Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Coronavirus in Russland Putins Dilemma

Video
Russlands Wirtschaft ist am taumeln
Aus Tagesschau vom 23.03.2020.
abspielen

Die Massnahmen, die der russische Präsident Wladimir Putin heute zur Eindämmung der Coronakrise bekannt gegeben hat, wirken im Vergleich kaum einschneidend. Während in der Schweiz und anderswo die Bewegungsfreiheit der Menschen für längere Zeit massiv eingeschränkt wird, schickt Putin das Land ab Sonntag einfach für eine Woche in die Ferien.

Die Krise legt Schwächen offen

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Welt stünde Kopf: Liberale Oppositionelle fordern von Putin ein härteres Vorgehen. Doch Russlands Präsident wurde nicht plötzlich zu einem mutigen Verfechter von Freiheitsrechten. Die Coronakrise verstärkt die Stärken und Schwächen eines jeden politischen Systems – auch in Russland. Während sich einige föderalistisch organisierte Staaten wie die Schweiz in Diskussionen um Zuständigkeiten verzettelten, stolpert Russland über Putins Unfähigkeit, eigene Fehler einzugestehen.

Fehler eingestehen ist keine Option

Noch vor wenigen Tagen erklärte der russische Präsident, man habe die Lage unter Kontrolle. In der Denkweise des Kremls ist es keine Option, anzuerkennen, dass die Situation schlimmer sein könnte, als bisher verkündet. Wer Fehler eingesteht, ist in dieser Denkweise ein Schwächling.

In der aktuellen Situation ist dieses Unvermögen doppelt unverständlich. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat der Kreml eigentlich frühzeitig reagiert und die Grenzen zu China dicht gemacht. Rasch folgten auch Einreiseverbote für Italiener.

Statistiken sind für die Vorgesetzten

Doch die offiziellen Zahlen zu den Infizierten stimmten zuletzt nicht nur notorische Regimekritiker misstrauisch, sondern auch Wissenschaftsjournalisten, die auf Schwächen der russischen Tests hinwiesen. Doch deren Anfrage bei den Behörden und dem staatlichen Labor wurden ignoriert. In Russland fühlt sich eben keine Behörde der Allgemeinheit verpflichtet. Statistiken werden in erster Linie für die Schubladen von Vorgesetzten produziert.

Putin war heute weder in seiner Rhetorik noch in seinen Massnahmen klar. In Russland sind sich die Menschen Schönfärberei gewohnt – und so werden viele nach Putins Rede insgeheim mit dem Schlimmsten rechnen. Für die Risikogruppen ist das ein schwacher Trost. Sie bräuchten spätestens jetzt einen mutigen Präsidenten.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR.

Tagesschau, 25.03.2020, 19:30 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

57 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Luzius Brotbeck  (LuziBrot)
    Warum erwähnt SRF nicht, dass:
    1) 28.03.-05.04.2020 die Arbeit in Russland weitgehend eingestellt wird (Feiertagsbetrieb);
    2) Regelung je nach Covid19-Entwicklung verlängert oder gar verschärft wird;
    4) Putin Hilfsprogramm angekündigte, wonach: Kinder für mind. 3 Monate Sonderzulagen erhalten, es Sozialleistungen pauschal um 6 Monate verlängert (ohne Anträge etc.), Krankentaggeld auf Mindestlohnniveau und Familienzulagen erhöht, Kreditabzahlungen, Be- &Steuereintreibungen sistiert werden?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Etwas Dankbarkeit gegenüber Russland wäre schon angebracht. Immerhin liefert Russland Hilfsmittel und Ärzte an viele Länder und dessen Bevölkerung im Kampf gegen Corona-Virus. Das sollte man schon in Betracht ziehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Wieder so ein Artikel wo man sich fragt, wann denn endlich der gute Westen die Befreiung von Russland von diesem schrecklichen Diktator in Angriff nimmt, so wie damals der Irak, dann Libyen, Syrien (leider gescheitert wegen eben diesem schreklichen Putin) usw. Irgendwie wäre der gute Westen und seine Militärlobby arm dran ohne Putin als Feindbild, müsste sich wohl ein anderes aussuchen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen