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USA: Hass-Verbrechen gegen asiatische Mitmenschen
Aus Rendez-vous vom 26.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:56 Minuten.
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Beschimpfungen und Gewalt Der einigende «Asian-Lives-Matter»-Moment in den USA

Nach dem Amoklauf in Atlanta beginnen Asiatinnen und Asiaten, sich gegen Anfeindungen und Gewalt zu wehren.

Die politische Stimmung gegenüber China ist in den USA aufgeheizt. Dazu kommt der Frust über das Coronavirus, für das viele China die Schuld geben. Beschimpfungen und Gewalt gegenüber Asiatinnen und Asiaten sind an der Tagesordnung. Vor einer Woche tötete ein Amokläufer nun neun Menschen, darunter sieben asiatisch-stämmige Frauen.

Diese Bluttat hat die Asiatinnen und Asiaten in den USA aufgerüttelt. Mit Protestmärschen und Mahnwachen mobilisieren sie gegen die rassistischen Übergriffe. SRF-USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi hat die Agglomeration von Baltimore im US-Bundesstaat Maryland besucht, wo rund 60'000 US-Asiaten und Asiatinnen leben.

«Wir sind keine Viren» und «Stoppt den Hass auf Asiaten» – das die Slogans dieser beiden Asiatinnen an der Demonstration.
Legende: «Wir sind keine Viren» und «Stoppt den Hass auf Asiaten» – das die Slogans dieser beiden Asiatinnen an einer Demonstration in Columbia. SRF / Isabelle Jacobi

Entlang der Autostrasse Route 40 reihen sich koreanische Spezialitäten-Restaurants an Spas und asiatische Apotheken. «Korean Way» heisst die Strecke in Ellicott City. Im Februar wurden hier vier koreanische Geschäfte ausgeraubt, doch über die Vorfälle sprechen will niemand. Er wolle sich nicht durch Medienberichte zusätzlich angreifbar machen, sagt dazu ein Restaurantbesitzer.

Das Coronavirus hat die Lage zugespitzt

Es sei an der Zeit, umzulernen und die berühmte asiatische Zurückhaltung abzulegen, sagt hingegen Su Park. Der US-Koreaner führt ein Digitaldruck-Unternehmen. Viele wüssten nicht, wie sie auf die Hassverbrechen reagieren sollten. Man müsse sie aufklären, dass es wichtig sei, Anzeige zu erstatten, damit die Übergriffe überhaupt bekannt würden. Su Park ist Mitglied einer neuen asiatisch-amerikanischen Arbeitsgruppe in Howard County.

Angela Cabellon von der Bezirksregierung leitet die Gruppe. Sie zählt auf, was die asiatische Bevölkerung derzeit erlebt: aggressives Verhalten, Beschimpfungen und offene Gewalt. Diskriminierungen oder sogar Verfolgungen habe es schon vorher gegeben in der Geschichte der USA. Aber das Coronavirus habe die Lage für die asiatisch-stämmige Bevölkerung zugespitzt. Tatsächlich kursieren in den US-Medien seit Beginn der Pandemie Begriffe wie «Kung Flu» oder «China Virus», die der ehemalige US-Präsident Donald Trump häufig benutzte.

Der einigende «Asian-Lives-Matter»-Moment

«Geh doch zurück nach China!» oder «Ihr seid schuld an Covid!» seien gängige Beschimpfungen, sagt Angela Cabellon. Ob Koreaner, Chinesinnen, Thailänder, Vietnamesen oder Japanerinnen – alle seien gleich betroffen, sagt Cabellon, deren Eltern einst aus den Philippinen eingewandert sind. Die ethnisch aufgesplitterte asiatische Minderheit in den USA erlebt derzeit so etwas wie einen einigenden «Asian-Lives-Matter»-Moment. In Columbia in Howard County versammeln sich rund 300 Asiatinnen und Asiaten zum Anti-Hass-Protest.

«Asiaten sind grossartige Amerikaner» heisst es auf einem Schild an der Kundgebung in Columbia.
Legende: «Asiaten sind grossartige Amerikaner» heisst es auf einem Schild an der Kundgebung. SRF / Isabelle Jacobi

«Wie können Sie es wagen, ältere Leute und Frauen anzugreifen?», sagt der Exil-Chinese Lin Weng. Die Täter würden auf die Verletzlichsten der Gemeinschaft zielen. Der Massenmord in Massagesalons in Atlanta sei ganz klar eine Hass-Tat gewesen.

Wie können sie es wagen, ältere Leute und Frauen anzugreifen?
Autor: Lin Weng

Die Tat in Atlanta habe ihr die Augen geöffnet, sagt Valerie, die vor 20 Jahren aus Shanghai in die USA gekommen ist. Sie habe ihr ganzes erwachsenes Leben hier verbracht, zur Gemeinschaft beigetragen und eine Tochter grossgezogen. Nun wage sie es nicht mehr, allein spazieren zu gehen. Sie frage sich manchmal, ob sie noch in den USA leben wolle, angesichts der aktuellen Anfeindungen.

Rendez-Vous, 26.3.2021, 12:30 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Wurde nicht hier auf srf vor wenigen Tagen darüber berichtet, dass der Täter in Atlanta die Morde aus Sexsucht begangen hatte?
    1. Antwort von Ueli Meier  (meimei)
      @ Blatter Was bezwecken Sie mit der Frage? Viele männliche Rassisten sind zugleich sexistisch oder haben andere Defizite.
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Im weiteren Zusammenhang und Lektüre verweise ich für einmal für alle interessierten Leser auf den hervorragenden Artikel von Mitherausgeber der "Zeit" Josef Joffe in der NZZ zum Thema "Woke Culture":
    https://www.nzz.ch/feuilleton/josej-joffe-ueber-wokness-wohlfahrtsstaat-und-liberalismus-ld.1608066
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Es ist menschlich bei einer Katastrophe Schuldige zu suchen, doch trifft es stets den Falschen. Den Bevölkerungen von Asien kann man das Coronavirus nicht in die Schuhe schieben und erst recht nicht ihren Verwandten in den USA. Was man gestützt auf die allgemeine Berichterstattung in Den Medien sagen kann ist dass die chinesische Regierung viel zu spät eingriff, denn Sie wurde schon Monate im Voraus von Ärzten aus den Nachbarländern auf einen chinesischen Virusherd in Wuhan aufmerksam gemacht.
    1. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Das stimmt nicht. Wenn, dann wurde höchstens ein "Hinweis" gesagt. Da jedoch viele Menschen Krank werden wegen irgendwas, dann fällt das nicht auf. Erst wenn es viele sind, die am gleichen erkranken, dann fällt das auf. Und als es auffiel, dauerte es rund eine Woche, bis die Regierung einschritt. Wenn man das mit uns vergleicht, war das etwa 2 Monate schneller. Und China hat es geschafft es aufzuhalten, wir nicht.