- Die letzten Kämpfer der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben die Millionenstadt Aleppo verlassen.
- Die Evakuierung erfolgte nach tagelangen Gefechten und internationalen Vermittlungen, um die Kämpfe mit Regierungstruppen zu beenden.
- Mindestens 22 Menschen wurden in fünf Tagen der Kämpfe getötet, über 160’000 mussten fliehen.
Die SDF bestätigte, dass nach einer Verständigung über einen Waffenstillstand die letzten Kämpfer aus den Stadtteilen Sheikh Maqsoud und Achrafiyya in das von der SDF kontrollierte Nord- und Ostsyrien gebracht wurden. SDF-Kommandant Mazloum Abdi sprach von einer sicheren Evakuierung von Kämpfern, Verwundeten und eingeschlossenen Zivilisten.
In den vergangenen Tagen hatten heftige Gefechte zwischen syrischen Sicherheitskräften und kurdischen Kämpfern Dutzende Tote und Verwundete gefordert. Mehrere Drohnenangriffe führten zudem zu Flugunterbrechungen am Aleppo International Airport. Beide Seiten beschuldigten einander, Zivilisten und Infrastruktur gezielt anzugreifen.
Die Evakuierung erfolgte zeitgleich mit diplomatischen Bemühungen. US-Sondergesandter Tom Barrack rief in Damaskus alle Parteien zur Einstellung der Feindseligkeiten und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.
Bereits in der Nacht auf Freitag war es für mehrere Stunden zu einer Waffenruhe gekommen. Nach Angaben der Regierung sollte sie den freiwilligen Abzug kurdischer Kämpfer aus der Millionenstadt ermöglichen. Die kurdische Seite lehnte dies jedoch ab, worauf die Kämpfe erneut aufflammten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei Dutzende Menschen getötet.
Einigung auf neuen Waffenstillstand
Nun sei unter internationaler Vermittlung eine Einigung über eine erneute Waffenruhe sowie die sichere Evakuierung von Zivilisten und Kämpfern erzielt worden, berichtete der arabische Sender «Al-Dschasira» unter Berufung auf einen Beitrag eines Kommandeurs der SDF auf der Plattform X.
Syrische Regierungstruppen hätten in der Nacht ihren Abzug aus der Stadt mit Bussen koordiniert, so der Sender weiter. Zuvor hatte die Armeeführung laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana die kurdischen Kämpfer aufgefordert, sich zu ergeben, wenn sie am Leben bleiben wollten. Die Gefechte in Aleppo galten als die schwersten seit dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad vor gut einem Jahr.
Grosse Teile im Nordosten Syriens werden weiterhin von den SDF kontrolliert. Die kurdisch geführten Kräfte spielten eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und waren enge Verbündete der USA. In Aleppo beschränkt sich ihr Einfluss auf von Kurden geprägte Stadtviertel. Die syrische Regierung will diese Situation jedoch nicht länger akzeptieren.