Der Fall der Iranerinnen, die am Asienpokal, der derzeit in Australien ausgetragen wird, während der Nationalhymne demonstrativ geschwiegen haben, ist nur das jüngste Beispiel für politischen Protest im Sport. Ihre Geste wurde als Zeichen des Protests gegen die Machthaber im Iran und als Solidaritätsbekundung mit der Protestbewegung in ihrer Heimat gewertet. Fünf iranische Fussballerinnen haben daraufhin von Australien ein humanitäres Visum erhalten.
Auch während der Fussballweltmeisterschaften in Katar 2022 kam es zu politischen Statements, etwa von der deutschen Fussballmannschaft. Die Fifa hatte das Tragen der «One Love»-Kapitänsbinde während des Turniers untersagt. Die deutsche Nationalelf hatte daraufhin ein alternatives Zeichen der Solidarität gewählt: die Hand vor dem Mund. Als Symbol für den von der Fifa verpassten Maulkorb.
Die Geschichte des Protests im Fussball geht noch weiter zurück. Am 6. September 1996 spielte die Schweizer Nati in Schweden um die Qualifikation zur EM 1996 in England. Während die Nationalhymne spielte, rollte das Team ein Bettlaken aus. «STOP IT CHIRAC», stand da drauf. Der damalige französische Staatspräsident Jaques Chirac hatte im Südpazifik Atomtests angeordnet.
Die Aktion hatte Folgen: Auch wenn die Mannschaft am Ende einer Bestrafung entging, machte die Uefa ihren Mitgliederverbänden klar, dass politische Aktionen auf dem Spielfeld künftig streng bestraft werden würden.
Doch nicht nur im Fussball wird es ab und zu politisch: Im September 2016 ging Quarterback Colin Kaepernick während der US-amerikanischen Hymne auf die Knie. Er wollte damit gegen Rassismus und Polizeibrutalität protestieren. Und das vier Jahre vor der Tötung von George Floyd, die weltweit die «Black Lives Matter»-Bewegung ausgelöst hatte. «Ich weiss, dass meine Aktion Konsequenzen haben wird», sagte Kaepernick damals.
Und er sollte recht behalten: Seine Geste kostete ihn die Karriere. Die National Football League hatte alles dafür getan, dass der Footballspieler keinen neuen Job bekam. 2018 wurde unter anderem Kaepernick das Gesicht einer Jubiläumskampagne von Nike. 2020 entschuldigte sich zwar der NFL-Boss Roger Goodell erstmals für den Umgang mit den Protesten der Spieler. Den Namen von Kaepernick erwähnte Goodell hingegen nicht.
Kaepernick ist inzwischen zu einem Symbol der Bürgerrechtsbewegung geworden.
Gegen Rassismus protestierten 1968 auch die US-Amerikaner Tommie Smith und John Carlos. Smith hatte das 200-Meter-Rennen in Weltrekordzeit gewonnen. Carlos schaffte es auf den dritten Platz. Bei der Vergabe der Medaillen kam es zum Protest. Während der Hymne reckte Smith seinen rechten Arm in die Luft, Carlos den linken – die Hände im schwarzen Handschuh zur Faust geballt, als Symbol der «Black-Power»-Bewegung. Beide standen nur in schwarzen Socken da, womit sie die Armut veranschaulichten, und senkten ihre Köpfe.
Die Konsequenzen für ihr Verhalten kamen prompt: Auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees wurden die beiden Sportler aus dem US-Olympiateam ausgeschlossen, Fördergelder wurden gestrichen und auch in späteren Jobs hatten sie einen schweren Stand. Gelohnt hat sich der Protest für Tommie Smith im Nachhinein nur bedingt. 2018 sagt er im Alter von 73 Jahren: «Eine Schnecke hat sich in 50 Jahren weiter bewegt als wir uns im Kampf für Bürgerrechte.»