Mit dem üblichen Brimborium hat sich US-Präsident Donald Trump vergangene Woche in Davos zum Friedensstifter in Chief ernannt.
Neben ihm, auf dem Podium artig aufgereiht, sassen die Staats- und Regierungschefs all jener Länder, die bereit sind, im sogenannten «Friedensrat» mitzumachen. Für eine Milliarde Dollar sogar lebenslang.
Knapp 20 machten Trump die Aufwartung, darunter viele Autokraten und Monarchen. Abwesend waren dagegen die meisten europäischen Länder, darunter auch Grossbritannien.
Schwierige Grosswetterlage
Kaum war der Festakt in den Schweizer Alpen vorüber, beeilte sich die britische Aussenministerin Yvette Cooper zu erklären, weshalb. Der Beitritt zu einer internationalen Organisation müsse sorgfältig geprüft werden.
Zudem habe die britische Regierung grundsätzliche Bedenken gegen einen «Friedensrat», dem allenfalls der russische Präsident Putin angehört, der bis heute noch kein Anzeichen zeigt, an einem Frieden in der Ukraine interessiert zu sein.
Die Absage wird dem Chef des Friedensclubs nicht gefallen. Sie passt aber zur aktuellen Grosswetterlage zwischen London und Washington. Trump hat den britischen Premierminister in den vergangenen Tagen verschiedentlich öffentlich gemassregelt.
Der US-Präsident ärgerte sich zum Beispiel in Davos über die britische Regierung, die in der Nordsee Windräder statt Erdöl fördert. Die Rückgabe des Chagos-Archipels an Mauritius, einer ehemaligen britischen Kolonie im Indischen Ozean, bezeichnete er als unendlich stupid.
Doch trotz der Zerrüttung ist Grossbritannien Teil von Trumps «Friedensrat»: Bereits vor drei Monaten berief Trump den früheren Labour-Premierminister Tony Blair in den Exekutivrat des «Board of Peace» und er dankte «dem lieben Tony» in Davos für dessen Anwesenheit.
Mit seinem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus hatte Blair in den 90er Jahren die britische Politik geprägt. Bis heute gilt er als einer der erfolgreichsten Premierminister Grossbritanniens.
Sein aussenpolitisches Erbe ist jedoch zwiespältig. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 versicherte Blair dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush seine Gefolgschaft im «Krieg gegen den Terror».
«Saddam Hussein stürzen und Massenvernichtungswaffen zerstören»
Schliesslich schickte er die britische Armee in den Krieg in den Irak, an der Seite der US-Amerikaner.
Nach seinem Rücktritt im Jahr 2007 wurde Blair UNO-Gesandter für den Nahen Osten, wo er einen Frieden zu vermitteln versuchte. Die Bilanz ist umstritten.
Den Palästinensern galt er als zu Israel-freundlich, und ehemalige britische Diplomaten warfen ihm vor, sein Mandat als Nahostgesandter und seine persönlichen Geschäftsinteressen zu vermischen.
Was für ein Vermächtnis bleibt?
Premierminister Keir Starmer sagte zwar gegenüber Journalisten, dass er sich nicht über persönliche Entscheidungen von Personen ausserhalb der Regierung äussere. Aber hinter den Kulissen sorgt Blairs Engagement für Stirnrunzeln.
Im arabischen Raum gilt Blair vielen als mitverantwortlich für die Destabilisierung des Irak. In Grossbritannien wiederum wird Blair nach dem gescheiterten Feldzug bis heute als Erfüllungsgehilfe des damaligen US-Präsidenten Bush kritisiert.
Nun noch ein Gehilfe des selbsternannten Friedensstifter Trump zu werden, könnte sein politisches Vermächtnis definitiv beschädigen.