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Legende: Video Experte Holzer: «Reparaturarbeiten werden etliche Jahre dauern» abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.04.2019.
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Brand der Notre-Dame «Vollständige Rekonstruktion wird man wohl gar nicht versuchen»

Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame hat den hölzernen Originaldachstuhl zerstört. Das meistbesuchte historische Monument Europas soll nun wiederaufgebaut werden. Der ETH-Professor Stefan Holzer ist spezialisiert auf historischen Holzwerkbau. Er erläutert die nächsten Schritte in der Rekonstruktion der Notre-Dame.

Stefan Holzer

Stefan Holzer

Professor ETH Zürich

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Stefan Holzer ist Professor für Bauforschung und Konstruktionsgeschichte an der ETH Zürich. Forschungsschwerpunkte in der Baukunst der Frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts, im historischen Holz- und Mauerwerksbau.

SRF News: Sie haben sich beruflich oft mit Dachstühlen wie dem in der Notre-Dame beschäftigt. Haben Sie vorgestern beim Brandbeginn genau drauf geachtet, wann welches Element Feuer gefangen hat?

Stefan Holzer: Live mitzuverfolgen wie der Führungsdachreiter einstürzt, war erstmal ein Schock für mich. Tatsächlich war ich überrascht, dass der ganze Dachstuhl so schnell Feuer fing, da es normalerweise eine Weile dauert, bis so ein Balken brennt.

Präsident Macron hat noch letzte Nacht den Wiederaufbau versprochen. Wie wichtig ist ein solcher Wiederaufbau?

Notre-Dame ist neben dem Eiffelturm das Symbol schlechthin für Paris, und es verbinden sich 800 Jahre Geschichte damit: nicht nur die Geschichte des Mittelalters als religiöser Mittelpunkt von Frankreich, sondern auch die Geschichte der Französischen Revolution. Das ist ein zentraler Identifikationspunkt für die ganze Gesellschaft, für Millionen von Touristen. Es wird auf jeden Fall der Wunsch oder auch die Forderung entstehen, das Monument möglichst originalgetreu wiederaufzubauen.

Ist es überhaupt möglich, alle diese spezifischen Spuren der Vergangenheit vollständig und originalgetreu wiederaufzubauen?

Eine vollständige Rekonstruktion wird man in dem Fall wahrscheinlich gar nicht versuchen. Man wird sicherlich ein Dach in einer feuersicheren Konstruktion wiedererrichten, das natürlich die gesamte Silhouette der Kathedrale wiederherstellt.

Die Originalsubstanz ist stark beschädigt. Worauf müssen die Spezialisten achten, damit die Geschichte beziehungsweise die Ausstrahlung der Kathedrale erhalten bleibt und trotzdem die Rekonstruktion möglich ist?

Als nächstes erfolgt die Sicherung der Brandruine. Es ist wichtig, möglichst schnell ein Notdach auf die Kathedrale zu bauen, damit die Witterungseinflüsse nicht einen noch grösseren Schaden anrichten. Dann wird man versuchen, lose Teile, die nicht mehr ganz standsicher sind, zu identifizieren und die Löcher in den Gewölben zu schliessen. Dann kann man in Ruhe eine Schadenskartierung im Einzelnen vornehmen und überall dort Teile auswechseln, wo dies getan werden muss.

Legende: Video Lässt Frankreich seine Kulturdenkmäler verlottern? abspielen. Laufzeit 02:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.04.2019.

Eine sehr aufwändige Sache. Wie lange wird es dauern, bis die Notre-Dame für die Touristen wieder zugänglich sein wird?

Das ist natürlich sehr schwer einzuschätzen, weil ich auch nicht weiss, was das Schadenausmass im Einzelnen ist. 1997 ist in Turin die Grabtuch-Kapelle abgebrannt, da hat der Wiederaufbau 20 Jahre gedauert. Bei der Kathedrale Notre-Dame wird das nicht ganz so lange dauern, aber man wird sich sicher auf etliche Jahre Renovierungs- und Reparaturarbeiten einstellen müssen.

Das Gespräch führte Cornelia Boesch.

Fakten zur Notre-Dame
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16 Kommentare

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  • Kommentar von Claus Prochazka  (Verfalsdatum1007)
    Einstein ist berühmt für seine Relativitätstheorie, aber zum Schluss seines Lebens sagte er: Ich bin mir nicht 100% sicher ob ich recht habe, aber bei einem bin ich sicher: Die Dummheit der Menschen ist unendlich.
    China hat eine viel ältere Kultur als Europa und pflegt diese. Wenn man nicht weiß woher man kommt, weiß man auch nicht wohin man geht.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    In 48 Stunden sind über eine Milliarde Spenden zugesagt worden.Zwischenzeitlich werden es noch mehr sein. Warum bietet die halbe Welt Hilfe an und warum wollen jetzt Privatleute Millionen spenden?Auf der Welt verhungern Menschen, weil kein Geld da ist. Die Gelbwesten beklagen eine Kluft zwischen Arm und Reich.Sie monieren, dass das Geld hinten und vorne nicht zum Leben reicht, für Familien, Rentner, Alleinerziehende.Kulturgut schützen, keine Frage, aber Menschen sollten an erster Stelle stehen.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    In weniger als 24 Stunden, Zusagen aus aller Welt für über 600 Millionen Euro für den Aufbau eines alten Gebäudes. Bei Naturkatastrophen, wie zuletzt in Mosambik, kommt in der selben Zeit nicht mal ein Bruchteil der Summe zusammen, für tausende Menschen die alles verloren haben. Ich finde das befremdlich!:((
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