Der Iran und die USA haben sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Strasse von Hormus geeinigt. In Teheran wird die Waffenruhe als Erfolg gefeiert. Doch wie fragil ist sie? Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn schätzt ein.
Wieso hat der Iran zugestimmt?
Es ist schwer zu sagen, ob es diese Drohkulisse war, die Trump aufgefahren hat – er hat zuletzt mit der Zerstörung der Zivilisation im Iran gedroht. Oder ob der Iran tatsächlich jetzt Raum für Verhandlungen sieht. Klar ist: Die 15-tägige Waffenruhe gibt auch dem Iran eine Verschnaufpause. Eine dringend nötige für die Bevölkerung, die jetzt nicht mehr jede Nacht um ihr Leben bangen muss. Aber auch für die Armee, um sich neu zu gruppieren, neu aufzustellen für den Fall, dass die Waffenruhe eben nicht hält. In Teheran wird die Feuerpause als Erfolg gefeiert. In der Nacht und am Morgen gingen die Menschen auf die Strasse und haben gejubelt. Schliesslich hat der Iran einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der nun als Basis für die Verhandlungen gelten soll. Und jener Plan, der in der Nacht veröffentlicht wurde, sieht sehr nach dem Gusto der Iraner aus.
Was sind die wichtigsten Forderungen?
Einerseits fordert der Iran den Stopp aller Aggressionen in der Region und der Iran will auch längerfristig die Kontrolle über die Strasse von Hormus behalten. Dazu finden zurzeit auch Verhandlungen mit dem Oman statt, dem zweiten Anrainerstaat der Meerenge. Das sind die wichtigsten Forderungen, die der Oberste Rat für nationale Sicherheit in einem 10-Punkte-Plan verkündet hat. Zudem fordert er die Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran, Reparaturzahlungen der Kriegsschäden, ein Rückzug der US-Kampfeinheiten sowie weiterhin das Recht, Uran anreichern zu können. Es handelt sich um Maximalforderungen des Irans. Ein diplomatischer Erfolg der Waffenruhe wird nun davon abhängen, wie sehr der Iran und auch die USA bereit sind, Konzessionen in diesen Fragen zu machen.
In welcher Verhandlungsposition ist der Iran?
Grundsätzlich geht es dem Iran um die Aufhebung der Sanktionen. Bisher hatte das Land nur ein Druckmittel, um dieses Ziel zu verfolgen, nämlich sein Atomprogramm. Das hat bisher nicht funktioniert. Nun hat der Iran ein zweites Druckmittel in der Hand, nämlich den Verkehr in der Strasse von Hormus effektiv regulieren zu können. Das haben die letzten zwei Wochen gezeigt. Das ist eine sicherlich bessere Verhandlungsposition als noch vor dem Krieg.
Wie fragil ist die Waffenruhe?
Israel und der Iran haben in der Nacht weiter gegenseitige Luftangriffe geflogen. Es war bisher aber immer so, dass in den ersten Stunden nach der Waffenruhe noch Angriffe geflogen wurden. Das mag mit Verspätungen in der Kommandostruktur zu tun haben. Das mag andererseits damit zu tun haben, dass man gewisse strategische Ziele schnell noch ausschalten will, bevor es zu spät ist. Bisher hat sich das innerhalb des ersten Tages immer beruhigt. Zu hoffen ist, dass dies auch jetzt der Fall ist. Wobei: Es gibt unabhängig davon Differenzen zwischen Iran und Israel. Der Iran fordert den Stopp aller Angriffe in der Region, auch jener im Libanon. Und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat in den Morgenstunden bekannt gegeben, dass der Libanon eben nicht von dieser Feuerpause tangiert sei. Israel will dort seine Offensive fortsetzen.