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Diskussion um Demografie Frankreich geht in die Offensive: Mehr Kinder erwünscht

Die Leute sollten nicht zu lange mit Kinderkriegen zuwarten, so die Regierung. Deshalb erhalten bald alle 29-Jährigen einen Brief.

Darum geht es: Die Geburtenrate in Frankreich sinkt seit Jahren. Deshalb hatte Präsident Emmanuel Macron schon 2023 eine «demografische Wiederaufrüstung» versprochen – einen Plan zur Steigerung der Geburtenrate und zur Bekämpfung von Unfruchtbarkeit. Jetzt, da im letzten Jahr mehr Menschen starben als geboren wurden, präsentiert die französische Regierung ihre Pläne zur Demografie.

So ist das Vorgehen: Der Plan des Gesundheitsministeriums sieht 16 Punkte vor, um die Unfruchtbarkeit zu bekämpfen, von der mehr als drei Millionen Franzosen betroffen sind. In erster Linie soll die Bevölkerung besser über das Risiko aufgeklärt werden, zu lange mit dem Kinderzeugen zuzuwarten. Denn mit dem Alter nimmt die Fruchtbarkeit schnell ab. Zu diesem Zweck erhalten alle 29-Jährigen einen Brief. Dort sollen sie aufgeklärt werden über Fragen der Unfruchtbarkeit und über Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin. 

Korrespondentin: demografische Herausforderung

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Die Frankreich-Korrespondentin von SRF, Zoe Geissler, sagt zu den Plänen: «Das Thema Demografie beschäftigt Frankreich schon länger, doch jetzt wird es mit einer neuen Dringlichkeit behandelt. Die neuste Statistik, wonach mehr Menschen sterben als geboren werden, hat das Land aufgerüttelt. Schliesslich gefährdet dieser Trend auch das Sozialmodell, also die Renten.

Kommt hinzu, dass die Bevölkerung in Frankreich immer älter wird. Zwar wächst die Bevölkerung derzeit noch, aber nur wegen der Zuwanderung. Und diese ist politisch bekanntlich höchst umstritten. Vor allem die rechten Parteien wollen weniger Einwanderung. Sie betrachten somit die Erhöhung der Geburtenrate als ein wichtiges Mittel, um das Sozialmodell nicht zu gefährden.»

Die Begründung: Es gehe nicht darum, «vorschreibend» zu sein und zum Kinderkriegen aufzufordern, betont die Gesundheitsministerin Stéphanie Rist. «Was wir vermeiden müssen, ist, weiterhin zu hören, ‹wenn ich es gewusst hätte›.» Zuvor war Präsident Macron von mehreren feministischen Organisationen kritisiert worden, weil er Unfruchtbarkeit mit einer Problematik des «demografischen Wiederaufbaus» in Verbindung gebracht hatte. Das wiederum wurde in Frankreich als unpassende kriegerische Rhetorik empfunden.

Weitere Massnahmen: Neben der Aufklärung der Bevölkerung will das Gesundheitsministerium auch die Möglichkeiten zum Einfrieren von Eizellen ausweiten. Das Verfahren ist in Frankreich seit 2021 erlaubt, in der Praxis jedoch mit langen Wartezeiten verbunden. Deshalb sollen im ganzen Land mehrere Dutzend neue Einrichtungen hinzukommen, die Eizellen einfrieren und aufbewahren dürfen. Auch soll das Verfahren kostenlos bleiben.

Krankheiten bekämpfen: Der Plan verspricht zudem eine bessere Versorgung von Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS), einer Erkrankung, die Unfruchtbarkeit begünstigt. Während Endometriose bereits Gegenstand eines Regierungsplans ist, wurde PCOS bisher in den öffentlichen Diskussionen weitgehend vernachlässigt.

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Rendez-vous, 11.2.2026, 12:30 Uhr ; 

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