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Crans-Montana Warum die Brandkatastrophe die Italienerinnen nicht loslässt

Zwei Monate nach der Brandkatastrophe ist das Thema in Italien omnipräsent – Giorgia Meloni nutzt das auch politisch.

In der Mitte der Gesellschaft: Am Festival di Sanremo, dem landesweit grössten Musikwettbewerb in Italien, gab es am Mittwoch einen Auftritt, der den Opfern der Brandkatastrophe in Crans-Montana gewidmet war. Auf einer fast ganz schwarzen Bühne performten eine Sopranistin, ein Chor, ein Orchester und der italienische Star Achille Lauro das Lied «Perdutamente». Das Lied wurde in den letzten Wochen zu einer Art Hymne in Gedenken an die Opfer. «Was in Sanremo auf der Bühne gespielt wird, spiegelt die Mitte der Gesellschaft», erklärt Italien-Korrespondent Franco Battel. «Das heisst: Crans-Montana ist kein Thema, das nur die Justiz oder die Politik bewegt, sondern das ganze Land.»

Der Sänger steht mit offenen Armen, ganz weiss gekleidet, vor dem Mikrofon.
Legende: Der italienische Star Achille Lauro singt «Perdutamente» am Festival di Sanremo mit Chor und Orchester. Hühnerhaut vorprogrammiert. Keystone/Riccardo Antimiani

Grund für die Empörung: Italien ist selbst stark betroffen von der Brandkatastrophe. Sechs junge Italiener kamen dabei ums Leben, viele weitere wurden verletzt. In Italien stellt man sich mehrere Fragen: Wie konnte so etwas in der «perfekten» Schweiz passieren? Warum wurde der Barbesitzer Moretti nach kurzer U-Haft auf Kaution freigelassen? Warum musste der Gemeindepräsident von Crans-Montana nicht sofort zurücktreten? «Das sind alles Dinge, die in Italien einfach nicht verstanden werden», erklärt Battel. Das Wissen über und das Interesse an der Schweiz sei in Italien nicht besonders gross. Trinke man aber nun als Schweizer in Rom einen Espresso, so komme das Gespräch früher oder später auf Crans-Montana. «Die Brandkatastrophe hat das Zeug, sich so in den italienischen Köpfen zu verfestigen, dass man bei der Schweiz immer gleich an die Brandkatastrophe in Crans-Montana denkt.»

Gemeinsame Ermittlungen?

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Italien möchte, dass die Schweiz nicht selbst ermittelt, sondern Italien in die Untersuchungen einbezieht. Aber da die Katastrophe auf Schweizer Boden passierte, liegt die Zuständigkeit in der Schweiz, die Behörden versprechen aber «verstärkte Zusammenarbeit». Zufrieden ist man in Italien damit noch nicht.

Bereits vor einem Monat hat Italien gegen die Freilassung von Barbesitzer Moretti protestiert und den italienischen Botschafter aus Bern abgezogen. Die diplomatischen Beziehungen sind angespannt.

Wie das Bundesamt für Justiz die Zusammenarbeit beurteilt, wollte SRF heute wissen. Das Bundesamt antwortet: «Die Korrespondenz zwischen den italienischen und schweizerischen Behörden ist vertraulich und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.» Es gab nach dem Treffen der beiden Länder eine Medienkonferenz und dieser habe das Bundesamt für Justiz heute «nichts hinzuzufügen».

Meloni nutzt das Thema politisch: Premierministerin Giorgia Meloni hat sofort gemerkt, dass sie das Thema der Brandkatastrophe aktiv angehen muss. «Sie hat eine populistische Ader, sie weiss, dass sich mit diesem Thema viel Zuspruch der italienischen Bevölkerung erreichen lässt», so Battel. So hat sie etwa früh den italienischen Botschafter in der Schweiz abbestellt, obwohl es auch weniger harte Massnahmen gegeben hätte. Dass sie damit das Verhältnis zur Schweiz gefährde, scheint ihr bisher vollkommen egal zu sein – Hauptsache, das italienische Publikum ist ihr wohlgesinnt. «Das ist typisch für Meloni. Sie versteht es, die Stimmung im Volk zu nutzen – oder auch auszunutzen.»

Giorgia Meloni geht Anfang Januar an einer Reihe salutierender Soldaten vorbei, auf dem Weg an den Gedenkgottesdienst.
Legende: Die Brandkatastrophe ist auch für Premierministerin Giorgia Meloni ein grosses Thema: Nebst einer Teilnahme an einem Gedenkgottesdienst in Rom (im Bild), äussert sie sich auch immer wieder der Plattform X. Zum Beispiel bezeichnete sie die Freilassung des Barbesitzers Moretti aus der U-Haft als Beleidigung für die Angehörigen der Opfer. Keystone/Riccardo Antimiani

Folgen für die Diplomatie: Ob die Katastrophe langfristige Folgen für die diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz hat, hänge auch davon ab, wie lange das Thema noch in der italienischen Öffentlichkeit so präsent ist, meint der SRF-Korrespondent. Die Zeichen deuteten darauf hin, dass das noch lange sein wird: Die Ermittlungen der Justiz, die Frage der Entschädigungen der Angehörigen, das werde lange dauern und berge viele Gefahrenzonen für das Verhältnis Schweiz–Italien. «Die Beziehungen werden wohl lange belastet sein.»

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