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Kongo: Die Lehren aus Ebola für Corona
Aus Echo der Zeit vom 11.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
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Epidemie fast beendet Die Lehren aus Ebola für die Corona-Krise

Im Kampf gegen Ebola halfen neue Medikamente und Impfungen – aber auch ein neuer Ansatz bei der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung.

Weisse Landcruiser fahren vor, Gestalten in Schutzanzügen steigen aus, begleitet von bewaffneten Männern. Sie nehmen eine Patientin mit. Diese wird nie wieder zurückkehren. So sah der Kampf gegen Ebola anfangs aus.

«Es erinnert mich an den Film «ET», sagt Trish Newport von Ärzte ohne Grenzen – sie war mit dabei. «Eine Menge Geld war vorhanden. Viele Organisationen liessen sich im relativ gefährlichen Umfeld von Sicherheitsfirmen beschützen.»

Die Menschen im Osten von Kongo-Kinshasa wähnten sich im falschen Film. Niemand fragte nach ihren Bedürfnissen. Es wurde einfach gehandelt, der Kampf gegen Ebola sollte möglichst rasch gewonnen werden.

Organisationen ändern Vorgehensweise

Doch er wurde zu einem Kampf zwischen Bevölkerung und Helfern. Immer wieder kam es zu Angriffen auf Gesundheitszentren. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen zog sich zurück. Und Chef-Koordinatorin Newport geriet ins Grübeln.

«Ich fragte eine lokale Angestellte, wieso die Leute uns nicht mögen», sagt Newport. «Und sie erklärte mir: Mein Mann starb bei einem Massaker, meine Kinder an Malaria. Doch niemand half uns. Und jetzt, bei Ebola, kommt ihr plötzlich, weil es ein globales Gesundheitsrisiko darstellt. Ich möchte lieber sauberes Trinkwasser und Sicherheit für meine Familie und Gemeinde.»

Wie viele Organisationen im letzten Jahr änderte auch Ärzte ohne Grenzen die Herangehensweise. Man hörte zu: Die Dorfbewohner wünschten sich einen Brunnen, dann Medikamente für ihr Gesundheitszentrum, gegen Masern, Malaria, Cholera – all diese Krankheiten fordern im Kongo viel mehr Tote als Ebola.

«Ohne Vertrauen funktioniert es nicht»

Nach einiger Zeit kam vom Dorf der Wunsch nach einem Zentrum, um die Ebola-Erkrankten zu isolieren. «Wir sagten: gut! Was braucht es dafür? Wo wollt ihr das Zentrum, aus welchem Material, in welchen Farben? Dann bauten wir es zusammen auf.» Nun begaben sich mehr Leute in Isolation, liessen sich behandeln. Kranke meldeten, mit wem sie in Kontakt gewesen waren. Sie vertrauten den Helfern.

Ohne Vertrauen funktioniere es nicht, ist Trish Newports Fazit. Darum gelang es eineinhalb Jahre nicht, die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen. Über 2200 Menschen starben, obwohl erstmals eine Impfung und Medikamente vorhanden waren. Das Vertrauen half, sodass der Ebola-Ausbruch unterdessen fast beendet ist. Am Freitag ist der erste neue Ebola-Fall seit sieben Wochen aufgetaucht.

Unterdessen ist ein neues Virus da, das Coronavirus. Es wird wohl noch mehr Todesopfer fordern als Ebola, weil Covid-19 das schwache Gesundheitssystem im Kongo, wie in anderen afrikanischen Ländern, überlasten kann. «Meine grösste Angst ist, dass die Leute nicht am Coronavirus, sondern an anderen Krankheiten sterben, weil sie keine Gesundheitsversorgung erhalten», so Newport.

Unterschiedliche Krankheiten

Covid-19 und Ebola haben wenig gemeinsam. Das Coronavirus verbreitet sich viel schneller. Beim Ebolavirus erfolgt eine Ansteckung nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Dafür ist die Mortalität bei Ebola um ein X-faches höher.

Es seien sehr unterschiedliche Krankheiten, sagt Trish Newport. «Trotzdem müssen wir weiter mit den Gemeinschaften zusammenspannen. Das Coronavirus ist eine viel grössere Herausforderung. Umso mehr müssen wir uns vertrauen.» Denn eines gilt für alle ansteckenden Krankheiten: Man kann sie nur gemeinsam besiegen. Aber man kann.

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Der Kongo und die Ebola-Epidemie
Aus Tagesschau vom 12.04.2020.
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Echo der Zeit, 18 Uhr, 11.04.2020

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich komme auch aus einer Gegend, wo die Menschen sich zuweilen sehr trotzig der westlichen Hilfe gegenüber stellen. Ich lehne dies ab, denn ich finde, eine Erwartungshaltung der Helfenden gegenüber, dass sie alles richtig machen und sich auf den lokalen Kontext einlassen, ist vollkommen falsch. Um etwas zu ändern, müssen sich nicht die Helfer ändern. Es müssen die Hilfeempfänger etwas ändern. Zudem dürfte bei Ebola Misstrauen bewusst geschürt worden sein - nicht hilfreich, wenn MSF einknickt.
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Was mich beschäftigt ist, dass geschrieben wurde, dass Chloroquin bei der Behandlung des Virus helfen könnte. Da dies ein Malariamittel ist würde doch schlussendlich die Gefahr bestehen, dass es Resistenzen geben könnte bei der Behandlung von Malaria. Jetzt fängt in Afrika die Saison der Infektion mit Malaria an. Ich weis nicht, inwiefern dieses Mittel in Afrika noch eingesetzt wird. Vorsicht ist geboten, bevor irgend etwas versucht wird.
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    1. Antwort von Daniel Ackermann  (saskilte)
      Es gibt schon seit längerer Zeit Resistenzen von Malaria auf/gegen Chloroquin da dies schon über 60 Jahre auf dem Markt ist. Deshalb verwendet man oft Artemisinin oder andere Mittel. Da Chloroquin aber schon so lange auf dem Markt ist kennt man seine Nebenwirkungen sehr genau und unter Ärztlicher Aufsicht kann man die unter Kontrolle bringen.
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    2. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      @ Verena Schär: Nein, das heisst es schlussendlich nicht, weil der Resistenzmechanismus eines Bakteriums (Malaria) u eines Virus (Corona) völlig unterschiedlich sind. Der Vergleich von Äpfeln u Birnen liegt nahe. Wenn Sie Resistenzen befürchten, müssten Sie die Ansätze zur Therapie des Corona-Virus mit dem mode of action der ersten HIV-Medikamente aus den 1990er Jahre vergleichen.
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    3. Antwort von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
      Ich frage mich viel mehr, ob der Wirkstoff in genügender Menge zur Verfügung steht, wenn jetzt die reichen Länder alle Bestände aufkaufen. Ich kenne eine Frau in der Schweiz, deren Lupus damit behandelt wird (seit Jahren) und die jetzt um ein Haar die Behandlung hätte unterbrechen müssen.
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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Ich hatte einige Gespräche mit kongolesischen Bekannten. Corona bereitet ihnen vor allem darum sorgen, weil es sich so unbemerkt verbreiten kann und wenn es dann zu Covid-19 Fällen kommt, sind die med. Systeme derart schnell an ihren Kapazitätsgrenzen, dass die Menschen in hoher Zahl sterben. Die sonstigen Geld- und Ressourcengeber sind derweil mit sich selbst beschäftigt und es wird deutlich weniger Hilfe erwartet. Das Ganze macht mir schon etwas Sorgen.
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