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Ein Jahr nach Beirut Mindestens 28 Tote bei erneuter Explosion in Libanon

  • Libanon ist erneut von einer schweren Detonation erschüttert worden.
  • Ein Jahr nach der verheerenden Explosion von Beirut kamen im Norden des Landes mindestens 28 Menschen bei der Explosion eines Treibstofftanks ums Leben.
  • Mindestens 79 weitere Personen wurden verletzt.
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Aus dem Archiv: Der Jahrestag der Explosion von Beirut
Aus Tagesschau vom 04.08.2021.
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Gesundheitsminister Hamad Hassan erklärte, die Verletzten mit den schwersten Verbrennungen müssten wahrscheinlich im Ausland behandelt werden, um ihr Leben zu retten. Dies, weil es im Land an der benötigten Ausrüstung zur Behandlung fehle.

Augenzeugen zufolge befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion etwa 200 Menschen in der Nähe. Unter den Opfern sollen auch Angehörige der Sicherheitskräfte sein.

Über die Ursache der Explosion gab es unterschiedliche Angaben. In Sicherheitskreisen hiess es, dass es bei dem Ansturm von Menschen zu Streitigkeiten zwischen einigen gekommen sei. Dabei seien Schüsse gefallen, die den Benzintank getroffen hätten. Der lokale Fernsehsender Al-Jadeed berichtete dagegen unter Berufung auf Augenzeugen, dass eine Person, die ein Feuerzeug entzündete, die Explosion ausgelöst habe.

Erinnerungen an die Katastrophe von Beirut

Präsident Michel Aoun erklärte, diese neue Tragödie lasse die Herzen aller Libanesen bluten. Viele Libanesen reagierten wütend auf die Explosion, für die sie das Versagen der Politik und des Staates verantwortlich machen.

Vor gut einem Jahr waren bei einer gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut mehr als 190 Menschen getötet und rund 6000 verletzt worden. Die Hinterbliebenen sprechen sogar von 218 Todesopfern. Grosse Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete wurden zerstört. Die Detonation soll durch grosse Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die über Jahre ungesichert im Hafen gelagert wurden. Die genauen Umstände sind noch immer unklar.

Erneute Hiobsbotschaft für ein gebeuteltes Land

Die neue Explosion reiht sich in eine Reihe von Hiobsbotschaften ein, die das Land immer wieder treffen. Der Libanon leidet seit fast zwei Jahren unter der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Regierung ist kaum noch handlungsfähig, grosse Teile der Bevölkerung sind in Armut abgerutscht. Die Inflation liegt bei rund 120 Prozent. Die libanesische Lira hat mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Politisch ist der Libanon gelähmt

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Der Libanon ist seit Monaten politisch gelähmt. Die Regierung war kurz nach der Explosion im Beiruter Hafen Anfang August 2020 zurückgetreten und ist nur noch geschäftsführend im Amt. Wegen eines monatelangen Machtkampfs konnte noch immer kein neues Kabinett gebildet werden. Libanons politische Elite sieht sich schweren Vorwürfen der Korruption und Selbstbereicherung ausgesetzt.

Mitte Juli hat der designierte Ministerpräsident Saad Hariri den Auftrag zur Regierungsbildung zurückgegeben.

Die Krise hat zu einem massiven Versorgungsmangel geführt, der sich in den vergangenen Tagen weiter verschärfte. So fehlt es an Treibstoff für Stromproduktion und Verkehr. Am Samstag bildeten sich vor geschlossenen Tankstellen im ganzen Land lange Schlangen frustrierter Autofahrer, die vergeblich darauf warteten, tanken zu können. Seit Wochen müssen die Menschen im Land täglich über Stunden ohne Strom auskommen.

SRF4 News, 15.8.2021, 12:30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Im Libanon geht gar nichts mehr. Korrupter Staat - Armut. Ist in Tunesien nicht besser. In Tunesien sind viele Menschen frustriert. Sie wollen nach Europa - um jeden Preis. Lampedusa liegt nicht weit entfernt. Und so machen sich derzeit die Libanesi und Tunesier der Hauptanteil bei den Geflüchteten aus, die in Italien eintreffen. 2020 gelangten insgesamt 13.000 Tunesier nach Italien, in diesem Jahr könnten es noch mehr werden. Wir in Europa werden überrumpelt an Flüchtlingen aus Afrika, Magreb.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Der Libanon liegt in Asien und gehört nicht zum Magreb.
    2. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet der Maghreb die Regionen Nordafrika und die Staaten Mauretanien, Algerien, Tunesien, Libyen und Marokko mit dem völkerrechtlich umstrittenen Gebiet der Westsahara.
    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Hier ist aber vom Libanon und nicht vom Magreb die Rede. Die Probleme sind verschieden und können nur sehr bedingt miteinander verglichen werden. Die Probleme im Libanon sind vielfältiger als z. B. in Marokko und Algerien, wo doch das Ausland investiert und Zweigwerke errichtet, z. B. Renault.