Zum Inhalt springen

Header

Audio
Staatstrauer in Argentinien nach Maradonas Tod
Aus HeuteMorgen vom 26.11.2020.
abspielen. Laufzeit 10:10 Minuten.
Inhalt

Diego Maradona ist tot Drei Tage Staatstrauer für den Fussballgott

Trotz Absturz und Zerfall: Die Bevölkerung Argentiniens vertraut Sportstars mehr als politischen Vertretern.

Niemand konnte überrascht sein von seinem Tod. Erst kürzlich zeigte das Fernsehen Bilder eines schwer aufgedunsenen und übergewichtigen Diego Maradona. Es waren die Aufnahmen eines alt gewordenen Stars, der sich nicht mehr aus eigener Kraft auf den Beinen halten konnte.

Drogen- und Alkoholexzesse hatten Maradonas Gesundheit über die Jahre nachhaltig geschwächt. Zuletzt mussten ihn die Ärzte nach einem Sturz wegen einer Hirnblutung operieren.

Video
Staatstrauer in Argentinien
Aus News-Clip vom 26.11.2020.
abspielen

«Er war der Grösste»

«Ich bin zutiefst betroffen», sagt eine Frau in Buenos Aires dem Fernsehen. «Diego war der Grösste, er wird eine Legende bleiben.» Maradona ist tot. In ganz Argentinien bezeugen die Menschen ihre Trauer. Zu Tausenden sind sie auf den Strassen und in den Fussballstadien, um Maradona Tribut zu zollen.

Leichnam für Totenwache überführt

Textbox aufklappenTextbox zuklappen
Überführung des Leichnamks von Diego Maradona.
Legende:Keystone

Der Sarg mit dem Leichnam der Fussball-Ikone Diego Maradona ist in der Nacht zu Donnerstag im argentinischen Präsidentenpalast eingetroffen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, standen bereits Hunderte Menschen vor der Casa Rosada Schlange, als der Sarg das Gebäude in einem Krankenwagen unter grossen Sicherheitsvorkehrungen erreichte.

Die Totenwache für die breite Öffentlichkeit sollte am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr (Ortszeit) beginnen, hiess es in einer Erklärung des argentinischen Präsidenten. Maradonas Leichnam soll dann für drei Tage im Präsidentenpalast aufgebahrt werden. Die Regierung hatte zuvor bereits eine dreitägige Staatstrauer angeordnet und erklärt, Maradona werde ein Staatsbegräbnis erhalten.

Bereits kurz vor Mitternacht kamen Maradonas Ex-Frau Claudia Villafane und seine Töchter Dalma und Gianinna in den Präsidentenpalast. Es folgten Claudio Tapia, Präsident des argentinischen Fussballverbandes (AFA) sowie eine Reihe von aktuellen und ehemaligen Spielern, darunter Maradonas Mannschaftskameraden aus dem siegreichen argentinischen Team der WM 1986.

Auch die argentinische Regierung zeigt sich betroffen. Sie hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet; alle Flaggen im Land wehen auf halbmast.

Idole als Ersatztrost

Kaum war die Todesnachricht Maradonas am Mittwoch publik, rückten die Menschen zusammen und riefen sich die Ballkünste Maradonas in Erinnerung.

Die emotional-überdrehte Verehrung von Sportidolen hat in Argentinien Tradition. Die breite Masse vertraut eher sportlichen Grössen als den politischen Vertretern.

Argentinien gilt als Sozialfall

Es ist eine Art Ersatzdroge, mit der sich die Leute über den Abstieg des Landes hinwegzutrösten versuchen und über ihren eigenen: Vor hundert Jahren gehörte Argentinien zu den reichsten Staaten der Welt; heute gilt es als Sozialfall.

Es ist überschuldet und schon bald wieder zahlungsunfähig. Tragisch, dass der Sog nach unten auch Diego Maradona persönlich erfasst hat: Trotz vieler Entziehungskuren wurde er immer wieder rückfällig.

Video
Diego Maradona ist tot
Aus Tagesschau vom 25.11.2020.
abspielen

SRF 4 News, Heute Morgen vom 26.11.2020, 06:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Maradona war mit Pele zusammen der beste Fussballer aller Zeiten. Seine Leidenschaft für den Fussball war mythisch, seine Fussballkunst, genialen Spielzüge, Dribblings, Assists, Tore waren eine Augenweide. Er verstand es, vor allem auch die ärmeren Leute in Argentinien und in Napoli zu verzücken: „Hier im Theater (Stadion) von Maradona sind wir jemand, nicht die gejagten Handlanger des Alltags“, so wunderbar der Mühen des Alltags enthoben in den Himmel des Fussballs.Wundervoll,für die Ewigkeit!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Alles richtig. Tatsache ist aber auch, das eine derartige Erwartungshaltungen der Menschen an einen einzelnen idealisierten, enormen Druck auf baut, an welchem er wie so manch andere/r - vermutlich aufgrund schlechten Managements, schlechter Berater und falscher "Freunde" - zerbrochen ist. Wie schrieb sein "Leidensgenosse" Kurt Cobain so richtig und wichtig: "I feel stupid, and containgous: `here we are now, entertain us!`"....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Danke, Herr Waeber, für diesen Kommentar. Das, was Sie schreiben, ist eine ebenso wichtige Seite. Das stimmt halt auch, dass der Erwartungsdruck auf solche Stars sozusagen übermenschlich ist - mit dem ganzen schwierigen Privatleben als Star...mit halt auch falschen „Freunden“.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Brot, Spiele und transzendente Heilsversprechen - manchmal verschwimmen die Grenzen. Opium... oder besser: Kokain für das Volk. Wobei einen mitunter das Gefühl beschleicht, die dionysische sei von allen Realitätsfluchten noch die ehrlichste. RIP.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Es geht den politischen Vertretern mit dieser Staatstrauer um die Einigung der gespaltenen Bevölkerung. Der Fussballgott ist n ur Mittel zum Zweck.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen