Zum Inhalt springen

Header

Audio
China: Droht eine zweite Corona-Welle?
Aus Rendez-vous vom 15.06.2020.
abspielen. Laufzeit 06:20 Minuten.
Inhalt

Corona-Alarm in Peking «Viren mutieren ständig»

Nach dem grössten neuen Ausbruch des Coronavirus seit vielen Wochen in Peking geht die Angst vor einer neuen Infektionswelle um. Seit Freitag wurden Dutzende neue Ansteckungen auf einem riesigen Grossmarkt festgestellt. Ob das nun eine zweite Welle ist und welche Auswirkungen der Ausbruch auf uns haben könnte, weiss SRF-Wissenschaftsredaktorin Cathrin Caprez.

Cathrin Caprez

Cathrin Caprez

Wissenschaftsredaktorin SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Cathrin Caprez hat Chemie studiert und mehrere Jahre lang in der chemischen Analytik gearbeitet. Seit 2016 arbeitet sie als Wissenschaftsredaktorin bei SRF.

SRF News: Wie plausibel ist es, dass sich jemand an importiertem Lachs anstecken kann, wie das die chinesischen Behörden behaupten? Ist es möglich, dass das Coronavirus in tiefgefrorenem Lachs übertragen wird?

Cathrin Caprez: Nach heutigem Stand des Wissens erscheint das sehr unwahrscheinlich. Viren brauchen für die Vermehrung einen lebenden Wirt. In einem toten Lachs können sie es deshalb kaum nach China geschafft haben.

In einem toten Lachs haben es Viren kaum nach China geschafft.

Auch auf der Oberfläche dieser tiefgefrorenen Fische hätten allenfalls höchstens ein paar wenige Viren überlebt – aller Wahrscheinlichkeit aber bei weitem nicht genug, dass sie zu einer Quelle einer neuen Infektionswelle geworden sein könnten.

Chinesische Wissenschaftler sagen, es handle sich um einen anderen Typ des Coronavirus, das in Peking ausgebrochen sei. Wie schätzen Sie das ein?

Bisher sind erst ganz wenige Proben dieses neuen Virustyps genetisch analysiert worden. Entsprechend steht diese Vermutung noch auf sehr wackligen Beinen. Es müssen nun zunächst deutlich mehr Proben genetisch untersucht werden.

Erst dann kann man mit Sicherheit sagen, ob es sich bei diesen neusten Ansteckungen in Peking um solche Viren handelt, die schon zu Beginn der Pandemie in China zirkulierten oder ob es mutierte Viren sind, die aus Europa oder Amerika nach China zurückimportiert worden sind. Erst dann kann man auch sagen, wie stark das Virus mutiert ist.

Es braucht noch mehr Untersuchungen, bevor man sagen kann, ob es sich um einen neuen Virustyp handelt.

Grundsätzlich mutieren Viren ständig – ihre Geninformationen verändern sich also laufend ein klein wenig. Das gehört zur Natur von Viren. Ein Virus, das die Reise um den Erdball gemacht hat und wieder nach China kommt, weist deshalb deutlich veränderte Informationen in seinem Erbgut auf, welche die Wissenschaftler auch feststellen können.

Menschen stehen in einer Schlange vor einem blauen Zelt, dort medizinische Hilfskräfte in Schutzanzügen.
Legende: Neuer Ausbruch in Peking: Tausende wollen sich auf das Coronavirus testen lassen. Reuters

Bedeutet ein mutiertes Virus, dass sich auch die Krankheitssymptome verändern und die Entwicklung eines Impfstoffs noch schwieriger wird?

Es braucht substanzielle, wichtige Mutationen, bis sich das Virus anders auf den Menschen auswirkt – also zum Beispiel ansteckender wird oder einen anderen Krankheitsverlauf auslöst. In den vergangenen Monaten wurde mehrmals davor gewarnt, dass genau das geschehen sei. Doch das hat sich bislang nie bestätigt. Darum heisst es auch jetzt: ruhig Blut bewahren und die Forschenden ihre Analysen machen lassen.

Es braucht substanzielle Mutationen, bis das Virus beispielsweise ansteckender wird.

Was bedeutet dieser Ausbruch in Peking? Müssen wir uns vor einer zweiten Infektionswelle fürchten?

Das Risiko einer zweiten Pandemiewelle ist real – nicht nur in China, sondern in allen Ländern, in denen das Virus bislang aufgetaucht ist. Derzeit gibt es aber keinen Grund, sich wegen eines möglicherweise neuartigen Virus Sorgen zu machen. Und selbst wenn dem so wäre: So aufmerksam wie jetzt war die Welt wohl noch nie, falls ein neues Virus auftauchen sollte.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Video
Testoffensive in China
Aus Tagesschau vom 15.06.2020.
abspielen

Rendez-vous, 15.06.2020, 12:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Nach wie vor werden auf Lebendtiermärkten Tiere wie Affen, Hunde, Fledermäuse, Schweine, Hühner oder Schildkröten verkauft. Und das, obwohl das neuartige Coronavirus auf genau einem solchen Markt in China seinen Anfang genommen hat. Aufdeckungen über Lebendtiermärkte in Asien machen deutlich, warum diese schrecklichen Orte wahre Brutstätten potenziell tödliche Krankheitserreger sind. Gestresste und kranke Tiere kauern in Drahtkäfigen, die so klein sind, dass sich die Tiere kaum bewegen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Coronaviren kennen wir schon seit 20 Jahren. Sie sind für etwa 15% der Lungenerkrankungen verantwortlich. Auch ein Grossteil unserer Haus- und Nutztiere trägt Coronaviren in sich. Diese sind bis jetzt einfach nicht auf den Menschen übergesprungen. Wenn von den getesteten Personen also niemand erkrankt, wurden vielleicht auch ungefährlichere Coronaviren getestet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Weil Viren keine Lebewesen sind (kleinste Einheit von Leben ist eine Zelle) können sie auch nicht *überleben*. Das sollte einer Wissenschaftsredaktorin eigentlich bekannt sein. Aber wenn selbst Vorsteher des BAG und medizienische Fachleute immer wieder von Viren als Lebewesen sprechen, muss man das wohl verzeihen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Edwin Schaltegger  (Edwin Schaltegger)
      Das ist ja gar nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt ob Viren nicht bereits als Lebewesen gelten. Hier herrscht noch eine wissenschaftliche Grauzone. So können sie sich durch Mutation ihre genetische Strukturen verändern. Das macht sie so gefährlich und unberechenbar bei der Bekämpfung.
      Ich denke, dass in Zukunft sich noch vermehrt Viren so mutieren, dass die Mortalität gegen 50% und höher ausfallen wird. Vielleicht ist dies die Antwort der Natur gegen den "Schädling" homo sapiens.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen