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Australien: Normalität zu welchem Preis?
Aus SRF 4 News aktuell vom 12.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:22 Minuten.
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Coronavirus in Australien Disziplin zahlt sich aus – doch Australiens Grenzen bleiben zu

In Australien herrscht nach einem Jahr Corona-Pandemie fast wieder Normalzustand. Doch die Bewohner zahlen einen Preis.

In Australien sind die Restaurants zum grossen Teil wieder offen, es gibt fast keine Maskenpflicht und es finden wieder Feste statt. Die Gründe dafür sind laut Fachleuten die geschlossenen Landesgrenzen, das strikte Contact Tracing sowie die Disziplin der Australierinnen und Australier.

SRF-Australien-Korrespondent Urs Wälterlin lebt nahe der Hauptstadt Canberra. Er weiss: «Die geschlossenen Grenzen sind für viele die grösste Frustration.» Man komme prinzipiell weder rein ins Land noch raus. Ausnahmen seien nur selten möglich. «Zudem werden immer mal wieder Teile von Bundesstaaten kurzfristig unter Quarantäne gesetzt, wenn neue Coronafälle auftreten. Aber diese werden zum Glück seltener.»

8000 Franken für ein Flugbillett

Noch immer warten rund 40'000 Bürgerinnen und Bürger im Ausland darauf, nach Australien heimkehren zu können. Bei den Betroffenen und den Angehörigen komme das nicht gut an. Einige prüften sogar, ob die Regierung verklagt werden kann, so Wälterlin: «Es ist in der Tat unglaublich, wie wenig Premierminister Scott Morrison tut, um diese Menschen heim zu holen.»

Man muss entweder eines dieser komplett überteuerten Tickets kaufen. Oder man muss halt bleiben, wo man ist.
Autor: Urs WälterlinSRF-Korrespondent in Australien

Eine Rückholaktion, wie sie die Schweiz letztes Jahr organisiert hat, gab es nicht: «Die Leute sind auf sich selbst gestellt.» Man habe kaum Optionen, so Wälterlin: «Man muss entweder eines dieser komplett überteuerten Tickets für einen der wenigen Flüge kaufen, die überhaupt stattfinden.» Diese würden bis zu 8000 Franken kosten. «Oder man muss halt bleiben, wo man ist. Für viele Leute ist das finanziell kaum noch machbar.»

2500 Franken für Quarantänehotel

Australierinnen und Australien lehnen sich allerdings kaum gegen die Vorgaben der Regierung auf. «Man ist hier eher autoritätsgläubig und macht mehr oder weniger, was einem die Regierung sagt», so Wälterlin.

Dazu komme, dass Australien schon 200 Jahre Erfahrung habe mit Quarantäne. «Schon damals mussten Neuankömmlinge in Quarantäne, bevor sie unter die Leute gelassen wurden.» Nur sei das heute etwas teurer: «Wer ankommt, zahlt zuerst einmal rund 2500 Franken für zwei Wochen in einem Zimmer in einem oftmals düsteren Quarantänehotel.»

Contact Tracing breit akzeptiert

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Im Alltag der Australierinnen und Australier sei das Contact Tracing allgegenwärtig, sagt SRF-Korrespondent Urs Wälterlin. «Überall muss man sich einloggen mit einer App. Etwa wenn man in ein Restaurant geht, steht beim Eingang ein Tisch, wo man sich registriert und die Hände desinfiziert. Dann wird man reingelassen.» Das werde auch oft kontrolliert: «Die Leute nehmen das generell sehr ernst, denn es funktioniert.» Dank der Disziplin könnten Fälle nachverfolgt und die Kontakte gewarnt werden. «Niemand hier sieht das als Einschränkung der persönlichen Freiheit, sondern als notwendiges Übel.»

Die Regierung will die Bevölkerung bis im Oktober geimpft haben und die Grenzen wieder öffnen. Doch die Impfkampagne verzögert sich. Es könnte sein, dass die Menschen im Land vielleicht bis Anfang nächsten Jahres auf ihre Spritze warten müssen. Der Korrespondent befürchtet, dass es wieder zu einem Anstieg der Fälle kommt. «Denn die Leute müssen arbeiten. Viele konnten wegen gewisser staatlicher Unterstützung von der Arbeit wegbleiben, zu Hause arbeiten. Aber das hört jetzt auf.»

Die hier lebenden Ausländerinnen und Ausländer können es sich wohl abschminken, in der alten Heimat Weihnachten feiern zu können.
Autor: Urs WälterlinSRF-Korrespondent in Australien

Die Folgen indes seien schwerwiegend, glaubt Wälterlin. «Bis nicht der Grossteil der Bevölkerung geimpft ist, bleiben die Grenzen mit grosser Sicherheit zu.» Neun Millionen Australien-Touristen würden ein weiteres Jahr wegbleiben. «Ich jedenfalls würde vorerst keine Ferien in Australien buchen. Und die hier lebenden Ausländerinnen und Ausländer, die können es sich wohl abschminken, in der alten Heimat Weihnachten feiern zu können.»

SRF 4 News, 12.04.2021, 06:40 Uhr;

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Die vorherigen Kommentare habe ich aufmerksam gelesen. Was ich nie verstanden habe, warum die EU und mit ihr die Schweiz die Meldungen und Empfehlungen der WHO nicht genauso ernst wie ganz Ozeanien, neben NZ und AUS haben auch die übrigen Staaten hier das Corona-Virus unter Kontrolle oder sind sogar Covid-19-frei. Das hat tatsächlich wenig mit Insellage zu tun, vielmehr mit der Solidarität in der Bevölkerung und dem Bemühen der Regierungen, die eigene Bevölkerung vor der Pandemie zu beschützen.
  • Kommentar von Kurt Stauffer  (WatchFox)
    Ideal wäre: Alle kaufen Lebensmittel für drei Wochen und dann bleiben Alle während drei Wochen zu Hause. Grenzen zu, öffentliches Leben ist tot. Spazieren um Umkreis von 3km ums Haus mit sehr grossen Abstand ist erlaubt.
    Dann wäre der Virus innert drei Wochen ausgerottet.
    Nur eine Utopie oder ein Gedanke?
    1. Antwort von Michael Mauerhofer  (mmhofer)
      Herr Stauffer. Ein utopischer Gedanke (-;
      Den (der) Virus gibt es - und noch unendlich viele andere, halt.
    2. Antwort von Peter Stauffacher  (Peter Stephan Stauffacher)
      Bei Singlehaushalten würde das funktionieren. Das Problem sind aber seit Anfang an Familien, aber gemacht wurde in diesem Bereich nie etwas...
    3. Antwort von Tobias Wackernagel  (beekeeper)
      Wunschdenken
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Es ärgert mich enorm, wenn ich mir vorstelle, dass wir in Europa (Schenkgenraum) schon durch wären, wenn wir es gleich wie Australien gemacht hätten.

    Aber nein, es ist für alle Regierungen einfacher NICHTS zu tun, als Massnahmen endlich durchzusetzen. (Und da ist der BR führend in Europa!)
    So verlieren wir (auch in den nächsten Monaten) alle ...
    Muss Europa (inkl Schweiz) wirklich erst (als Risikogebiet) ausgegrenzt werden, bevor der BR sich traut die Schweiz als "Insel" zu betrachten ?