Zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit freute sich die europäische Rechte über seine Wiederwahl. Man erhoffte Schub für die eigenen politischen Ziele. Doch Trump hat mittlerweile auch die, die ihn mochten, gegen sich aufgebracht, und zwar aus verschiedenen Gründen. Vier Beispiele:
Giorgia Meloni – italienische Premierministerin
Einst von Donald Trump als «eine der wahren Anführerinnen dieser Welt» bezeichnet, versuchte sie sich als Vermittlerin zwischen Europa und Trump zu positionieren. SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel beschreibt es so: «Meloni machte nie ein Geheimnis daraus, dass ihr Herz für Amerikas Rechte, für Trump und die Republikaner schlägt. Trump bezeichnete Meloni als eine schöne, erfolgreiche Frau. Meloni wiederum wollte Trump den Friedensnobelpreis verleihen.»
Doch dann kam der Iran-Krieg und Trumps Post zu Papst Leo: «Trumps Kritik am Papst brachte das Fass zum Überlaufen. Getrieben von der öffentlichen Meinung distanzierte sich Meloni vor einigen Tagen mit eindeutigen Worten vom US-Präsidenten. Seither herrscht zwischen Meloni und Trump Eiszeit.»
Nigel Farage – Reform UK
Nigel Farage, amtierender Chef der Partei Reform UK, war bereits seit mindestens zehn Jahren mit Trump befreundet. Er nannte Trump den «mutigsten» Menschen, den er je getroffen habe. Mit dem Brexit und Trumps America-First-Idee bedienten beide die Bedürfnisse von Bevölkerungsschichten, die sich abgehängt fühlten. Doch die Freundschaft ist abgekühlt.
Fiona Enders, SRF-Auslandredaktorin, fasst es so zusammen: «Mittlerweile wird Trump für Farage immer mehr zur Hypothek. Bei den Britinnen und Briten ist Trump nicht beliebt – viele stören sich an seiner plumpen Rhetorik. Auch sind viele verärgert über Trumps Zölle und über den Iran-Krieg. Aktuelle Umfragen zeigen, dass potenzielle Wählerinnen und Wähler als Grund, nicht Reform UK zu wählen, die Freundschaft Trump-Farage angeben. Deshalb gibt sich Farage nun deutlich distanzierter.»
Weidel & Chrupalla – AfD
Was Deutschland betrifft, gab sich vor allem die AfD Trump zugeneigt. Zunächst bejubelte man Trumps Kampf gegen alles «Woke» und «Linke» und Co‑Parteichefin Alice Weidel traf sich mit Trump zu einem Gespräch.
Doch auch diese Nähe verflüchtigte sich, wie Stefan Reinhart, SRF-Auslandchef, sagt: «Jetzt, wo Trump entgegen der reinen Maga-Lehre Krieg gegen den Iran führt, wächst auch im Westen eine Distanz. Auch, weil der Krieg der deutschen Wirtschaft stark schadet. Dass der Ostflügel der AfD unter Co-Parteichef Tino Chrupalla schon immer grössere Distanz zu Trump wahrte, ist historisch bedingt: Im Osten sind viele Menschen Russland-affin.»
Marine Le Pen – Rassemblement National
Als Donald Trump 2016 zum ersten Mal gewählt wurde, freute sich Marine Le Pen, damals Chefin des Front National. Sie sprach von einer «guten Nachricht für Frankreich». Es gab immer wieder lobende Worte, und Steve Bannon wurde 2018 zum Parteitag eingeladen.
Allerdings hat auch da der Wind gedreht, wie Zoe Geissler, SRF-Frankreichkorrespondentin, sagt: «Trumps aggressive Aussenpolitik dürfte das RN davon überzeugt haben, sich zu distanzieren. Le Pen verurteilte die US-Operation in Venezuela, bei der Machthaber Nicolás Maduro entführt wurde, heftig. Auf X schrieb sie: ‹Die Souveränität der Staaten ist nie verhandelbar. Sie ist unantastbar.› Dazu kommt, dass Trump in Frankreich unbeliebt ist. Das RN will die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gewinnen – auch deshalb dürfte die Partei ihren Kurs geändert haben.»