US-Präsident Donald Trump fordert von den Nato-Partnern militärische Unterstützung im Krieg gegen den Iran, um die Strasse von Hormus zu sichern. Die Ölpreise sind wegen der Angriffe auf Tanker weltweit gestiegen. In einem Interview mit der Financial Times droht Trump der Allianz mit einer «sehr schlechten Zukunft», sollte sie ihm die Hilfe verweigern. Unser diplomatische Korrespondent Fredy Gsteiger schätzt die Lage ein.
Ist eine europäische Kriegsbeteiligung realistisch?
Ja, das ist vorstellbar, da auch Europa von den steigenden Ölpreisen betroffen ist. Entscheidend sind aber das Wie und das Wann – etwa, ob eine Beteiligung erst nach dem Krieg zur Minenräumung im Persischen Golf erfolgen würde. Klar ist: Ein Nato-Bündnisfall wird nicht ausgerufen. Steigende Benzinpreise sind keine existenzielle Bedrohung für ein Mitgliedsland, die einen solchen Schritt rechtfertigen würde.
Welche Wirkung haben Trumps Drohungen?
Das Drohelement ist eindeutig stärker als die Bitte. Die USA sind aber nicht zwingend auf europäische Hilfe angewiesen, da die Europäer kaum Militärschiffe vor Ort haben. Trump stellt eine Verbindung zum Ukraine-Krieg her: Die USA helfen dort, also sollen die Europäer nun im Iran helfen. Dies zeigt, dass er die Nato und die fundamentalen Unterschiede der beiden Konflikte nicht verstehen will. Der Ukraine-Krieg bedroht die Nato direkt, der Iran-Krieg nicht.
Trump fordert auch China zur Mithilfe auf. Wie dürfte Peking reagieren?
Peking wird sich wahrscheinlich zurückhalten und nicht in diesen Krieg hineinziehen lassen. China dürfte nicht unglücklich darüber sein, dass die USA durch diesen Konflikt im Nahen Osten gebunden sind. Dies lenkt Washington davon ab, sich stärker auf Ostasien zu konzentrieren, was Peking strategische Vorteile verschafft.