Der ehemalige Offizier U Myu – ein Pseudonym – kennt das Regime von innen. Er diente zwanzig Jahre in Myanmars Armee, bevor er desertierte. «Das Militär sollte die Menschen schützen, stattdessen verhaftet und foltert es Unschuldige», sagt er. Auch zivile Ziele würden bombardiert. Irgendwann sei für ihn klar gewesen, «dass ich auf die richtige Seite wechseln musste».
Heute lebt er mit seiner Familie versteckt in Thailand. Mehrmals mussten sie bereits umziehen – aus Angst, entdeckt zu werden.
Schwere Verluste für den Widerstand
Besonders brutal kämpfen Armee und ethnische Milizen im Gebiet der Karenni im Osten des Landes. Dort trifft man auch auf Poe Heart Pyuh. Der 25-Jährige kämpft für eine ethnische, bewaffnete Organisation.
Er berichtet von schweren Gefechten und jüngsten Verlusten. In den vergangenen Monaten habe die Junta mehrere strategisch wichtige Ortschaften in diesem Gebiet und entlang wichtiger Handelsrouten zurückerobert. Vor zwei Jahren hingegen habe die Hoffnung im Widerstand überwogen – damals gelang den Widerstandskräften eine Reihe von Durchbrüchen.
China stärkt das Regime
Dass die Junta wieder stärker wird, hat auch geopolitische Gründe. Nachdem sie zunehmend unter Druck geraten war, verstärkte China seine Unterstützung – wirtschaftlich, aber auch militärisch. Ein Sturz des Regimes wolle Peking verhindern, heisst es, nicht zuletzt wegen eigener Infrastruktur- und Energieprojekte im Land.
Poe Heart Pyuh sagt, er verstehe nichts von Geopolitik. Er zeigt stattdessen auf den tätowierten Arm: darauf vier Männer – er und drei enge Freunde. Zwei davon sind gefallen. «Wir haben zusammengelebt und zusammen gegessen», sagt er. Nun sei nur noch einer seiner Kameraden am Leben.
Drohnenkrieg mit improvisierten Mitteln
Auch in der Luft wird erbittert gekämpft. Während das Militär mit Kampfjets und zunehmend mit motorisierten Paragliders angreift, setzt der Widerstand auf selbstgebaute Drohnen. Ko Khant, früher Marketingfachmann, heute Drohnenpilot der Rebellen, zeigt Videos einer von ihnen gebauten Kamikaze-Drohne, die Soldaten des Regimes tödlich traf.
Der Drohnenkrieg werde immer schwieriger, sagt er. Die Junta setze vermehrt Störsender ein – und nutze mittlerweile selbst Drohnen, teils aus chinesischer Produktion.
Die Menschen, die eigentlich kandidieren müssten, sind im Gefängnis. Solange jeder verhaftet wird, der die Wahlen kritisiert, sind sie weder frei noch fair.
«Sie lernen schnell von uns», sagt er frustriert. Gleichzeitig mangele es den Widerstandsgruppen an Munition und Geld. «Mit mehr Unterstützung wäre vieles möglich.»
Vorbereitung auf fragwürdige Wahlen
Für Ende Jahr plant das Regime Wahlen. Es scheint, als wolle es bis dann möglichst viele Ortschaften einnehmen, um dort Wahlen abhalten zu können. Die Wahlen gelten als Farce.
«Die Menschen, die eigentlich kandidieren müssten, sind im Gefängnis», sagt Ex-Offizier U Myu. «Solange jeder verhaftet wird, der die Wahlen kritisiert, sind sie weder frei noch fair.»
Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht
Trotz der jüngsten Erfolge der Junta befinden sich grosse Teile des Landes ausserhalb ihrer Kontrolle. Obschon die Wahlen das Regime legitimieren sollen, ist ein Ende des Bürgerkriegs derzeit nicht in Sicht.