Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Irlands Nahrungsmittelindustrie bereitet sich auf den Brexit vor abspielen. Laufzeit 04:27 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 03.02.2019.
Inhalt

China im Blick Wie sich irische Hersteller auf den Brexit vorbereiten

90 Prozent der irischen Nahrungsmittel werden exportiert – 37 Prozent nach Grossbritannien. Nun sucht man neue Abnehmer.

Die irische Wirtschaft muss sich – intensiver als in anderen EU-Ländern – mit dem Brexit beschäftigen. Besonders von den neuen Handelsschranken, Verzögerungen und der Konkurrenz aus Übersee betroffen wäre die irische Nahrungs- und Getränkebranche. Deshalb fand weniger als zwei Monate vor dem festgelegten Austritt der Briten eine Konferenz dazu in Dublin statt.

Neue Märkte erschliessen

90 Prozent der irischen Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion werden exportiert, 2018 für rund zwölf Milliarden Euro. 37 Prozent gehen nach England, erklärt Shane Hamill, ein Manager bei Bord Bia, der irischen Behörde zur Förderung dieser Branche, anlässlich eines Seminars im Brexit-Institut der Dublin City University.

Die Abhängigkeit vom britischen Markt hat in den letzten Jahren zwar abgenommen – seit dem Brexit-Referendum evaluiert und erschliesst Bord Bia aber zusätzlich neue Märkte.

Es geht um viel Käse

«Fünf irische Fleischfabriken haben inzwischen Zugang zum chinesischen Markt», so Hamill. Der chinesische Pro-Kopf-Konsum von Rindfleisch liege zwar erst bei vier bis sechs Kilo – in Irland betrage er 19 Kilogramm – aber «das ist ein bedeutendes Wachstumspotential». Deshalb liegt das zweitgrösste Büro der Behörde Bord Bia – nach London – nun in China.

Besonders akut vom Brexit betroffen könnte auch der irische Käse sein. John Jordan ist Chef von Ornua, der Genossenschaft, die Molkereiprodukte – unter anderem die Markenbutter Kerrygold – exportiert. Er sagt: «Das Vereinigte Königreich importierte jährlich etwa eine halbe Million Tonnen Käse.» Ein Fünftel davon werde vom britischen Lieblingskäse Cheddar bestritten.

Wer füllt Versorgungslücke?

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Matt Dempsey ist ein ehemaliger Chefredaktor der irischen Bauernzeitung und einer der profundesten Kenner der irischen Landwirtschaft. Er sagt: «Wer völlige Entscheidungsfreiheit über einen Markt von 60 Millionen Konsumenten hat, der sich nur zu 60 Prozent selbst versorgt, kann frei wählen, wer diese Versorgungslücke füllt.» Davor fürchtet sich Irland, Englands bisherige Speisekammer.

Käse für drei Monate auf Lager

Jordans Firma liefere zwischen 70 und 80 Prozent davon. Wenn der britische Markt kompromittiert wäre, wären die Ausweichmöglichkeiten beschränkt, glaubt er. Denn: «Dieser Käse wird vornehmlich in Grossbritannien und seinen ehemaligen Kolonien gegessen.»

Jordan beschreibt die ersten Abwehrmassnahmen: «Ornua hat beschlossen, den britischen Bedarf für die drei Monate nach dem Austrittsdatum aus Irland nach Grossbritannien zu verlagern.» Es seien Zehntausende von Tonnen.

Unsicherheit nicht beseitigt

Die irische Milchproduktion hat seit der Aufhebung von EU-Quoten vor vier Jahren neue Rekordwerte erklommen. Jordan erklärt, dass seither drei neue Verarbeitungsanlagen in Irland eröffnet wurden oder im Bau seien.

«Alle drei Molkereien produzierten europäische Käsesorten, was einer bedeutenden Diversifizierung gleichkommt», so Jordan. Irische Milch fliesse nicht mehr nur in traditionelle Produkte.

Derart strategisch und weitsichtig wappnet sich Irland auf den Brexit. Aber Unsicherheiten werden damit nicht beseitigt, denn niemand weiss, was wirklich geschehen und wie die britische Regierung damit umgehen wird.

Legende: Video Aus dem Archiv: Knackpunkt Nordirland-Grenze abspielen. Laufzeit 04:05 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.10.2018.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Trotz vielen Warnungen kann es eine mögliche positive wirtschaftliche Effekte des Brexits geben. Die Briten könnten ihre Abkehr von Europa zu einer Erfolgsgeschichte machen, wenn sie es schaffen, lukrative Handelsverträge mit dem Rest der Welt abzuschliessen, aber nur bei Austritt ohne Deal. In der EU war dies nicht möglich. Reine Willkür. Ich wünsche den Britten jedenfalls, dass dies schnell gelingt. Grossbritannien allein wäre in seiner Gestaltung von Freihandelsabkommen wesentlich flexibler.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Eine gewagte Behauptung, dass sich die Handelsverträge mit Irland, Frankreich, Deutschland, Spanien und dem Rest der EU mal einfach so durch solche mit Peru, Elfenbeinküste und der Schweiz ersetzen lassen. Die zu durchschreitende Talsohle dürfte ganz schon ruppig ausfallen. Aber solange andere das Experiment durchführen und die Schweiz von den katastrophalen Folgen noch rechtzeitig lernen kann bevor sie ähnliches versucht ... meinethalben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rainer Fauser  (Rainer Fauser)
    Ich wiederhole mich: Sowohl beim Schweizer, als auch beim irischen Export gelten die WTO-Verträge und die Freihandelsabkommen. Mit der EU-Mitgliedschaft hat das nix zu tun!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Sie müssten sich nicht wiederholen, sie müssten sich informieren
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      @Planta - Fauser IST informiert. Der Warenverkehr funktioniert aufgrund der WTO-Vertraege fast immer zwischen fast allen Staaten. Und nach einem ebenso knallharten wie billigsten Brexit koennen die Briten nahtlos der EFTA beitreten. Was lediglich den irischen EU-Landwirtschaftssubventionsrittern einen Strich durch die Rechnung machen wird....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Ich gehe davon aus, das auch die Kaufkraft der Engländer nach einem Brexit abnimmt, weil viele Arbeitsplätze abgebaut werden. Somit ist es für mich nachvollziehbar, dass die Iren nach anderen Abnehmern Ausschau halten und nicht unter dem Chaos der Engländer leiden wollen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen