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Täuschungen bei Kontrolle der Autobahnen in Italien
Aus Rendez-vous vom 16.09.2019.
abspielen. Laufzeit 02:49 Minuten.
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Autobahnbrücken und Viadukte Italiens Autobahnbetreiber hat offenbar schwere Mängel vertuscht

Zahlreiche Brücken und Viadukte sind marode. Die Betreiberfirma wusste das – doch sie hat nichts unternommen.

Der Einsturz der Morandi-Brücke in Genua vor einem Jahr forderte 43 Tote. Schon damals wurden schnell einmal Stimmen laut, der private Autobahnbetreiber «Autostrade per l'Italia» habe gewusst, dass diese Brücke Schäden aufgewiesen habe und ihre Stabilität gefährdet war. Bewiesen ist noch nichts, das entsprechende Verfahren läuft noch.

Jetzt vermutet die italienische Justiz, dass der Betreiberkonzern in weiteren Fällen bewusst verschwiegen hat, dass gewisse Autobahnbrücken in schlechtem Zustand sind. Entsprechend ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft gegen ein gutes Dutzend Angestellte von «Autostrade per l'Italia». Der Konzern gehört der Unternehmerfamilie Benetton.

Einnahmen gingen über die Sicherheit

Die Vorwürfe sind äusserst happig. Die betreffenden Angestellten hätten davon gewusst, dass gewisse Autobahnbrücken, die «Autostrade per 'Italia» betreibt, schwere Mängel aufweisen. Sie hätten in entsprechenden Berichten diese Mängel aber bewusst verharmlost.

Betroffen ist etwa das Pecetti-Viadukt in der Nähe von Genua. Bei diesem Viadukt sei eines der fünf Tragseile gerissen. Gemäss den Ermittlungsbehörden ist das gerissene Stahlseil für die Stabilität der Brücke entscheidend.

Doch die Angestellten von «Autostrade per l'Italia» hätten den Schaden wider besseres Wissen als zweitrangig dargestellt. Dies ganz offensichtlich im Bestreben, die Pecetti-Brücke und damit den ganzen Autobahnabschnitt auch für den Schwerverkehr offenzuhalten. So konnte das Unternehmen weiterhin die hohen Gebühren einkassieren.

Vielfältig kriminelle Machenschaften vermutet

Die Staatsanwälte schreiben weiter, Angestellte des Konzerns hätten ihre Computer gesäubert, Akten verschwinden lassen und sogar Störsender installiert, um das Abhören ihrer Mobiltelefone zu verhindern. Trotzdem gelang es der italienischen Justiz, verdächtige Gespräche mitzuschneiden. Da ist zu hören, wie ein Angestellter gegenüber einem anderen zugibt, die Justiz belogen zu haben.

Nachdem all dies bekannt wurde, haben die Aktien des Unternehmens stark an Wert verloren. Es wird damit gerechnet, dass die Familie Benetton nun die Spitzen des Konzerns auswechseln muss. Gleichzeitig will das Movimento Cinque Stelle, die grösste Regierungspartei Italiens, dem Konzern die Konzession entziehen. Das heisst, alle von «Autostrade per l’Italia» betriebenen Strassen, ein grosser Teil des italienischen Autobahnnetzes, würden wohl rückverstaatlicht.

Besonders schwer wiegt, dass die Vertuschung des desolaten Bauzustands selbst nach dem Unglück und den 43 Toten von Genua weiterging. Das geht aus den Untersuchungen und Mitschnitten der italienischen Staatsanwaltschaft hervor.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Julian Rossdeutsch  (JuRo)
    Überall, wo Profit im Vordergrund steht (was bei privatisierten Autobahnen der Fall ist), werden Mängel verdeckt. Manchmal kleinere, manchmal grössere. Ich halte daher Infrastruktur (auch im Gesundheitsbereich) für eine zwingende Staatsaufgabe...
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  • Kommentar von Jean-Denis Lutz  (Answerthink)
    Marode sind in Italien nicht nur Brücken... der ganze Staat ist in einem desolaten Zustand.
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  • Kommentar von Sam Brenner  (Sam Brenner)
    Bis vor der Privatisierung wurde die Brücke gewartet unf sogar z.T. massiv saniert. Dann die Privatisierung inkl. Wartungsstau. Resultat: 43 Tote und einen Sack voll Geld für die Teppichetage. Das ist doch real existierende Kapitalwirtschaft wie aus dem Bilderbuch. Menschenleben werden zu Geld verarbeitet. Bezahlen tut die Allgemeinheit.
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