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Loyalität mit Rissen Bröckelt Trumps Macht im eigenen Lager?

Als Papst Leo die US-Kriegspolitik im Iran kritisierte, reagierte Donald Trump mit einem KI-Bild von sich als Jesus. Der Post sorgte für Kritik, auch unter Maga-Anhängern. Trump hat den Eintrag daraufhin gelöscht. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Themen, die selbst unter Trumps Anhängern für Unmut sorgen. Wie stabil sein Rückhalt noch ist, erläutert Philipp Adorf, Politologe und Kenner der Republikanischen Partei.

Philipp Adorf

Professor und Experte für US-Republikaner

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Philipp Adorf ist Junior-Professor an der Universität Bonn am Institut für politische Wissenschaft und Soziologie. Seine Forschungsschwerpunkte sind der Aufstieg der Republikanischen Partei in den Südstaaten der USA seit den 60er Jahren, die steigende Relevanz von «Rasse» in der US-amerikanischen Politik, die «Christian Right» und ihre Allianz mit der Republikanischen Partei und weitere.

SRF News: Ist das Jesus-Bild der berühmte Tropfen, der das Fass bei Trumps Basis zum Überlaufen bringen könnte?

Philipp Adorf: Für Trump ist das besonders problematisch, weil ein beträchtlicher Teil der republikanischen Basis christlich-konservativ ist. Zwar muss man sagen, dass er sich in der Vergangenheit auch schon als Papst dargestellt hat und das politisch überstehen konnte. Aber das Bild reiht sich ein in eine längere Entwicklung von fragwürdigen Entscheidungen, die selbst bei seiner Maga-Basis und in der allgemeinen republikanischen Partei nicht unbedingt populär sind. Der Krieg im Iran ist ein weiteres Beispiel. Dieses Bild hat zu einem beträchtlichen Pushback geführt. Auch parteiinterne Kritiker sind mutiger geworden und äussern ihre Kritik offener.

Wie stabil ist die Unterstützung der Republikaner für Trump?

Im Grossen und Ganzen ist die Unterstützung weiterhin relativ stabil. Allerdings muss man die Zahlen einordnen: Republikanische Präsidenten erreichen im eigenen Lager oft Zustimmungswerte von 90 bis 95 Prozent. Wenn nun ein Viertel oder ein Drittel kritisch ist, ist das ein vergleichsweise hoher Wert.

Wenn die Wirtschaft ins Stottern gerät, verliert Trump eines seiner wichtigstes Argumente.

Welche Rolle spielt dabei der Iran-Krieg?

Mit dem Iran-Krieg sind aber auch inländische wirtschaftliche Entwicklungen verbunden. Steigende Preise, beispielsweise an der Tankstelle, sind in den USA politisch sehr relevant. Wenn die Wirtschaft ins Stottern gerät, verliert Trump eines seiner wichtigsten Argumente. Das könnte ihn nicht nur bei der allgemeinen Wählerschaft unpopulärer machen. Sondern das wird dazu führen, dass auch im eigenen Lager die Unterstützung ein Stück weit bröckeln wird.

Menschen in Protest mit Flaggen und Poster.
Legende: Trump hat in den Umfragen Rückendeckung von seinen Anhängern, was den Krieg im Iran betrifft. Nur 28 Prozent der Republikaner sind gegen die militärischen Massnahmen. (28.02.2026) REUTERS/Jill Connelly

Welche Folgen könnte das für kommende Wahlen haben?

Ein Überwandern der Republikaner ist eher unwahrscheinlich. Aber gerade mit Blick auf die Zwischenwahlen könnte es dazu beitragen, dass der Enthusiasmus der Wahlteilnahme erheblich zurückgeht.

Die Kritik kommt nicht nur aus moderaten Kreisen. Auch überzeugte Maga-Anhänger und Trumpisten werfen Trump vor, zentrale Werte zu verraten.

Welche Rolle spielen die Epstein-Dokumente?

Trump wollte in seinen Wahlkämpfen immer wieder mit Transparenz punkten. Nun hat er das Ganze in den Hintergrund geschoben. Dass er bei diesem Thema eine 180-Grad-Wendung durchgeführt hat, hat den leichten Niedergang von Trump eingeläutet. Die Kritik kommt nicht nur aus moderaten Kreisen. Auch überzeugte Maga-Anhänger und Trumpisten werfen ihm vor, zentrale Werte zu verraten.

Gibt es innerhalb der republikanischen Partei sichtbare Risse – zwischen der Maga-Bewegung und den klassischen Republikanern?

Teilweise. In gewisser Weise sind beide Gruppen aktuell sogar in einer gewissen Opposition gegenüber Trump vereint. Vielmehr aber entstehen Spannungen zwischen Teilen der Anhängerschaft und Donald Trump selbst. Zwar bleibt die Unterstützung unter überzeugten Maga-Anhängern laut Umfragen hoch.

Gleichzeitig wenden sich einzelne prominente Figuren ab. Sie argumentieren, Trump habe die Werte des Trumpismus verraten, etwa durch seine Kriegspolitik oder die mangelnde Transparenz bei den Epstein-Akten. Das birgt die Gefahr, dass das Maga-Lager ein bisschen auseinanderbröckeln könnte.

Das Gespräch führte Radka Laubacher.

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Rendez-vous, 15.4.2026, 12:30 Uhr ; 

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