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Dauerüberwachung der Frauen Neue App aus Saudi-Arabien bringt Tech-Riesen in Bedrängnis

Vormünder können mit der App die Reisepläne ihrer Frauen überwachen – Menschenrechtsorganisationen fordern die Löschung.

Legende: Audio Die Überwachung kennt keine Grenzen abspielen. Laufzeit 03:06 Minuten.
03:06 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.02.2019.

Die Internetkonzerne Apple und Google stehen in der Kritik wegen der saudi-arabischen App «Absher», welche die Konzerne in ihren Stores anbieten. Der Vorwurf von Menschenrechtsorganisationen: Die App ist gegenüber Frauen diskriminierend. Denn sie ermögliche es Männern, ihre Frauen zu überwachen.

Grundsätzlich kann Mann mit der App einige Behördengänge online erledigen – wie zum Beispiel Bussen bezahlen oder Neugeborene registrieren. Weiter kann Mann damit bestimmen, wohin eine Frau reisen kann und wohin nicht.

Mann wird per SMS informiert

Saudi-arabische Frauen können grundsätzlich nicht selbst entscheiden, wohin sie reisen wollen – sie brauchen einen männlichen Vormund. Meistens ist das der Vater oder der Ehemann, manchmal auch der Bruder oder der Sohn. Diese müssen mit den Reiseplänen der Frau einverstanden sein.

Mit der App kann nun der Vormund die Passnummer der Frau eingeben und dann ganz genau angeben, in welches Land sie reisen darf. Wenn die Frau ihren Pass dann für die Reise benutzt, bekommt der App-Benutzer ein SMS.

Cook will sich die App anschauen

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International nehmen Google und Apple nun in die Pflicht. Es gäbe Regeln, dass Apps nicht für Drohungen oder Belästigungen benutzt werden dürfen – und das tue diese App, weil sie die saudi-arabischen Frauen diskriminieren würde.

Auch der demokratische US-Senator Ron Wyden postete die Kritik auf Twitter. Er fordert die beiden Tech-Riesen dazu auf, die App zu entfernen. Apple-CEO Tim Cook hat versprochen, sich die App genauer anzuschauen – von Google hat man noch nichts gehört.

Es gibt aber auch Frauen, welche diese App verteidigen. Eine ägyptisch-amerikanische Frauenrechtlerin hat auf Twitter eine Nachricht von einer saudischen Frau gepostet. Diese findet, dass nicht die App das Problem sei, sondern nur das Symptom des eigentlichen Problems – dass Frauen eben nicht selbst bestimmen können.

Und die App biete sogar Vorteile: Vorher war dafür viel Papierkram nötig, nun braucht es ein paar Klicks. So sei es eben auch einfacher, eine Reiseerlaubnis zu bekommen ohne das Einverständnis ihres Vormunds. Man könne einfach das Handy des Vormunds nehmen, und sich selbst die Erlaubnis erteilen.

Die Frauen fürchten nun, der internationale Druck auf Apple und Google könnte ihnen diese Möglichkeit wieder wegnehmen.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Ich finde das Geschrei unerträglich. Es geht uns nichts an. Man mag die Sache rückständig und unfrei finden und nach UNSEREN Massstäben ist es das auch, aber anstatt die Strategie der kleinen Schritte zu verteidigen, stellen sich solche Organisationen immer lauthals an vorderster Front auf. Und schaden damit einerseits ihrem eigenen Anliegen (wenn Reisen von Frauen dort dadurch häufiger werden, wird der nöchste Schritt irgendwann automatisch folgen) und outen sich gleichzeitig als Kulturtrampel.
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  • Kommentar von Michi Huggentobler (Greenturo)
    Wenn man befürchten muss das die eigene Ehefrau ins Ausland flüchtet. Liegt die Vermutung nahe das es in der Ehe nicht sonderlich gut läuft... Und die Nutzung dieser App wird daran nichts ändern.
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Andere Laender andere Sitten (Unsitten).... was mischen wir uns ein? Wir wollen ja deren Einmischung auch nicht... oder?
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    1. Antwort von Haller Hans (H.Haller)
      In der Tat, andere Länder, andere Sitten, andere Gepflogenheiten, andere Gesetze. Nur damit haben einige so ein Problem bei ihren Multi-Kulti-Vorstellungen und merken das nicht mal. "Wertevorstellungen zu exportieren oder vorschreiben zu wollen, kommt eben nicht überall friedlich an." - Aber die lernen es wohl auch einmal, vielleicht sogar auf die harte Tour.
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