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Infiltriert die Antifa heimlich US-Städte?
Aus Rendez-vous vom 19.06.2020.
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Demonstrationen in den USA Antifa: Neuer Sündenbock der Rechten

Die antifaschistische Bewegung soll hinter den Black-Lives-Matter-Protesten stecken. Aber nicht nur das.

Die USA sind in Aufruhr: Noch immer finden Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus statt. In Seattle haben Protestierende gar einen Stadtbezirk besetzt, die Polizei vertrieben und das Gebiet für autonom erklärt.

Über diese Aktionen wird in vielen US-Medien mehrheitlich wohlwollend berichtet und sie werden von der Demokratischen Partei unterstützt. Für das Weisse Haus und konservative Medien ist hingegen klar, dass sich in den USA Anarchie ausbreitet und die öffentliche Sicherheit bedroht ist. Dahinter stecken soll die Antifa, das heisst: antifaschistische Aktivisten, die den Umsturz planten.

Fox News zieht Vergleiche zum IS

Für den konservativen Sender Fox-News ist klar, wer hinter den Protesten gegen Polizeigewalt steckt. Antifa, schwarz vermummte, bewaffnete Extremisten, würden heimlich US-Städte infiltrieren. Auch die Vertreibung der Polizei aus einem Stadtbezirk von Seattle sei das Werk der Antifa.

Die Besetzung von Chaz in Seattle wurde auf Fox-News gar mit der Machtübernahme des Islamischen Staates verglichen. Konservative Medien berufen sich bei ihrer Berichterstattung auf Justizminister Barr und Präsident Trump.

Beweise, dass die Antifa Gewalt und Ausschreitungen organisiert habe, konnte das Justizministerium aber bisher nicht präsentieren, sagt Professor Mark Bray, Autor von «Antifa», eines Standardwerks über antifaschistische Bewegungen.

Noch kein Antifa-Mitglied verhaftet

Bray kann sich zwar durchaus vorstellen, dass einzelne Antifa-Leute an Sachbeschädigungen beteiligt waren. Aber bei den über 200 Personen, die während der Proteste verhaftet wurden und die das FBI bisher überprüft hat, hatte niemand eine Verbindung zu Antifa. Drei der Verhafteten sind hingegen Mitglieder der rechtsextremen Boogaloo-Bewegung.

Frau hält Banner in die Luft
Legende: «Ein loses Netzwerk von kleinen Gruppierungen» ist die Antifa laut Buchautor Mark Bray. Keystone

Antifa sei weder personell noch organisatorisch in der Lage, im ganzen Land Proteste zu organisieren, wie im rechten Lager behauptet werde. Denn es sei ein loses Netzwerk von kleinen Gruppierungen, die in erster Linie die Aktivitäten von Neonazis und weissen Rassisten überwachten und diese bloss zu stellen versuchten, sagt Bray.

Auch Antifas tragen in den USA Waffen

Es sei vor allem eine gemeinsame Philosophie und nicht eine hierarchische Organisation, sagte jüngst Antifa-Aktivistin Lacey McAuley in einem Interview gegenüber dem Sender NPR.

Versammelten sich Rechtsradikale in der Öffentlichkeit, wie in Charlottesville vor drei Jahren, dann versuche Antifa, diese Auftritte zu stören, sagt Professor Bray, und sie tue dies durchaus auch mit Gewalt.

Anders als in Europa trügen in den USA einzelne Antifa-Anhänger gar Schusswaffen. Aber im Gegensatz zu den Rechtsextremen oder auch der Polizei habe die Antifa bisher noch nie jemanden umgebracht.

Eine Terrororganisation kann es nicht sein

Antifa zur Terrororganisation zu erklären, wie dies Präsident Trump kürzlich angekündigt habe, ergebe wenig Sinn. Zudem sei ein solcher Schritt juristisch gar nicht möglich. Einheimische Gruppierungen könnten in den USA gar nicht zu Terrororganisationen erklärt werden. Aber Trump gehe es vor allem um die Botschaft: Alle Linksradikalen seien Terroristen.

Vor allem aber versuche Präsident Trump abzulenken. Um nicht über die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen der Proteste reden zu müssen, dramatisiere Trump deren Folgen und mache die Antifa dafür verantwortlich.

Video
Rufe nach Polizeireform in den USA
Aus 10vor10 vom 17.06.2020.
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107 Kommentare

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  • Kommentar von Udo Wilkens  (UWIL)
    @Charly
    Stimme Ihnen da vollkommen zu. Aber die Mehrheit der Amerikaner denkt nicht so und selbst unter den republikanischen Wählern wird vieles, was Trump tut, nicht gutgeheissen. Leider beschäftigen sich viele Amerikaner nicht mit Politik und haben sich nicht für die jetzigen Probleme interessiert, weil sie schlichtweg nie betroffen waren. Der grosse Anteil der Amerikaner wünscht sich jedoch weder Rassendiskriminierung noch Polizeibrutalität. Trump Fanatiker ausgenommen.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Bedenklich was das die Regierung Trump verkündet und was für einen Blödsinn aus dem Mund von Trump immer wieder an die Oeffentlichkeit gelangt. Ich denke es wäre viel besser, wenn dieser Mann entlich schweigen würde, man erträgt sein Palawer langsam überhaupt nicht mehr.
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  • Kommentar von Udo Gerschler  (UG)
    Ob der eine weniger getötet,zerstört,misshandelt oder welche Gewalt auch immer angewandt wurde hilft den Opfern wenig.Es ist eine Menschenverachtende Ideologie egal ob dieser Sozialismus von den Linken oder Rechten durchgesetzt werden soll.Die Frage ist ob Marx und seine philosophischen Gedanken missbraucht wurden während bei Hitler die Perversität seines Nationalsozialismus ein vorsätzliches Verbrechen ist.Hoffen wir das sich die Vernunft am runden Tisch wie 1990 in der DDR durchsetzen wird.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Zum x ten Mal: Linksextreme sind Kommunisten oder Marxisten-Leninisten.
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    2. Antwort von Udo Gerschler  (UG)
      Herr Planta, das streitet keiner ab.In der heutigen Zeit sollte aber die Gewalt nicht das Mittel der Wahl sein.Für mich ist die Demokratie der Schweiz ein Vorbild und könnte es es auch für Europa sein.
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    3. Antwort von Udo Gerschler  (UG)
      Nachtrag,ich hoffe das Frau Wagenknecht und andere sich von der Antifa distanzieren.
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    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Schweiz brauchte lange Zeit bis sie das wurde was sie heute ist. In Bezug auf Europa ist zu sagen, dass man auch eine Zeit zugestehen muss. Allerdings hat man keine Alternative, wenn man den drei Grossmächten die Stirne bieten will.
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    5. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Planta: Sehr gut können Sie weder Marx noch Lenin kennen wenn sie diese absolute Gleichstellung beschreiben. Tönt stark nach der US Doktrin: Alles was nicht Kapitalistisch und US hörig ist, ist Linksradikal, Marxisstisch etc.
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    6. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Schulenburg: der Marxismus-Leninismus war jedenfalls so extrem das er nirgends in die Praxis umgesetzt werden konnte. Im Ostblock hatten sie bestenfalls einen Staatskapitalismus, indem es zahlreiche Aparatschiks gab, die gleicher als gleich waren.
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    7. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Gerschler: Natürlich heisse ich Gewalttätigkeit von Antifa nicht gut. Aber wir sollten merken, dass Trump ein fieses Spiel spielt: Denn die meisten Demonstranten protestieren friedlich gegen Rassismus. Leider laufen jeweils Randalierer mit. Aber Trump will davon ablenken, dass die Diskriminierungen gegen Schwarze besteht, will kaum etwas gegen diesen Rassismus unternehmen. Nun lenkt er wahlkampftaktisch von seiner Unterlassung ab, und nun soll Antifa die „Sünde“ auf sich nehmen. Toll!
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