Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Das Schweigen der Iranerinnen Sport ist oft politischer, als er sein möchte

Immer wieder lassen sich Sportlerinnen und Sportler auf politische Proteste ein – mit weitreichenden Folgen für ihre Karrieren.

Der Fall der Iranerinnen, die am Asienpokal, der derzeit in Australien ausgetragen wird, während der Nationalhymne demonstrativ geschwiegen haben, ist nur das jüngste Beispiel für politischen Protest im Sport. Ihre Geste wurde als Zeichen des Protests gegen die Machthaber im Iran und als Solidaritätsbekundung mit der Protestbewegung in ihrer Heimat gewertet. Fünf iranische Fussballerinnen haben daraufhin von Australien ein humanitäres Visum erhalten.

Sechs Personen, darunter eine in Anzug und fünf in Sportkleidung, stehen vor einem weissen Vorhang.
Legende: Der australische Innenminister Tony Burke posiert mit den fünf Frauen der iranischen Frauen-Fussballmannschaft, denen humanitäre Visa gewährt wurden. Reuters / Tony Burke

Auch während der Fussball­weltmeisterschaften in Katar 2022 kam es zu politischen Statements, etwa von der deutschen Fussballmannschaft. Die Fifa hatte das Tragen der «One Love»-Kapitänsbinde während des Turniers untersagt. Die deutsche Nationalelf hatte daraufhin ein alternatives Zeichen der Solidarität gewählt: die Hand vor dem Mund. Als Symbol für den von der Fifa verpassten Maulkorb.

Fussballmannschaft mit geschlossenen Mündern vor Spielbeginn.
Legende: Die deutsche Elf hielt sich aus Protest gegen die Fifa eine Hand vor den Mund. IMAGO / Ulmer

Die Geschichte des Protests im Fussball geht noch weiter zurück. Am 6. September 1996 spielte die Schweizer Nati in Schweden um die Qualifikation zur EM 1996 in England. Während die Nationalhymne spielte, rollte das Team ein Bettlaken aus. «STOP IT CHIRAC», stand da drauf. Der ­damalige französische Staatspräsident Jaques Chirac hatte im Süd­pazifik Atomtests angeordnet.

Die Aktion hatte Folgen: Auch wenn die Mannschaft am Ende einer Bestrafung entging, machte die Uefa ihren Mitgliederverbänden klar, dass politische Aktionen auf dem Spielfeld künftig streng bestraft werden würden.

Fussballmannschaft in roten Trikots hält Protestbanner.
Legende: 1996 wurde auch die Schweizer Nati politisch mit ihrem Banner «STOP IT CHIRAC». KEYSTONE / Karl Mathis

Doch nicht nur im Fussball wird es ab und zu politisch: Im September 2016 ging Quarterback Colin Kaepernick während der US-amerikanischen Hymne auf die Knie. Er wollte damit gegen Rassismus und Polizeibrutalität protestieren. Und das vier Jahre vor der Tötung von George Floyd, die weltweit die «Black Lives Matter»-Bewegung ausgelöst hatte. «Ich weiss, dass meine Aktion Konsequenzen haben wird», sagte Kaepernick damals.

Zwei Footballspieler knien während eines Spiels am Spielfeldrand.
Legende: Sein Kniefall kostete Colin Kaepernick (rechts) die Football-Karriere. Keystone / Daniel Gluskoter

Und er sollte recht behalten: Seine Geste kostete ihn die Karriere. Die National Football League hatte alles dafür getan, dass der Footballspieler keinen neuen Job bekam. 2018 wurde unter anderem Kaepernick das Gesicht einer Jubiläumskampagne von Nike. 2020 entschuldigte sich zwar der NFL-Boss Roger Goodell erstmals für den Umgang mit den Protesten der Spieler. Den Namen von Kaepernick erwähnte Goodell hingegen nicht.

Kaepernick ist inzwischen zu einem Symbol der Bürgerrechtsbewegung geworden.

Werbetafel mit Portrait einer Person und Nike-Slogan.
Legende: 2018 wurde Colin Kaepernick ein Gesicht der Nike-Jubiläumskampagne. AP Photo / Eric Risberg

Gegen Rassismus protestierten 1968 auch die US-Amerikaner Tommie Smith und John Carlos. Smith hatte das 200-Meter-Rennen in Weltrekordzeit gewonnen. Carlos schaffte es auf den dritten Platz. Bei der Vergabe der Medaillen kam es zum Protest. Während der Hymne reckte Smith seinen rechten Arm in die Luft, Carlos den linken – die Hände im schwarzen Handschuh zur Faust geballt, als Symbol der «Black-Power»-Bewegung. Beide standen nur in schwarzen Socken da, womit sie die Armut veranschaulichten, und senkten ihre Köpfe.

Drei Sportler bei der Siegerehrung, zwei heben Fäuste.
Legende: Tommie Smith (Mitte) und John Carlos (rechts) erheben bei der Siegerehrung ihre Fäuste. AP Photo / File

Die Konsequenzen für ihr Verhalten kamen prompt: Auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees wurden die beiden Sportler aus dem US-Olympiateam ausgeschlossen, Fördergelder wurden gestrichen und auch in späteren Jobs hatten sie einen schweren Stand. Gelohnt hat sich der Protest für Tommie Smith im Nachhinein nur bedingt. 2018 sagt er im Alter von 73 Jahren: «Eine Schnecke hat sich in 50 Jahren weiter bewegt als wir uns im Kampf für Bürgerrechte.»

SRF News, 9.3.2026, 20 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel