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Belagerte Stadt im Sudan Was haben die Rebellen mit El Obeid vor?

Es wird befürchtet, dass die Rebellen wieder eine Stadt angreifen und wahllos Menschen umbringen.

Eindringliche Warnung der UNO: Der UNO-Hochkommissar Volker Türk befürchtet eine Welle von Gräueltaten in der umkämpften Stadt El-Obeid im Sudan. «Eine neue Menschenrechts­katastrophe bahnt sich im Sudan an.» Die Anzeichen seien unmissverständlich. «Wir haben Alarmstufe Rot.»

RSF-Kämpfer brüsten sich immer wieder in den Sozialen Medien damit, dass sie Zivilistinnen und Zivilisten wahllos töten.
Autor: Hager Ali Politologin und Sudan-Expertin beim deutschen Giga-Institut

Darum wird die Situation als gefährlich eingeschätzt: Hager Ali ist Sudan-Expertin beim deutschen Giga-Institut für Afrika-Studien. Sie hält die Behauptungen der RSF-Miliz, ihre Operationen seien rein militärischer Natur, für nicht glaubwürdig. Denn: «Auch die erste Eskalation hat sich durch die zivilen Opfer bemerkbar gemacht. Man sieht auf Satellitenbildern bereits Marktplätze – das sind typische zivile Ballungsgebiete –, die von den RSF zuerst angegriffen wurden, um sich so zu positionieren, dass man die Stadt einnehmen kann.» Und: «Kämpfer brüsten sich immer wieder in den sozialen Medien damit, dass sie Zivilistinnen und Zivilisten wahllos töten.»

So ist die Lage in El-Obeid: Die Region ist zurzeit das Zentrum der Kämpfe zwischen der Miliz RSF und der Regierungsarmee SAF. In den vergangenen Wochen hat die RSF ihre Truppen rund um die Stadt zusammengezogen. «In der Stadt El-Obeid halten sich ungefähr 500'000 Menschen auf, viele von ihnen sind Binnenvertriebene, die aus kleineren Konfliktherden im Sudan in diese Stadt geflohen sind», sagt Hager Ali. Diese Menschen hätten keinerlei Möglichkeit, aus dem Konfliktgebiet zu fliehen. Die Stadt liegt relativ zentral im Süden des Landes. In der Stadt laufen mehrere wichtige befestigte Strassen zusammen, die beispielsweise mit der Hauptstadt Khartum verbinden, aber auch weiter in den Osten des Landes führen.

Vier Personen in weissen Gewändern gehen in einer Wüstenlandschaft.
Legende: Vier Männer stehen vor einem Massengrab bei einem Dorf in der Nähe von El-Obeid, in dem die Opfer eines Drohnenangriffs beerdigt wurden. (Januar 2026) Reuters/El Tayeb Siddig/Archiv

Gräueltaten in El-Fascher: Letztes Jahr wurden innerhalb von drei Tagen mindestens 6000 Menschen getötet, als die RSF die Stadt El-Fascher einnahm. RSF und verbündete Milizen hätten damals Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt, wie etwa Massentötungen, sexuelle Gewalt und Folter, sagte der UNO-Menschenrechtskommissar Türk.

Lager mit vielen Zelten auf sandigem Boden.
Legende: Hier leben Binnenvertriebene aus dem Sudan in der Stadt El-Obeid. Reuters/El Tayeb Siddig

Das sind nun die Ziele der RSF: Das Ansinnen der Rebellen sei, an Infrastruktur für ihre eigenen Versorgungslinien heranzukommen, um sich auf potenzielle weitere Schritte vorzubereiten, so die Expertin. «Dort hat man Wasser­aufbereitungs­anlagen, man hat Pipelines und relativ viel Infrastruktur, die militärisch extrem wichtig ist.» Die RSF brauchten selber Treibstoff. El-Obeid sei historisch schon für militärische Operationen, aber auch für UNO-Missionen ein wichtiger logistischer Knotenpunkt geworden.

Es braucht jetzt Korridore, anhand derer Zivilistinnen und Zivilisten die Stadt verlassen können.
Autor: Hager Ali Politologin und Sudan-Expertin beim deutschen Giga-Institut

Diesen Einfluss hat die beginnende Regenzeit mit starkem Niederschlag und hohen Temperaturen auf den Krieg: Regen macht die Flugbahn der Drohnen ein wenig unberechenbar. Ali sagt: «Man kann Drohnen bei sehr hohen Temperaturen nur beschränkt nutzen, weil dadurch auch die Batterien der Drohnen, die Akkus, beschädigt werden und die Sichtbarkeit eingeschränkt wird.» Für die RSF heisse dies: «Man braucht in der Regensaison irgendwo eine Militärbasis, um sich entweder neu zu gruppieren und Bodenoffensiven zu starten oder um die Saison abzuwarten, um dann weiter kämpfen zu können», so die Expertin.

Das könnte den Menschen helfen: «Es braucht jetzt Schutz- oder Pufferzonen für Zivilistinnen und Zivilisten. Das sind Korridore, anhand derer Zivilistinnen und Zivilisten die Stadt verlassen können», sagt Ali.

SRF 4 News, 09.07.2026, 06:23 Uhr ; 

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