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International Brutales Vorgehen des IS in Palmyra

Nach der Eroberung der Antikenstadt Palmyra vermeldet die IS-Terrormiliz weitere Geländegewinne. Auch die letzte Grenzstation zum Irak, die noch in syrischer Hand war, wurde offenbar überrannt. Es soll erste Enthauptungen in Palmyra gegeben haben. Die USA liefern tausende Raketen an Bagdad.

Abschuss einer Kanone auf einem Fahrzeug.
Legende: Nach der Eroberung von Palmyra haben IS-Terror-Kämpfer einen Grenzübergang zum Irak überrannt. Keystone

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar den letzten noch von Regierungstruppen gehaltenen Übergang an der Grenze zwischen Syrien und Irak unter ihre Kontrolle gebracht. «Syrien hat seinen letzten Übergang nach Irak verloren, nachdem sich Regierungstruppen aus dem Gebiet zurückgezogen hatten», sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Mit der Einnahme des Übergangs Al Walid Tanef haben die Dschihadisten einen Grossteil der Grenzlinie zwischen Syrien und dem Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Ein Teil der Grenze im Nordosten wird von kurdischen Einheiten kontrolliert.

Enthauptungen in Palmyra

Derweil hat die Extremistenmiliz nach Angaben der Opposition in der Stadt Palmyra mindestens 17 Menschen getötet. Darunter seien Mitglieder der syrischen Sicherheitskräfte und Zivilisten, gab die in Grossbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bekannt. Einige der Opfer seien enthauptet worden.

Damit sei die Zahl der Hinrichtungen in der Region seit Beginn der IS-Offensive vor wenigen Tagen auf insgesamt 66 gestiegen.

Ich glaube nicht, dass wir verlieren
Autor: Barack ObamaUS-Präsident

US-Präsident Barack Obama hat die jüngsten Erfolge des IS in Syrien und im Irak als «taktischen Rückschlag» bezeichnet. «Ich glaube nicht, dass wir verlieren», sagte er dem «Atlantic Magazine». Allerdings betonte er, der Kampf gegen die Dschihadisten werde mehrere Jahre dauern.

IS-Kämpfer hatten am Wochenende das irakische Ramadi und kurz danach die antike Ruinenstadt Palmyra in Syrien erobert. US-Kampfjets bombardieren seit Spätsommer 2014 IS-Stellungen. Das Pentagon kündigte am Donnerstag an, man werde 2000 weitere Panzerabwehrraketen an den Irak liefern.

Legende: Video Sorge um Weltkulturerbe abspielen. Laufzeit 01:22 Minuten.
Aus 10vor10 vom 21.05.2015.

«Enormer Verlust für die Menschheit»

Der IS-Vormarsch in Syrien hat weltweit grosse Sorge um das Unesco-Weltkulturerbe in der historischen Wüstenstadt Palmyra ausgelöst. Eine Zerstörung der archäologischen Stätten Palmyras wäre nach Einschätzung von Unesco-Chefin Irina Bokowa ein «enormer Verlust für die Menschheit».

Die IS-Terrormiliz hatte Palmyra am Mittwochabend vollständig unter ihre Kontrolle gebracht und auch die archäologischen Stätten aus den ersten Jahrhunderten nach Christus im Südwesten der Stadt eingenommen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrecht bestätigte. Auch der IS meldete über seinen Radiosender Al-Bajan die Einnahme der Stadt.

Kultstätten «Ungläubiger»

Die einstige Handelsmetropole gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr bereits einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive.

Die altorientalischen Überreste stellen nach der radikalen Islam-Interpretation der Dschihadisten Kultstätten «Ungläubiger» dar. Nach dieser Lesart sind auch Bilder und figürliche Darstellungen von Menschen verboten.

Wir brauchen die totale Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft
Autor: Irina BokowaChefin der Unesco

Bokowa forderte erneut ein Ende der Auseinandersetzungen und rief den UNO-Sicherheitsrat auf, sich des Themas Palmyra anzunehmen. «Wir brauchen die totale Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft», forderte sie. Fachleute erwarten Schlimmes. Aktivisten aus der Stadt erklärten, bislang habe es keine Zerstörungen gegeben.

Hunderte Statuen gerettet?

Der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde, Mamun Abdul-Karim, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Hunderte Statuen seien vor dem IS-Einmarsch an einen sicheren Ort gebracht worden.

Das IS-Herrschaftgebiet erstreckt sich vor allem über den Norden und Osten Syriens. Nach den jüngsten Geländegewinnen kontrollieren die Extremisten nun mehr als 50 Prozent der Landesfläche. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Wüstengebiete.

Auch im benachbarten Irak kontrollieren sie riesige Regionen. Dort hatten sie im Westen des Landes am vergangenen Wochenende die Provinzhauptstadt Ramadi eingenommen. Die Terrormiliz beherrsche nun auch fast alle Öl- und Gasfelder Syriens, erklärten die syrischen Menschenrechtsbeobachter.

Ausgangssperre verhängt

Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, die Terrormiliz habe eine Ausgangssperre verhängt und durchkämme die Häuser auf der Suche nach Regierungsanhängern. Laut den Menschenrechtsbeobachtern gibt es in Palmyra seit vier Tagen keinen Strom und auch weder Wasser noch medizinische Versorgung.

Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in Palmyra aufhalten. Den Aktivisten zufolge sind noch mehrere Zehntausend Menschen in der Stadt. Die Angaben der Aktivisten zur Lage in der Stadt liessen sich nicht unabhängig überprüfen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von verena Eberhard, 5722 Gränchen
    der dumme Westen hat sich bemüht Assad zu entfernen indem sie Waffen an die sogenannten Guten lieferten wobei damals war das bereits der Beginn des IS. Der Westen hat sich wieder einmal selbst ein Tor geschossen nur weiter so.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Einige Hintermänner der IS haben jahrlange Regierungserfahrung (Regime Saddam etc.) und könnten einen neuen Staat auch lenken. Das Töten/Vertreiben von Andersgläubigen erhöht in nicht wenigen Kreisen in Nahost das "Ansehen" der IS. Das mag für westliche Menschen verwirrend klingen. Viele Menschen in Nahost sehnen sich nach einer starken Regierung, die sich westlichen Werten widersetzt. Dabei geht es im Prinzip nicht um das Positive, sondern um die scheinheilge Ausbeutung ihrer Länder.
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Was sollen die 100 Panzerabwehrraketen schon bringen? Hundert, fragen Sie? Ja hundert, denn von den 2000 landen 400 in den Händen der iranischen Milizen und 1500 werden von davonrennenden irakischen "Soldaten" zurückgelassen und verstärken die Kampfkraft des IS.
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