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Vermehrter Drogenschmuggel mit U-Booten
Aus Rendez-vous vom 14.07.2020.
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Drogenschmuggel unter Wasser Nur jedes fünfte Narco-U-Boot geht ins Netz

Die Corona-Krise mache den Drogentransport unter den Weltmeeren noch attraktiver, sagte der Experte H. I. Sutton.

Schiffbau gehört nicht zu den Kernkompetenzen der Drogenmafia. Deshalb haben etwa die kolumbianischen Rauschgiftkartelle inzwischen zahlreiche Bootsbaumeister angeheuert, die für sie in abgelegenen Flussmündungen im Dschungel in Kleinwerften U-Boote bauen.

«Hier sind zweifellos einige sehr professionelle Bootsbauer und Ingenieure am Werk. Sie können kaum ausfindig gemacht werden. Analysen zeigen aber, dass eine Reihe von Booten aus einer Hand stammen müssen», erzählt der Verteidigungsanalyst H. I. Sutton. Er publiziert in Marine- und allgemein in Militärfachzeitschriften, aber auch im US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» und hat eben ein Buch über Drogen-U-Boote geschrieben.

2020: 13 Narco-U-Boote aufgebracht

Drogen-U-Boote sind ein relativ junges Phänomen. Gerüchteweise ist zwar schon seit Ende der 1990er-Jahre von ihnen die Rede. Erst 2005 wurde jedoch das Erste abgefangen. Seither werden sie immer häufiger eingesetzt.

Mexikanische Soldaten stoppten am 17. Juli 2008 vor der Küste ein kolumbianisches Narco-U-Boot mit 5,8 Tonnen Kokain.
Legende: Mexikanische Soldaten stoppten am 17. Juli 2008 vor der Küste ein kolumbianisches Narco-U-Boot mit 5.8 Tonnen Kokain. imago images

Allein 2019 wurden 39 U-Boote von Küstenwachen und Drogenfahndern erwischt. Dieses Jahr waren es bisher 13. Geschätzt wird, dass bestenfalls jedes fünfte Boot entdeckt wird. Die Drogenkartelle setzten bisher wohl insgesamt um die tausend solcher Boote ein, wie H. I. Sutton sagt.

Dieses voll funktionsfähige Narco-U-Boot entdeckten die kolumbianischen Behörden bereits 2011. Es fasst acht Tonnen Kokain und hat eine Reichweite von 8000 Meilen.
Legende: Dieses voll funktionsfähige Narco-U-Boot entdeckten die kolumbianischen Behörden 2011. Es fasst acht Tonnen Kokain und hat eine Reichweite von 8000 Meilen. imago images
Die Drogenkartelle haben geschätzt bisher wohl etwa tausend Narco-U-Boote bauen lassen.
Autor: H. I. SuttonVerteidigungsanalyst, U-Boot-Experte

Dem Vergleich mit U-Booten staatlicher Marinen halten sie nicht stand. Die meist bis 25 Meter langen Boote verfügen über keine Druckausgleichskabinen und fahren oft nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Manche sind sogenannte «Halbtaucher», die stets wenige Zentimeter aus dem Wasser ragen.

Sie werden häufig nur einmal eingesetzt und müssen deshalb möglichst billig herzustellen sein. Für die meist drei- bis sechsköpfige Besatzung gibt es weder Toiletten noch Waschräume – obschon Fahrten oft Tage oder gar Wochen dauern.

Für die Seeleute sei es ein Höllenritt, der jedoch fürstlich entlohnt werde, sagt U-Boot-Experte H. I. Sutton. Für die Auftraggeber sei es kein Problem, die Bootsbauer und die dafür benötigten erfahrenen Kapitäne sehr gut zu bezahlen.

Für die Seeleute ist es ein Höllenritt, der jedoch fürstlich entlöhnt wird.
Autor: H. I. SuttonVerteidigungsanalyst, U-Boot-Experte

Schliesslich ist jede einzelne Fahrt ausserordentlich lukrativ. Manche Boote können bis zu 25 Tonnen Drogen transportieren. Bei den meisten beträgt die Ladekapazität etwa acht Tonnen. Oft werden die Schiffe zwecks Risikoverteilung mit weniger als zwei Tonnen beladen. Selbst dafür lassen sich aktuell satte 35 Millionen Franken lösen.

Auch über den Atlantik

Die Hauptrouten der Drogen-U-Boote liegen an der Pazifikküste zwischen Kolumbien und Mexiko oder in der Karibik. Auch zwischen Marokko und Spanien oder Albanien und Italien wird die illegale Ware mitunter auf diesem Frachtweg transportiert. Seit 2019 in Galizien ein kolumbianisches Drogen-U-Boot festgesetzt werden konnte, weiss man, dass sie inzwischen auch im Transatlantikverkehr eingesetzt werden.

Die spanische Küstenwache entdeckte am 27. November 2019 ein Narco-U-Boot in der Mündung des Flusses Aldan. Es war drei Tage zuvor gesunken und hatte vermutlich drei Tonnen Kokain transportiert.
Legende: Die spanische Küstenwache entdeckte am 27. November 2019 ein Narco-U-Boot in der Mündung des Flusses Aldan. Es war drei Tage zuvor gesunken und hatte vermutlich drei Tonnen Kokain transportiert. imago images

Corona-Kontrollen fördern U-Boot-Verkehr

Je systematischer auf Flughäfen, in Seehäfen und an Landgrenzen kontrolliert wird, umso attraktiver werden Drogen-U-Boote. Diese sind mit Radar- und Sonaranlagen kaum zu orten – weit schwieriger als die ebenfalls benutzten Schnellboote. Inzwischen gibt es auch ferngesteuerte U-Boot-Drohnen.

Die Corona-Krise dürfte dem Einsatz von Drogen-U-Booten noch zusätzlich Auftrieb geben, sagt H. I. Sutton: «Die Pandemie erschwert den Verkehr auf den üblichen Handelsrouten der Frachtschiffe. Somit sind Drogen-U-Boote nun erst recht eine attraktive Alternative.»

Rendez-vous, 14.07.2020, 12:30 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von marc rist  (mcrist)
    In den 90er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, waren auch U-Boote aus Beständen der Roten Armee im Angebot. "Mit oder ohne Torpedos?" lautete etwa die Gegenfrage auf entsprechende Anfragen.
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    1. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Die obigen Nussschalen sind eigentlich keine U-Boote, da sie nicht tauchfähig sind. Da es arme Leute (welche bereit sind Leib und Leben zu riskieren) unglücklicherweise im Überfluss gibt, ist es vermutlich für die Drogenkartelle ökonomischer eine Flotte von wegwerfbaren Nussschalen über die Ozeane zu schicken, als in richtige U-Boote zu investieren. Zudem ist Risikodiversifikation wohl nicht nur für Banken interessant.
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  • Kommentar von Martin Hofer  (MartinSurfeu)
    Jeder, der dieses hochgiftige Pulver konsumiert und sein Hirn und den ganzen Körper damit vergiftet, ist Mitschuldig am Elend, das die Drogenkartelle mit der Herstellung und Verbreitung dieser Droge verursachen. Mitschuldig sind auch alle Chemiefirmen, die die notwendigen Chemikalien zur Produktion des Kokainpulver an die Scheinfirmen liefern. Die hochgiftige chemische Brühe wird nach der Herstellung in den illegalen Drogenlabors im Regenwald in den Flüssen entsorgt und vergiftet die Umwelt.
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    1. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Es ist eine verkürzte Betrachtung und fehl am Platz, den Konsumenten eine Mitschuld am durch die Hersteller verursachten Elend zuzuweisen. Der letzte Grund für dieses Elend besteht in der Prohibition, wie man eigentlich schon seit gut 100 Jahren weiss (Alkoholprohibition in den USA).

      Man sollte sich endlich damit abfinden, dass ein Teil der Bevölkerung Drogen konsumiert, und das Beste aus dieser Tatsache machen. Sprich: Legalisierung und Regulierung wie bei Alkohol und Nikotin.
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    2. Antwort von Martin Hofer  (MartinSurfeu)
      Valentin Haller : Nur hat Kokain eine ganz andere Langzeitwirkung auf Geist und Körper als Alkohol und Nikotin. Dann müssten u.a. auch Amphetamine oder Anabolika legalisiert werden.
      Bei einer Legalisierung müssten alle Staaten mitmachen, da der Konsum nur in der Schweiz für den gesamten Markt unbedeutend ist. Kokain ist eine Droge, auf die wir verzichten sollten.
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    3. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Herr Hofer, ich unterschätze keineswegs die Gefährlichkeit der heute illegalen Drogen. Diese Gefahr geht jedoch nicht zuletzt von mangelhafter Reinheit der Substanzen aus. Und man darf auch Alkohol und Nikotin nicht bagatellisieren.

      Natürlich ist Drogenkonsum per se keine besonders gute Idee, auch und gerade im Übermass über eine lange Zeit. Und dennoch: Es kann nicht Aufgabe eines Staates sein, den Bürgern per Gesetz Konsumvorschriften zu machen.
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    4. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Herr Hofer. Natürlich müssen alle Drogen legalisiert und streng reguliert werden und idealerweise sollten alle Länder der Welt mitmachen. Wenn die Schweiz das alleine macht, dann spart sie aber immerhin Geld bei der Polizei und nimmt zusätzliche Milliarden über die Genussmittelsteuer ein. Durch Prohibition verzichtet niemand. Drogenkartelle handeln übrigens typischerweise nicht mit hochgiftigen bzw. tödlichen Drogen, weil das Überleben der Kundschaft wichtig für ihr Geschäft ist.
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    5. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Die Leute sollten auch nicht zu viel Tabak, zu viel Alkohol, zu viel Zucker, zu viel Fleisch, zu viel Salz und zu viel TV konsumieren.
      Menschen sind nun mal nicht perfekt und es wäre besser diese Tatsache anzunehmen als zu hoffen, dass Verbote zum Ziel führen. Jemand der mit einem Sturmgewehr im Dorf rumschiesst, kann Unschuldige töten, jemand der den ganzen Tag ungesund konsumiert, gefährdet nur sich selbst. Dieser Umstand sollte bei Verboten immer auch berücksichtigt werden.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Ich denke auch das man es einmal, zumindest Versuchsweise, mit Legalisierung versuchen sollte. Weltweit. Seit Jahrzehnten, wird vergeblich mit einem riesigen finanziellen Aufwand versucht, die Lage zu kontrollieren.
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