bezirke in vier Risikostufen unterteilt.

In der Alpenrepublik leben 530'000 Menschen mit familiären Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien. Viele besuchen im Sommer jeweils Verwandte in der alten Heimat. Ihrer Reisetätigkeit gilt die erhöhte Sorge der Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Entsprechend hat Österreich nicht nur die höchste Reisewarnung für die Region ausgesprochen, sondern verlangt verpflichtend einen negativen PCR-Test für Rückkehrer.

Um das Reisegeschehen besser im Griff zu haben, soll eine Corona-Ampel auf Bezirksebene für Transparenz sorgen. Ab August wird sie getestet. Das System fusst auf mehr Kriterien als die herkömmlichen Analyse-Methoden.

Ein «Lawinen-Bulletin» für Corona

Im Gegensatz zu Deutschland, wo allein die Infektionszahlen eine Rolle bei der Einschätzung der Gefahr spielen, sollen in Österreich laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) vier Kriterien zurate gezogen werden: die Infektionszahlen im jeweiligen Bezirk, die Klinikkapazitäten, das Verhältnis der positiven zu allen Coronatests sowie die Frage, ob alle Infektionscluster zurückverfolgt werden konnten.

Je nach Ergebnis soll die Ampel dann nach dem Vorbild der Lawinenwarnstufen auf Grün, Gelb, Orange oder Rot schalten. Unklar ist noch, welche Massnahmen auf welcher Stufe ergriffen werden sollen. Es gebe nun einfach eine Ampel, von der man nichts wisse, ausser dass sie vier Farben habe, monierte die oppositionelle SPÖ bereits. Wien, das von der SPÖ regiert wird und wo im Herbst Wahlen anstehen, hat angekündigt, bei dieser Corona-Ampel nicht mitmachen zu wollen.

Was ist in Österreich ein Bezirk?

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Der Bezirk, oder auch die Bezirkshauptmannschaft, ist in Österreich eine Landesbehörde, die ausserhalb der Statutarstädte die Aufgaben der Bezirksverwaltungsbehörde wahrnimmt. Während die Länder den Kantonen in der Schweiz gleichen, sind Bezirke verwalterische Zusammenschlüsse von einzelnen Gemeinden. Es gibt in Österreich 79 solcher Bezirke. Umfasst ein Bezirk bloss eine einzige Stadt, spricht man nicht von Bezirk, sondern von Statuarstädten. Davon gibt es in Österreich 15. Eine davon ist die Hauptstadt Wien.

Aktuell sind vor allem die Hauptstadt Wien und Oberösterreich von der Zunahme der Fälle betroffen. Rund 1000 der 1600 Menschen, die derzeit mit dem Coronavirus infiziert sind, leben in diesen beiden Bundesländern. In Tirol gibt es nur 50 aktive Fälle, in Kärnten gerade einmal zwölf (Stand 28.7.).

Von Krisenzustand weit entfernt

Wird das ursprüngliche Ziel der Coronabekämpfung zum Massstab genommen, nämlich eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, ist Österreich noch weit von einem Krisenzustand entfernt.

Derzeit liegen landesweit 74 Menschen mit Corona im Spital, davon 20 auf der Intensivstation. Die Kapazität beträgt 10'662 Normal- und 785 Intensivbetten.

SRF 4 News, 30.07.2020, 10:45 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Mark Keller  (mkel)
    Eine detailierte Datenlage, vor allem auch geografisch aufgeschlüsselt, ist sehr wichtig und fehlt bei uns nach wie vor. Niemand in der Schweiz fürchtet sich gross vor Ebola, weil die Fälle fast ausschliesslich in Afrika auftreten, nicht bei uns. Genauso muss ein St. Galler nicht gleich in Selbstisolation, weil in Genf viele Fälle auftreten. In der kleinen Schweiz heisst das natürlich noch nicht, dass der St. Galler komplett sicher wäre, aber es würde helfen, die Risiken rational abzuschätzen.
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  • Kommentar von Jean Piere Grano  (J.-P. Grano)
    Nicht einzelne Bezirke sind + / - gefährlich sondern spezifische, inzwischen bekannte, Situationen: Vor allem dicht besetzte geschlossene Räume unabhängig vom Bezirk, wenn sich dort eine besonders ansteckende Person aufhält. Das sind Familienfeste, private Parties, Clubs, Bars,...
    All das ist tunlichst zu vermeiden. Jene, welche bisher davon lebten (z.B. Clubs) müssen sich eben wie tausende andere coronabedingt beruflich neu orientieren.
    Bei anderen Krisen war das ja auch nötig und möglich.
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    1. Antwort von Mark Keller  (mkel)
      Wenn in einem Bezirk in dem nur sehr wenige Covid-Kranke leben, ist das Risiko, dem man sich in einem geschlossenen Raum mit vielen Personen aussetzt, nunmal geringer als in einem Bezirk mit sehr vielen Fällen. Die Chance, dass genau einer mit im Raum ist, ist entsprechend unterschiedlich. Letztlich hilft das abzuschätzen, welchem Risiko man sich gerade aussetzen würde. Eine Sicherheit hat man damit aber natürlich nicht.
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  • Kommentar von Roland Fischer  (ilpescatore)
    Geographische Verteilung, Klinikkapazitäten (insbesondere der Intensivstationen, das Verhältnis der positiven zu allen Coronatests und Rückverfolgbarkeit der Infektionsketten. Genau diese Kriterien würden mich jeweils auch interessieren, wenn das BAG steigende Fallzahlen meldet.
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