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Neue Diversität im Weissen Haus
Aus Echo der Zeit vom 19.01.2021.
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Bidens vielfältiges Kabinett Der «alte weisse Mann» beschreitet neue Wege

Bunt, vielfältig, progressiv: Korrespondentin Isabelle Jacobi über die historischen Nominierungen der Regierung Biden.

Am Mittwoch wird Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Biden selbst gehört seit Jahrzehnten zum Polit-Establishment in Washington. Der nächste «alte weisse Mann» im Oval Office, frotzeln Kritiker.

Als selbsternannter Präsident des Übergangs schart Biden jedoch ein äusserst diverses Kabinett um sich: Mit Kamala Harris wird erstmals eine Frau Vizepräsidentin. Weitere Regierungsposten haben alte Hasen, Newcomer und Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen inne.

Joe Biden und Kamala Harris
Legende: Gemäss einer Analyse von CNN werden 50 Prozent der Spitzenposten im Kabinett des neuen US-Präsidenten von «people of color» besetzt, also Menschen, die nicht der weissen Mehrheitsgesellschaft angehören. Keystone

«Das sind historische Nominierungen. Das Gruppenbild sieht völlig anders aus als unter Präsident Donald Trump», bestätigt SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi. Noch nie gab es so viele Frauen auf hohen Regierungsposten, so viele Hispanics, Afroamerikaner und Asiatinnen. «Die Weissen sind sogar untervertreten im Vergleich zur Gesellschaft in den USA.»

Mit Pete Buttigieg dürfte erstmals ein offen Schwuler als Verkehrsminister Einsitz im Kabinett nehmen. Erst gerade hat das Biden-Team die Transsexuelle Rachel Levine als Nummer zwei im Gesundheitsministerium nominiert.

«Allerdings», relativiert Jacobi, «wenn man Bidens engen Beraterzirkel im Weissen Haus ansieht, dominiert wieder die Farbe Weiss und das männliche Geschlecht.» In Washington spreche man bereits spöttisch vom «Wohlfühlzirkel» von Joe Biden.

Im Wahlkampf feuerten Trump und seine Republikaner gegen die «Sozialisten», die die USA zu übernehmen drohten. «Davon kann ganz sicher keine Rede sein», findet die Korrespondentin – und spricht von einem «Gemischtwarenladen», in dem die politische Mitte dominiert. «‹Corporate America› kann damit rechnen, dass ihre Anliegen Gehör finden.»

Joe Biden sitzt neben Ron Klain
Legende: Im Oval Office haben Weggefährten von Joe Biden das Sagen, wie der künftige Stabschef Ron Klain (links, 2014). Aber im gesamten Kabinett herrscht mehr Diversität denn je. Reuters / Archiv

Bidens persönlicher Berater Steve Ricchetti war Lobbyist für Banken, Versicherungen und die Telekombranche. Der künftige Stabschef Ron Klain führte zuletzt eine Risikokapitalgesellschaft. «Und der nominierte Aussenminister und der Verteidigungsminister pflegen die Nähe zur Militärindustrie und Technologie-Branche», so Jacobi.

Parteilinke wird im Senat wirken

Biden und Harris gehören zum gemässigten Teil der Demokraten. In der Partei gibt es aber einflussreiche Exponenten, die weit links politisieren. Dieser Flügel bekomme im Biden-Kabinett nur wenig Gewicht, so die Korrespondentin. «Nur ein paar Besetzungen sind eine Verneigung gegen links.»

Dazu gehören die Innenministerin Deb Haaland oder die Klimaberaterin Gina McCarthy. Dem Kampf gegen den Klimawandel räumt Biden aber ohnehin hohe Priorität ein. Zudem wird der Wirtschaftsberater von Elizabeth Warren die Nummer zwei in Bidens Wirtschaftsrat. Ein anderer Protegé der linken Demokratin übernimmt die Führung des Konsumschutzbüros, das sie einst gegründet hat.

Elizabeth Warren und Bernie Sanders stehen neben Joe Biden
Legende: Im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur zogen Elizabeth Warren (links) und Bernie Sanders (Mitte) den Kürzeren gegenüber Biden. Im US-Senat wollen sie nun Kapital aus der Mehrheit ihrer Partei schlagen. Keystone

«Die Abschussrampe für linke Anliegen könnte in kommenden Jahren eher der Senat als das Weisse Haus sein», sagt Jacobi. Dort politisieren neben Warren auch die linke Galionsfigur Bernie Sanders oder Sherrod Brown, der dem Bankenausschuss vorsitzen wird. Sie wollen die US-Unternehmen zwingen, mehr soziale Kosten zu tragen.

Auch im Weissen Haus wollen die Demokraten mit «einem Knall anfangen», schliesst Jacobi: Die USA treten wieder dem Pariser Klimaabkommen bei und das sogenannte «Muslim-Einreiseverbot» wird aufgehoben. Zudem plant Biden grosse legislative Projekte wie ein zwei Billionen Dollar schweres Covid-Ausgabenpaket und eine umfassende Immigrationsreform.

Echo der Zeit, 19.01.2021, 18:00 Uhr;

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Liebes SRF, können wir den Term "Afro-Amerikaner" streichen? Man redet ja auch nicht immer von "Europa-Amerikanern" oder "Causasische-Amerikaner". Ich weiss, dass es ja ein erstes mal ist, man auch die Spezialität erklären muss, doch dann könnte man dunkelhäutiger Amerikaner. Mit der ganzen Bezeichnung von "Afro- Amerikaner" sieht man die dunkelhäutigen Amerikaner, nicht als vollständige Amerikaner an, obwohl Sie gleich lang in den USA sind, wie die Europäer!
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    «Und der nominierte Aussenminister und der Verteidigungsminister pflegen die Nähe zur Militärindustrie und Technologie-Branche» schreibt Frau Jacobi. Das sagt uns wohin die Reise gehen wird. Alles andere ist Augenwischerei.
    1. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      Ja, auch die Militär- und Technologie-Branche gehören zu den USA - insofern ist es richtig, auch hier gute Kontakte zu pflegen. Genau so wie zu allen anderen Branchen auch.
      Und übrigens gab es noch nie einen grösseren präsidialen Waffendealer als Trump. Wer wurde denn von der Waffenindustrie und der NRA unterstützt?
    2. Antwort von Max Hess  (MAH)
      @Paul Wagner. " übrigens gab es noch nie einen grösseren präsidialen Waffendealer als Trump". ja und das erst noch ohne einen Krieg angezettelt zu haben.
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Das scheint in jeder Hinsicht ein fähiges und ausgewogenes Kabinett zu sein.
    Er hat Vertrauenspersonen und Erfahrung an Bord, er hat verjüngt, er hat sein Versprechen umgesetzt die Diversität der USA zu respektieren, er scheint nicht auf grosse Namen zu setzen, es sind keine branchenfremden Quereinsteiger wie unter Trump.
    Die Auswahl scheint sehr bewusst und sehr massvoll zu sein. Das ist auch eine Geste an die Republikaner - nach vier Jahren Extremen nicht ins Gegenteil zu kippen.
    1. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      Und natürlich ist das Corporate America auch vertreten. Logisch. Es hat nie und wird nie eine US-Regierung geben, die nicht Freiheit, Wirtschaft und Jobs ganz oben auf ihrer Agenda hat - egal ob Reps oder Dems. Das ist die DNA Amerikas.
    2. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      Und als Institutionalist scheint Biden auch wieder den Kongress stärken zu wollen, statt wie sein egomanischer Vorgänger alle Macht im Weissen Haus zu verankern.