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Israel und USA greifen Iran an Wie schlagkräftig ist das iranische Militär?

Die Revolutionsgarden drohen mit den «grössten militärischen Einsätzen in der Geschichte ihrer Streitkräfte» gegen Israel und US-Stützpunkte in der Region. Was ist dran?

Auf dem Papier sehen die iranischen Streitkräfte beeindruckend aus mit rund 600'000 Soldaten und noch mal halb so vielen Reservisten. Grosse Teile der Armee, etwa die Landstreitkräfte, sind aber veraltet.

Erst recht gilt das für die Luftwaffe. Sie umfasst zwar noch immer um die 250 Kampfflugzeuge, doch die meisten sind Jahrzehnte alt, stammen aus US- und sowjetischer Fertigung, dazu kommen vereinzelte französische Mirages und chinesische Jets. Ein Grossteil davon dürfte – auch mangels Ersatzteilen aufgrund der Sanktionen – nicht einmal mehr flug-, geschweige denn kampftauglich sein.

Flugzeuge fliegen über Moscheekuppeln am blauen Himmel.
Legende: Kampfjets während der Parade zum Tag der Nationalen Armee in Teheran. (18. April 2022) Iranische Armee / Handout via REUTERS

Für regionale Verhältnisse einen beträchtlichen Umfang hat die Marine, mit mehreren Fregatten, einem Helikopterträger, über hundert Patrouillenbooten und knapp zwei Dutzend U-Booten. Sie hat zumindest ein gewisses regionales Störpotenzial, nicht zuletzt rund um die Strasse von Hormus.

Raketen: unmittelbare Bedrohung für Israel und die Golfstaaten

Gerade weil die Luftwaffe de facto fast inexistent ist, setzt Teheran jedoch seit langem auf seine Raketen. Sie sind das Rückgrat der Streitkräfte. Die Arsenale sind gross, einsatzfähig und zu einem beträchtlichen Teil auch modern. Der Iran hat auch punkto Zielgenauigkeit grosse Fortschritte gemacht.

Raketenabschuss in Wüstenlandschaft
Legende: Iranische Armee / Handout via REUTERS

Für Israel ist es eine unmittelbare Bedrohung, wie die vergangenen Stunden gezeigt haben. Der Iran verfügt über Tausende von Raketen und Drohnen, von denen viele Israel erreichen können und auch erreicht haben. Viele, aber nicht alle konnten vom sogenannten «Eisernen Dom», also der Raketenabwehr, abgefangen werden. Einzelne schlugen ein und verursachten Schäden.

Ebenso unmittelbar ist die Gefahr für die Golfstaaten, wo es ebenfalls viele Einschläge gab, zum Teil bei wichtigen Infrastrukturanlagen wie im Hafen von Dubai, an den Flughäfen von Kuwait, Dubai, bei der Nationalen Sicherheitsbehörde von Bahrain – und das sind nur einige wenige Beispiele. Die Golfstaaten liegen selbst für iranische Kurzstreckenraketen in Reichweite. Und damit auch die grossen US-Militärbasen dort.

US-Territorium liegt zu weit weg

Für US-Territorium stellen die iranischen Streitkräfte keine direkte Bedrohung dar. Die USA sagen zwar, der Iran arbeite an Interkontinentalraketen. Doch vorläufig besitzt er keine solchen. Die maximale Reichweite iranischer Raketen liegt bei gegen 3000 Kilometern, sie könnten also bis knapp nach Österreich fliegen.

Mehrere Kampfflugzeuge auf Flugzeugträgerdeck mit Personal.
Legende: In Reichweite iranischer Raketen: Flugzeuge des Carrier Air Wing 9 auf dem Deck des US-Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln während der Operation «Epic Fury». (28. Februar 2026). U.S. Navy / Handout VIA REUTERS

Erreichbar für iranische Antischiffsraketen oder Seedrohnen wäre allerdings die Armada, die die USA im Kriegsgebiet zusammengezogen haben.

Arsenal ist begrenzt – für alle Beteiligten

Die militärisch entscheidende Frage ist zurzeit für beide Seiten: Wie lange reichen die Vorräte? Also: Wie lange kann der Iran noch Raketen und Drohnen Richtung Israel und die Golfstaaten lancieren – das hängt von der Anzahl verfügbarer Raketen, aber auch von der Funktionsfähigkeit der Kommandostrukturen ab.

Umgekehrt stellt sich die Frage: Wie lange können die iranischen Angriffe in der ganzen Region noch abgewehrt werden? Denn auch da sind die Arsenale Israels, der USA und der Golfstaaten an Flug- und Raketenabwehrwaffen begrenzt. Frühere Operationen, etwa jene von 2025, haben grosse Löcher gerissen in die Bestände, die nicht voll wieder aufgefüllt werden konnten.

Echo der Zeit, 1.3.2026, 18:00 Uhr

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