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Bevölkerung im Gazastreifen Iran-Krieg weckt neue Ängste

Der Iran-Krieg hat das Leiden im Gazastreifen verdrängt und macht die Lebensbedingungen noch schwieriger.

Erst noch war US-Präsident Trumps «Friedensplan» für Gaza das grosse Thema. Davon ist seit Beginn des Iran-Krieges kaum mehr die Rede. Der Schriftsteller Akram Surani, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Gaza-Stadt lebt, schaut den Kampfflugzeugen, die Richtung Libanon oder Iran unterwegs sind, mit grosser Sorge zu.

Vier Personen lächeln in die Kamera.
Legende: Akram Surani mit Ehefrau Imani und seinen beiden Kindern Carmen und Khaled. ZVG

Erste Auswirkungen hat der neue Krieg bereits auf die Versorgung der Bevölkerung. Israel liess am Wochenende den Rafah-Grenzübergang zu Ägypten schliessen, den es erst gerade teilweise geöffnet hatte: vor allem für die Ausreise von Schwerkranken und Verletzten und für die beschränkte Einfuhr von lebensnotwendigen Hilfsgütern.

Zwar konnten erst wenige auf diesem Weg aus dem Gazastreifen ausreisen, und längst seien nicht alle notwendigen Lebensmittel und Güter hineingelangt, berichten internationale Hilfswerke. Aber nun befürchtet die Bevölkerung eine neue Hungersnot, sagt Surani, und eine noch grössere Verknappung von noch teurerem Treibstoff.

Wir wissen nie, was als Nächstes passiert. Wir wissen nicht, ob wir bald wieder Hunger leiden werden oder ob wir überhaupt noch eine Zukunft haben.
Autor: Akram Surani Schriftsteller

Die meisten Menschen könnten sich nicht einmal das Lebensnotwendigste leisten: Lebensmittel und Medikamente würden von gierigen Händlern zu horrenden Preisen verkauft, Brennholz gebe es kaum, ebenso wenig medizinische Versorgung. Täglich würden Menschen deshalb an Krankheiten oder Verletzungen sterben.

«Der grösste Teil der Menschen lebt in Zelten oder inmitten von Ruinen. Nachts nagen Kälte und Frost an unseren Knochen», sagt der Schriftsteller, der mit seiner Familie nach Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025 in seine schwer beschädigte Wohnung zurückkehren konnte.

«Der Krieg im Gazastreifen hat nicht aufgehört»

Im Gazastreifen bombardieren die israelischen Streitkräfte weiterhin, seit der Waffenruhe sind nach Angaben der Gaza-Gesundheitsbehörden 600 Menschen getötet worden. Zahlen, die nicht überprüft werden können. Aber selbst Israel bestreitet die Zahl der Toten, die von der von der Hamas kontrollierten Behörde seit Beginn des Krieges genannt wurde, nicht mehr.

«Wir wissen nie, was als Nächstes passiert. Wir wissen nicht, ob wir bald wieder Hunger leiden werden oder ob wir überhaupt noch eine Zukunft haben», sagt Akram Surani.

Die Menschen seien nach mehr als zwei Jahren Krieg, dem Leben in Trümmern und der ständigen Suche nach Wasser, Essen und einigermassen hygienischen Bedingungen komplett erschöpft.

Mann geht durch Trümmer in zerstörter städtischer Umgebung.
Legende: Akram Surani in seinem zerstörten Quartier in Gaza-Stadt im Oktober 2025. ZVG

Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht der Schriftsteller Akram Surani in Israels Ankündigung, wenigstens den Kerem-Shalom-Grenzübergang wieder zu öffnen. Aber unklar sei, wie viele humanitäre Organisationen Israel überhaupt noch zulassen wolle.

«Jetzt haben wir Angst, dass der Gazastreifen in diesen Krieg hineingezogen wird. Wir sehen die Kampfflugzeuge, hören die Explosionen, und wir legen eine Hand aufs Herz in der Hoffnung, dass es uns nicht wieder mit voller Wucht trifft.»

Rendez-vous, 3.3.2026, 12:30 Uhr;brus

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