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Legende: Audio Lautstarke Proteste von Abtreibungsgegnern abspielen. Laufzeit 07:44 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 28.05.2019.
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Drakonisches Verbot in Alabama Kampfzone Abtreibungsklinik

Alabama hat ein strenges Abtreibungsverbot verabschiedet. Es setzt Schwangerschaftsabbruch mit Mord gleich und wird wohl nie in Kraft treten. Derweil läuft vor einer Klinik in Huntsville ein tägliches Drama ab.

Das Abtreibungsverbot befeuert die Protestierenden in Huntsville. Mit Megafonen schleudern sie ihre Botschaften über die Camouflage-Barrikade, welche die Klinik zum Schutz der Patientinnen erreichtet hat. «Ihr leistet Beihilfe zum Mord» und «Gott wird Euch strafen», tönt es.

Camouflage-Barrikade der Klinik zum Schutz der Patientinnen
Legende: Die Abtreibungsklinik in Huntsville ist durch eine Barrikade gegen aussen abgeschirmt. SRF

Sogar aus Nachbarstaaten wie Tennessee sind die Abtreibungsgegner angereist. «Es ist ein amerikanischer Holocaust», sagt ein Mann aus Tennessee, der Donald Trumps Slogan «Make America Great Again» auf seiner Mütze trägt. Von einem «Holocaust» ist auch im Gesetz von Alabama die Rede. «Wir haben offene Grenzen und werden von Immigranten überflutet, aber die eigenen Bürger töten wir», sagt der Mann aus Tennessee.

Protestierende vor der Klinik in Huntsville
Legende: «Stoppt Mord» und «Es ist auch mein Körper» steht auf den Protestschildern der Abtreibungsgegner, die vor der Klinik demonstrieren. SRF

Auf dem Gehsteig vor der Klinik ist auch der lokale Strassenprediger James Henderson mit seiner Anhängerschaft präsent.

Strassenprediger James Henderson mit seiner Anhängerschaft
Legende: «Mord ist kein Recht» steht auf dem Protestplakat eines Anhängers des Strassenpredigers James Henderson. SRF

«Derzeit können wir das Klinik-Personal noch nicht verhaften, aber wir sind bereit, sobald das Gesetz in Kraft tritt», sagt der Vietnam-Veteran und in Alabama bekannte Anti-Abtreibungsaktivist.

Kind mit einem Anti-Abtreibungs-Schild
Legende: Auch Kinder werden im Kampf gegen die Abtreibung mobilisiert. SRF

Fundamentale Christen, Männer-Aktivisten und Trump-Anhänger: Es ist ein buntes Gemisch, das auf dem Gehsteig vor der Klinik in Huntsville protestiert. In Alabama ist ihre Meinung mehrheitsfähig. 59 Prozent der Wähler und Wählerinnen haben letztes Jahr dafür gestimmt, dass der Staat «ungeborenes Leben schützt».

Auf der anderen Seite der Barrikade, auf dem Parkplatz der Klinik, darf nicht protestiert werden. Dort warten Freiwillige auf heranfahrende Patientinnen, um sie sicher vom Auto zum Eingang der Klinik zu bringen.

Eine Freiwillige, die Patientinnen auf dem Parkplatz empfängt.
Legende: Die 62-jährige Nancy Morris beschirmt die Anonymität der Patientinnen. SRF

Nancy Morris leistet dreimal pro Woche ihren Einsatz; mit einem grossen Regenschirm schützt sie die Gesichter der Patientinnen. «Das macht die Protestler rasend, wenn sie keine Reaktion erhalten.»

Im Innern des «Alabama Women’s Center» herrscht eine professionelle, fast heitere Atmosphäre. Das Personal ist enorm motiviert, empfindet es als Berufung, Frauen Schwangerschaftsabbrüche zu ermöglichen.

Klinikpersonal am Empfang
Legende: Die Frauen hinter dem Empfang empfinden ihre Arbeit als Berufung. SRF

Direktor Dalton Johnson hat die Klinik in Huntsville vor 25 Jahren mitbegründet. Seither sei er eigentlich andauernd in Gerichtsfälle verwickelt. Seine Klinik hat gegen das Abtreibungsgesetz bereits eine Verfassungsklage eingereicht, die vor Gericht fast sicher Erfolg haben wird.

Klinik-Direktor Dalton Johnson hinter seinem Schreibtisch
Legende: Klinik-Direktor Dalton Johnson erlebt seit Jahren, wie die Politik seine Arbeit erschwert. SRF

Die Politiker in Alabama würden immer neue Wege suchen, um Abtreibungskliniken das Leben schwer zu machen, sagt er – etwa durch teure Gebäudebestimmungen oder medizinisch unnötige Sicherheitsmassnahmen. «Das Abtreibungsrecht der Frauen ist in Alabama schon heute nicht garantiert», ist Johnson überzeugt.

Blick in eines der Behandlungszimmer
Legende: Ein Blick in eines der Behandlungszimmer. SRF

Die Klinik in Huntsville ist die einzige Einrichtung in Alabama, die Abtreibungen bis zur 20. Schwangerschaftswoche vornimmt – die legale Frist für Schwangerschaftsabbrüche in dem Gliedstaat.

Behandlungsutensilien in der Klinik
Legende: Bis zur 20. Schwangerschaftswoche dürfen Abtreibungen in Alabama vorgenommen werden – eigentlich. Möglich ist dies nur noch in der Klinik in Huntsville. SRF

Dr. med. Willie Parker erhält regelmässig Morddrohungen. Er lasse sich nicht aus der Ruhe bringen, sagt er. Sonst könne er seinen Job nicht machen. In den USA gab es seit 1973, als der Oberste Gerichtshof die Abtreibung legalisiert hatte, Dutzende von Gewaltakten gegen medizinisches Personal.

Dr. Willie Parker
Legende: Dr. Willie Parker lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. SRF

Und die Frauen, die Schwangerschaften in Alabama abbrechen – was denken, was fühlen sie? Eine Patientin erklärt sich bereit, SRF News Auskunft zu geben. Da sie anonym bleiben möchte, nennen wir sie «Cindy».

Eine Patientin, die anonym bleiben will
Legende: «Was erlauben die sich, über mich zu urteilen?», fragt Cindy. SRF

«Ehrlich gesagt, als ich die Protestierenden vor der Klinik sah, wäre ich am liebsten in sie hineingefahren. Was erlauben die sich, über mich zu urteilen?», fragt die 32-Jährige. Sie hat zwei Kinder und ist alleinerziehend. Ein drittes Kind könne sie einfach nicht stemmen, sagt Cindy.

Abtreibungen_USA
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28 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller  (HPMüller)
    Frau Tanner, wenn ein Embryo schon ein fertiger Mensch ist, warum gehen dann rund die Hälfte aller Embryonen in den ersten 3 Monaten spontan ab und sterben? Welcher Gott lässt denn ein solches Sterben zu?
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  • Kommentar von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
    Ich glaube beinahe jede vierte Frau hat in ihrem Leben schon abgetrieben, wobei ich denke eher noch mehr und die waren nicht glücklich dabei und werden bis an ihr Lebensende an diesen Schritt denken. Es ist kein Zuckerlecken für keine Frau und deshalb sollten diskrimierende Kommentare keinen Platz haben in diesem Forum.
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  • Kommentar von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
    in der Schweiz kann jede mit plausiblen Gründen bis zur 12. Schwangerschaftswoche abtreiben. Aber leider gibt es auf der Welt Àrzte, welche auch nach der 12. Schwangerschaftswoche abtreiben und da bin ich strikte dagegen. Jedoch ein Abtreibungsgesetz hilft leider nichts weil es immer Ärzte gibt, welche Abtreibungen vornehmen.
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