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Bolsonaro-Anhänger okkupieren das Seleção-Shirt für ihre politischen Anliegen
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.07.2020.
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Bolsonaro-Fans in Gelb-Grün «Die Rechtsradikalen zeigen so ihre Macht»

In Brasilien wird das gelb-grüne Trikot der Fussball-Nationalmannschaft zum Politikum. Die Anhänger von Präsident Jair Bolsonaro beanspruchen das Seleção-Trikot für sich und ziehen damit Wochenende für Wochenende durch Brasiliens Strassen.

Das stellt die Bolsonaro-Gegner vor Probleme: ‬Sie suchen jetzt selber nach einer geeigneten Farbe für ihren Protest, weil ihre traditionelle Protestfarbe Rot kaum mehr getragen werden kann. Wieso, weiss SRF-Korrespondent Ulrich Achermann.

Ulrich Achermann

Ulrich Achermann

Südamerika-Korrespondent, SRF

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Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

SRF News: Warum nutzt die radikale Rechte ein Fussballtrikot als Symbol?

Ulrich Achermann: Die Rechtsradikalen haben in Brasilien jetzt die Macht – und das zeigen sie gerne, indem sie die gelb-grünen Trikots tragen. Sie tun das immer dann, wenn es um die Forderung geht, die Demokratie in Brasilien abzuschaffen und Präsident Bolsonaro mit diktatorischen Vollmachten auszustatten. Mit den grün-gelben Trikots will man sich auch optisch von den Linken abgrenzen, die bei ihren Demonstrationen früher konsequent rote Shirts getragen hatten.

Demonstrierende in roten Shirts vor einer roten Fahne.
Legende: Linke Demonstranten – Bolsonaro-Gegner – protestierten traditionellerweise in Rot. Doch heutzutage ist das nicht mehr empfohlen: Sie riskieren von Bolsonaros Horden verprügelt zu werden. Reuters

Die Farben sind das eine – wieso aber ausgerechnet ein Fussballtrikot?

Der Fussball ist so etwas wie der Kitt, der die Menschen in den Armenvierteln auf der einen Seite und in den Villen auf der anderen Seite zusammenhält. Er verbindet Menschen aus allen sozialen Schichten, egal, ob sie arm oder reich sind.

Der Fussball ist in Brasilien so etwas wie der Kitt zwischen Arm und Reich.

Gäbe es diesen Kitt nicht, wäre in Brasilien schon lange etwas schiefgegangen. Auch andere Klischees spielen dabei eine Rolle: Samba-Musik oder der Karneval. Fussball und Fahnen sind halt einfach Zeichen des Patriotismus.

Schon mehr als 77'000 Corona-Tote

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Schon mehr als 77'000 Corona-Tote
Legende:Reuters

Das Coronavirus breitet sich in Brasilien weiter aus. Das Gesundheitsministerium meldete am Samstag gut 34'000 Neuinfektionen – innert eines Tages. Damit steigt die Gesamtzahl der Ansteckungen auf 2.05 Millionen. Die Zahl der Todesfälle legte binnen 24 Stunden um 1163 auf 77'851 zu. Brasilien weist in der Coronavirus-Pandemie nach den USA weltweit die meisten Infektionen und Todesfälle auf.

Derweil wurde Präsident Bolsonaro ein zweites Mal positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Er hatte am 7. Juli einen ersten positiven Test bekannt gegeben. Ursprünglich wollte er wieder arbeiten, wenn der Test in dieser Woche negativ ausfiel. Bolsonaro hat die Gefahr durch das Virus wiederholt als gering eingestuft und von einem «Grippchen» gesprochen.

In Brasilien gibt es auch linke Fussballfans. Wie reagieren diese darauf, dass die rechten das Fussballtrikot der Seleção für sich beanspruchen?

Sie überlegen sich gerade, wie sie sich optisch abgrenzen könnten. Eine Möglichkeit wäre die zweite Trikotfarbe der Seleção, blau. Diskutiert wird auch weiss-blau – vor 70 Jahren trat die Fussballnationalmannschaft so auf. Rot dagegen ist derzeit nicht mehr ratsam – wer mit roten Leibchen an eine Demonstration geht, riskiert von den Bolsonaro-Horden verprügelt zu werden.

Frau in gelb-grünem Fussballtrikot der  Seleção mit einem gemalten Porträt-Bild Bolsonaros, dahinter weitere Menschen in Fussballshirts.
Legende: Wird für Bolsonaro demonstriert, tragen die Leute dieser Tage Fussballtrikots der Nationalmannschaft. Reuters

Wie typisch ist es, dass Fussball in Brasilien politisiert wird?

Neu ist, dass sich eine extrem rechts politisierende Bewegung den Fussball als Symbol angeeignet hat. Doch Fussball und Politik haben sich schon früher vermischt. So gingen etwa die Spieler des Erstligisten Corinthians São Paulo in den 1980er-Jahren mit Trikots auf Spielfeld, mit denen sie in der damaligen Zeit der Diktatur Demokratie und Wahlen forderten.

Das Gespräch führte Sandra Witmer.

SRF 4 News aktuell vom 16.7.2020, 06.45 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann  (Abraham)
    Extremismus ist immer schlecht und Bolsonaros Verhalten (nicht seine Politik) kann als extrem betrachtet werden. Wenn gar keine anderen Optionen vorhanden sind, dann besser rechts als links. Rechts ist zumeist liberal, links erwürgt die Freiheit
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Libertär nicht Liberal.
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    2. Antwort von mahmut alane  (holundder)
      Lieber kleine Einschränkungen bei der "Freiheit" was immer das genau sein soll... Als sterben weil der Chef zu wenig Lohn zahlt oder weil ich den Arzt nicht bezahlen kann oder weil ich an lebensmittelvergiftung sterbe mangels regulation und Kontrolle bei den Betrieben. Alles Rechte "freiheitsvorstellungen".
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  • Kommentar von João Muller  (Sozialdemokrat)
    Und nur zu sagen, er wurde von der Bevölkerung gewählt. In der Schweiz darf man die Führer des Landes nicht wählen aber die dürfen und müssen. In Brasilien muss jeder Brasilianer und Portugiese der seine politischen Rechte in Portugal abgab wählen. Es ist ein Gesetz. Wählt man nicht bekommt man eine Geldstrafe. Die haben also mehr Rechte und die Menschen wollten ihn als Präsident.
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    1. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Die politischen Systeme der Schweiz und Brasiliens sind in etwa so schlecht miteinander vergleichbar wie Äpfel und Birnen. In der Schweiz hat die Bevölkerung zwar nicht die Möglichkeit, die Regierung zu wählen, aber dafür gibt es die direkte Demokratie, d. h. die Bevölkerung hat das Recht, über Gesetzes- und Verfassungsänderungen abzustimmen. Meiner Meinung nach ist dieses Recht viel höher zu gewichten als das Recht, einen Präsidenten zu wählen, der schalten und walten kann, wie er will.
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    2. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Zur Wahl von Bolsonaro zum Präsidenten: Trotz der Wahlpflicht in Brasilien lag die Wahlbeteiligung "nur" bei 79 %, d. h. letzten Endes hat nur eine relative Mehrheit der Wahlberechtigten (ca. 43 %) für ihn gestimmt. Und ich wage mal zu behaupten, dass ein Teil dieser Stimmen ihm nicht einmal aus Überzeugung gegeben wurden, sondern einfach aus Protest gegen Haddad. Da sieht man mal, wozu es führt, wenn man mit der destruktiven Haltung "Egal wer, Hauptsache nicht der!" wählen geht.
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    3. Antwort von Jürg Häusermann  (Abraham)
      @Svensk: um anschliessend einen Volksentscheid nicht Initiativengetreu umzusetzen. Wow, was für eine Demokratie
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    4. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Herr Häusermann, man muss ja nicht immer gleich die Negativbeispiele zum Regelfall erklären. Schauen Sie sich doch lieber einmal an, in wie vielen Fällen die direkte Demokratie funktioniert, zum Beispiel beim Referendum 2014 über den Kauf neuer Kampfflugzeuge: Die Regierung war dafür, doch die Bevölkerung lehnte die Vorlage ab, und die Regierung akzeptierte diesen Entscheid. In einem anderen Land hätte die Regierung die Flugzeuge wohl einfach gekauft, ohne die Bevölkerung vorher zu fragen.
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  • Kommentar von João Muller  (Sozialdemokrat)
    Recht ist das in Brasilien nicht das gleiche wie in der Schweiz. Bolsonaro gehört zur Partei Aliança pelo Brasil, die sind noch nicht als politische Partei anerkannt. Diese Partei respektiert alle Religionen, unterstützt Familienwerte, unterstützt das Recht auf Selbstverteidigung, das Recht, eine Schusswaffe zu besitzen, Freihandel mit der ganzen Welt, ohne ideologische Agenda. In der Schweiz die SVP ist etwas komplett anders, die sind wirklich Recht
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    1. Antwort von mahmut alane  (holundder)
      Familienwerte, selbstverteidigung, freihandel-alles codeworte.. Ich übersetze mal. Familienwerte= alles andere als Mann und Frau wird nicht toleriert-lgtb adieu
      Selbstverteidigung= aggression gegen unliebsame,protestierende, meist Arme Menschen wird zumindest toleriert oder sogar ermutigt. Freihandel=internationale Unternehmen lagern ihre Produktion in billiglohn Länder aus und zahlen hungerlöhne, um in der Heimat mit 200%marge profit zu scheffeln.
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