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Corona und die weltpolitischen Konsequenzen
Aus Rendez-vous vom 07.04.2020.
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Coronavirus weltweit Die Krise wird langfristig weltpolitische Auswirkungen haben

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres fordert einen weltweiten Waffenstillstand. Zu viele Länder foutieren sich darum. Das vergrössert die Probleme.

Für UNO-Generalsekretär Antonio Guterres steht fest: Die Welt muss sich zurzeit auf einen einzigen Krieg konzentrieren, jenen gegen das Coronavirus. Er forderte deshalb einen weltweiten Waffenstillstand. Immerhin gut siebzig Länder unterstützen diesen Aufruf.

Das bedeutet aber zugleich, dass mehr als 120 Staaten es nicht tun, darunter die USA. Guterres räumt selbst ein, es gebe einen tiefen Graben zwischen Worten und Taten.

Wenig positive Folgen

Richard Gowan, Chef des New Yorker Büros der International Crisis Group, die sich weltweit um Konfliktlösungen bemüht, sieht zwar gewisse positive Folgen aufgrund von Guterres' Appell, etwa in Kolumbien oder auf den Philippinen.

Andernorts – in Jemen, in Syrien oder in Libyen – hat der Aufruf aber nichts gebracht. Zu grenzüberschreitender Solidarität habe die Corona-Krise dort bisher nur ansatzweise geführt. So liefern die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten Iran, einen Staat, den sie sonst als Feind betrachten, Hilfsgüter.

Zum Krieg kommt nun noch die Pandemie dazu: Passant in einer Gasse der Altstadt von Sanaa.
Legende: Zum Krieg kommt nun noch die Pandemie dazu: Passant in einer Gasse der Altstadt von Sanaa. Keystone

Daraus könne im besten Fall nach der Krise eine Annäherung folgen. Und nachdem sich die Regierungen in Europas Hauptstädten zunächst ausschliesslich um das eigene Land gekümmert haben, sehe man sich allmählich zur Zusammenarbeit gezwungen, sagt Gowan. Doch insgesamt ist der Kollateralnutzen der Corona-Krise bescheiden; die Kollateralschäden sind weitaus grösser.

Autokraten kommt das Virus gelegen

Zumindest kurzfristig sind Autokraten die grossen Profiteure dieser Krise. Wahlen werden verschoben, ganz abgesagt oder finden irregulär statt. Proteste gegen Machthaber fallen Corona-bedingt aus, etwa in Algerien, Hongkong, Russland oder Venezuela. Autoritäre Führer erweitern ihre Vollmachten, etwa in Ungarn.

Zu den Krisengewinnlern gehören laut dem UNO-Generalsekretär auch Extremisten und Terrororganisationen. Die Virus-Krise befeuert auch die Spannungen zwischen den USA und China, sagt Gowan: In der Finanzkrise 2008 hätte die beiden Weltmächte zum Schulterschluss zusammengefunden, diesmal passiere genau das Gegenteil.

Experte rechnet mit Chaos

Dramatisch zuspitzen dürfte sich die weltpolitische und weltwirtschaftliche Lage, wenn nun Drittweltländer voll erfasst werden von der Pandemie. Nicht nur ihr Gesundheitswesen dürfte kollabieren, sondern ihre gesamte Wirtschaft. Das könnte zwar den einen oder anderen Autokraten das Amt kosten, doch danach hielten kaum Stabilität und Demokratie Einzug. Wahrscheinlicher seien Chaos und Elend und damit enorm wachsende Migrationsströme.

Schliesslich lähmt die Corona-Krise die Friedensbemühungen an zahlreichen Konfliktherden. Friedensprozesse sind ausgesetzt, Vermittler zur Untätigkeit gezwungen, politische Verhandlungen auf die lange Bank geschoben und UNO-Blauhelmtruppen blockiert.

Alles in allem drohen aufgrund der Corona-Krise mehr und längere Konflikte. Die weltpolitischen Langzeitfolgen dürften gravierend sein.

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Coronavirus: Situation in Deutschland, Grossbritannien und den USA
Aus Tagesschau vom 06.04.2020.
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23 Kommentare

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  • Kommentar von Luzius Brotbeck  (LuziBrot)
    Interessanterweise haben die vermeintlich demokratische westl. Regierungen via Notrecht etc. während Corona-Krise ebenfalls vergleichsweise autoritär ihre Kompetenzen erweitert + radikale, drastische Massnahnmen ergriffen (Frankreich, Spanien, Italien, Österreich und z.T. auch DE & CH lassen grüssen).

    Zudem werden, von USA (+ z.T. EU) sanktionierte, Länder (wie Iran, Syrien, Venezuela, Kuba etc.) nun zusätzlich an Corona-Pandemie leiden, daher sind umgehend sämtliche Sanktionen aufzuheben!
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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Der UNO Generalsekretär fordert einen weltweiten Waffenstillstand. 70 Länder stimmen dem zu, 120 nicht darunter die USA. Wieso wird bei diesen 120 Ländern nur die USA namentlich genannt? Was wird mit solchen Aussagen beabsichtigt?
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    1. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Vielleicht weil die USA am meisten in Kriege involviert sind und mit Abstand am meisten Opfer (auch bei der Zivilbevölkerung) zu verantworten hätten, wenn sie denn jemals Verantwortung dafür übernehmen würden? Fühlen sie sich persönlich angegriffen wenn man nur den grössten und skrupellosesten Kriegstreiber benennt? Nur weil sie, siehe ihre ständigen Kommentare, ihn so verehren Blatter?
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    2. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      @ Neuhaus: und ich habe geglaubte, dass aktuell die meisten Opfer an Zivilbevölkerung in Syrien zu beklagen seien. Dort wo sich Syrer, Iraner, Türken und Russen bekriegen und Hunderttausende umkommen und vertrieben werden.
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  • Kommentar von Bert Kramer  (Bertkramer)
    Die grossen Profiteure sind ja wohl die weltweit agierenden Grosskonzerne. Verdienen sich nun dumm und dämlich via Internet und wollen auch noch gleichzeitig Geld vom Staat.
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