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Legende: Audio Peking verfolgt wirtschaftliche und politische Ziele mit der Seidenstrasse abspielen. Laufzeit 06:55 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.03.2019.
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Chinas neue Seidenstrasse «Peking will seine Legitimität stärken»

Bei seinem Besuch in Italien wird Chinas Präsident Xi Jinping am Donnerstag eine Absichtserklärung unterzeichnen, wonach Peking und Rom bei der «neuen Seidenstrasse» offiziell zusammenarbeiten wollen. Das Abkommen sei für Italien allerdings kaum von Vorteil, ist der Chinaforscher Thomas Eder überzeugt.

Thomas Eder

Thomas Eder

Chinaforscher

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Thomas Eder ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Merics , Link öffnet in einem neuen FensterInstitut für China-Studien. Seine Forschungsschwerpunkte sind eurasische Geopolitik, die Beziehungen zwischen der EU und China sowie transnationale Sicherheitspolitik.

SRF News: Warum bringt das Abkommen Italien nicht viel?

Thomas Eder: Zwischen einer politischen Erklärung und dem Handels- und Investmentvolumen besteht nicht zwingend ein Zusammenhang. So haben inzwischen schon bis zu 120 Staaten bilaterale Erklärungen mit China die neue Seidenstrasse betreffend abgeschlossen. Doch in kaum einem dieser Länder hat sich die Handelsbilanz positiv verschoben.

Warum setzen die Chinesen jetzt auf ein Memorandum mit Italien?

China will die Seidenstrassen-Initiative vor allem dafür nutzen, die Legitimität der Regierung zu stärken. Die chinesische Wirtschaft soll davon profitieren, aber auch das internationale politische Prestige Pekings. Wenn nun ein EU-Gründungsmitglied und G7-Staat wie Italien ein Memorandum unterzeichnet, welcher Xi Jinpings Politik unterstützt, ist das für Peking ein politischer Erfolg.

Chinesische Firmen sollen globale Marktanteile hinzugewinnen.

Was wollen die Chinesen in Europa erreichen?

China will mit der neuen Seidenstrasse grundsätzlich seine Unternehmen dabei unterstützen, global tätig zu sein. So sollen zum Teil Aufträge ersetzt werden, die in China wegfallen. Auch sollen die chinesischen Unternehmen international Marktanteile hinzugewinnen. Dafür erhalten die Firmen quasi als Starthilfe günstige Kredite von der Regierung.

Autobahnbrücke im Bau.
Legende: Chinesen bauen eine Autobahn durch Montenegro: Das kleine Land könnte sich mit den Krediten überhoben haben. Reuters

Auch Portugal und Griechenland wollen beim neuen Seidenstrassen-Projekt mitverdienen. Ist es Zufall, dass das alles Länder sind, die wirtschaftliche Probleme haben?

Keineswegs. Diese Länder haben Probleme, ausländische Investoren anzuziehen, deshalb erhalten die Chinesen jetzt gute Deals. China kann sich dort zu guten Konditionen Vermögenswerte sichern, die es später vielleicht so nicht mehr erhielte – und auch in anderen Ländern nicht. Am meisten Investitionen aus China ziehen wertmässig jedoch weiterhin die drei grossen EU-Länder Deutschland, Frankreich und Grossbritannien an – sie haben in den Bereichen Infrastruktur, Transport, Energie und Kommunikation die attraktivsten Ziele. So ist etwa mehr als eine Milliarde Euro aus China in den Meerwindpark in der Nordsee geflossen.

Für afrikanische Länder ist das chinesische Engagement auch ein Risiko – schliesslich müssen die gewährten Kredite auch wieder zurückbezahlt werden. Besteht dieses Risiko auch für Europa?

Für Westeuropa nicht. Hier geht es um Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen. Doch bei den Staaten am Westbalkan oder im Südkaukasus, wo ein laxeres regulatorisches Umfeld herrscht, gibt es chinesische Infrastruktur-Bauten im Rahmen der neuen Seidenstrasse.

Schwache und kleine Volkswirtschaften könnten sich mit den chinesischen Krediten überheben.

Im Normalfall vergeben chinesische Politikbanken dafür Kredite und zugleich Aufträge an chinesische Bauunternehmen. Die Kredite müssen später von den betreffenden Staaten an Peking zurückbezahlt werden. Dabei besteht die Gefahr, dass sich die Regierungen relativ kleiner und schwacher Volkswirtschaften überheben.

Ist die neue Seidenstrasse für Europa eher ein Risiko oder eher eine Chance?

Sie ist beides. Derzeit sind beide Extreme – die Alarmglocken und die rosarote Brille – zu stark ausgeprägt. Wichtig ist zu wissen, worum es bei der neuen Seidenstrasse geht, um dann auch davon profitieren zu können.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Niemand braucht den Schrott dieser Chinesen - die sollen ihr eigenes Land weiter vergiften aber uns bitte fern bleiben. Da sind scharfe Widerstände angesagt, gegen diese schleichende Schlange der Chinesischen Seidenstrasse - früher haben sie eine Chinesische Mauer gebaut -die sollen sie lieber neu ausbauen sonst haben wir eines Tages 100derte Millionen Fluchtchinesen bei uns . Ironie off ...
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    1. Antwort von Delmar Lose  (Globetrotter)
      wow?! Die sollen ihr land selbst vergiften das sie diesen Beitrag hier auf einem Elektronischen gerät eingeben können?! Schon ein wenig abgehoben wie?
      Auch ich kann die Schlange sehen, nur ist hier die frage wehr hat sie den gefüttert? Waren das unsere Geschäftsläute und Wirtschafts-Politiker, oder wie war das nochmal?
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    2. Antwort von René Balli  (René Balli)
      @Delmar Rose: Niemand hat China gezwungen ihr eigenes Land zu vergiften. Die Chinesen reissen sich regelrecht um jeden Auftrag, China ist durch niemanden kolonianisiert und absolut ein selbstbestimmtes Land! Ich kenne jedenfalls kein Land, welches mehr selbstbestimmt ist, jeder Mensch, welcher einmal dort war kann dies bestätigen!
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    3. Antwort von Delmar Lose  (Globetrotter)
      Nein niemand hat sie gezwungen, hab ich auch nicht behauptet. Man lese aber bitte mal die zwei ersten Sätze von "klarsicht", am besten gleich mehrmals und überlegt sich nochmals wie das alles funktioniert. Ich lebe schon ganz lange hier im osten und es stimt nicht ganz das China nicht kolonialisiert wurde, überhaupt nicht stimmt das es selbstbestimmt wahr! Es wurde durch knebel Verträge unterdrückt und ausgebäutet, die retour Kutsche kommt jetzt, das hat nämlich viel schmerz verursacht ;)
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  • Kommentar von Charles Grossrieder  (View)
    China hat seit jeher sich wirtschaftlich in der Welt etablier, anstatt durch Gewalt und Kolonialisierung. SOA ist ein gutes Beispiel, die meisten Geschäfte sind in der Hand nationalisierter Chinesen. China wird weiterhin seine Macht auf diese Art aufbauen, nicht militärisch. Das ist vor allem Amerika ein Dorn im Auge, welches nichts scheut um China zu daemmen um ihren Weltstatus zu wahren; unter dem Nationalen Sicherheits Siegel. Inklusive Druck auf ihre Verbündeten wenn noetig, wie schon gehabt
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    1. Antwort von miri koch  (Fujisan)
      «China wird weiterhin seine Macht auf diese Art aufbauen, nicht militärisch» — wer’s glaubt ... Darum sind sie neuerdings auch an der Spitze als Militär-Supermacht, haben eine Insel im Grenzbereich vollständig militarisiert und lassen tausende Regierungs-Kritiker im eigenen Land verschwinden. Hmm ...
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    2. Antwort von Delmar Lose  (Globetrotter)
      ... mal sehen ich bin da nicht so sicher wie lange die "friedlich" bleiben. Im innern gehen die sehr radikal mit Menschen und Geschichte um!
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  • Kommentar von miri koch  (Fujisan)
    Hat keiner von denen mitbekommen, wie der Deal mit Xi Jinping für SriLanka ausgegangen ist?
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    1. Antwort von Delmar Lose  (Globetrotter)
      Ja! Ging in die Hose - Wirtschaftliche Kriegsführung, aber auch vom Westen Gelernt. Das soll keine Entschuldigung sein!
      Die grossen machen mir alle Sorgen! Zeit das die Menschen zur Vernunft kommen und das Mittelalterliche getue von Ländern und Staaten überwinden .... ansonsten wirds übel in der Zukunft!
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