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Drei Millionen Seiten online Musk, Bannon, Trump & Clinton: Das zeigen die neuen Epstein-Files

Das US-Justizministerium hat Millionen weitere Dokumente zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein freigegeben.

Das ist passiert: Das US-Justizministerium hat weitere Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Enthalten sind dem Ministerium zufolge mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, Tausende Videos und mehr als 100’000 Fotos. Darunter sei auch pornografisches Material, sagte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche bei einer Pressekonferenz.

Der Fall Epstein

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Jahrelang hatte der Multimillionär Epstein einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über Jahre hinweg soll er Minderjährige etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. 2019 starb Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können.

Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society – das führte zu zahlreichen Spekulationen über die Tragweite des Skandals. Immer wieder kam die Frage auf, welche prominenten Persönlichkeiten in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten. Auch Donald Trump kannte Epstein gut, das zeigen frühere Fotos der beiden. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung des aktuellen US-Präsidenten in den Skandal.

Für Spekulationen und Kritik sorgte jedoch, dass er noch im Präsidentschaftswahlkampf die Freigabe der Akten gefordert hatte, sich nach Amtsantritt dann allerdings dagegen sträubte. Das kam auch im eigenen Lager nicht bei allen gut an. Der Druck wuchs, bis Trump im November schliesslich ein vom US-Parlament vorangetriebenes Gesetz zur Veröffentlichung der Akten unterschrieb.

Teile unkenntlich gemacht: Geschwärzt hat man gemäss den Behörden unter anderem persönliche Daten von Opfern, um deren Privatsphäre zu schützen. Von der Veröffentlichung ausgenommen wurde den Angaben zufolge auch pornografisches Material, auf dem Kinder zu sehen sind, sowie alles, was die Ermittlungen auf Bundesebene behindern kann. «Bekannte Persönlichkeiten und Politiker» wurden einer Mitteilung des Ministeriums zufolge ausdrücklich nicht unkenntlich gemacht.

Frist längst verstrichen

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Eigentlich hätte das US-Justizministerium schon letzten Dezember alle Akten zum Fall Epstein veröffentlichen sollen. Der stellvertretende Justizminister Blanche verteidigte bei der Pressekonferenz wiederholt, dass deutlich weniger Material veröffentlicht wurde – und mit Verspätung. Man habe viel mehr Material gesammelt, als notwendig, und veröffentliche nur Relevantes. Zudem habe man Zeit gebraucht, um den Opferschutz zu gewährleisten.

Elon Musk: Der Techmilliärdär nahm laut den Dokumenten mindestens zweimal Kontakt zu Epstein auf (2012 und 2013), um mögliche Besuche auf Epsteins Privatinsel in der Karibik zu planen. Ob diese Besuche tatsächlich stattfanden, ist unklar. Musk bestreitet, je auf Epsteins Insel gewesen zu sein, und sagt, er habe entsprechende Einladungen abgelehnt.

Screenshot einer E-Mail von Elon Musk an Jeffrey Epstein, mit Details über eine Einladung.
Legende: Screenshot einer E-Mail von Elon Musk an Jeffrey Epstein, mit Details über eine Einladung auf Epsteins Privatinsel in der Karibik. Keystone/U.S. Justice Department

Steve Bannon: Der ehemaliger Chefstratege von Donald Trump hatte wiederholt Treffen und politische Gespräche mit Epstein, wie aus den Dokumenten hervorgeht. 2019 bat er Epstein, einen Flug nach Rom zu organisieren. Ob dieser Flug stattfand, bleibt offen.

Slowakischer Regierungsberater tritt zurück

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Der slowakische Ex-Aussenminister Miroslav Lajcak hat seinen Rücktritt als Regierungsberater erklärt. Er sei damit einer Forderung der Opposition sowie von Teilen der Koalition nachgekommen, berichtete die Agentur TASR. Der linksnationale Ministerpräsident Robert Fico habe die Entscheidung angenommen, zugleich aber den Verlust eines erfahrenen aussenpolitischen Beraters bedauert.

Zuvor hatte das Nachrichtenportal «360tka» Chatprotokolle veröffentlicht, die aus den neu veröffentlichten Ermittlungsakten zum Fall Epstein stammen sollen. Diesen zufolge hat Jeffrey Epstein Lajcak junge Frauen angeboten. Sie seien «wahrscheinlich zu jung für dich», habe Epstein geschrieben, worauf Lajcak geantwortet habe: «Du hast mich nicht in Action erlebt.» Der Politiker habe im Gegenzug seine Kontakte zu Fico angeboten. Lajcak wies die Vorwürfe indes zurück: «Ich stehe unter Schock.» Er habe nie mit Epstein über Frauen gesprochen und auch keine Treffen für diesen organisiert.

Lajcak war von 2009 bis 2010 und noch einmal von 2012 bis 2020 slowakischer Aussenminister. Von September 2017 bis September 2018 amtierte er als Präsident der UNO-Generalversammlung.

Howard Lutnick: Der heutige Handelsminister unter Trump wurde 2012 von Epstein auf dessen Insel eingeladen. Seine Frau nahm die Einladung an und plante die Anreise mit den Kindern per Yacht. Lutnick erklärte, der Kontakt sei begrenzt gewesen und längst beendet.

Hunderttausende Seiten: Bilder aus den Epstein-Akten vom Dezember

Steve Tisch: Miteigentümer des American-Football-Teams New York Giants, tauschte sich mit Epstein per E-Mail über erwachsene Frauen aus. Tisch erklärte später, er habe nur eine kurze Verbindung zu Epstein gehabt, sei nie auf dessen Insel gewesen und bedaure den Kontakt.

Kathy Ruemmler: Die frühere Rechtsberaterin des Weissen Hauses unter Barack Obama stand beruflich mit Epstein in Kontakt und tauschte sich mit ihm auch politisch aus. Sie erklärte später, sie bedauere diese Verbindung.

Diagramm mit geschwärzten Namen und Fotos.
Legende: Ein Dokument aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zeigt mehrere Personen, die Epstein nahestanden. Keystone/JON ELSWICK

Trump & Clinton: Die veröffentlichten Dokumente enthalten ausserdem bereits bekannte Flugprotokolle und Fotos, die zeigen, dass Trump in den 1990er-Jahren mit Epsteins Privatjet geflogen ist und dass es mehrere Fotos von Bill Clinton gibt. Keines der bekannten Opfer hat Trump oder Clinton öffentlich eines Fehlverhaltens beschuldigt. Beide gaben an, nichts von Epsteins Missbrauch gewusst zu haben.

Andrew Mountbatten-Windsor: Die jüngst veröffentlichten Akten scheinen auch Einblick in Epsteins Korrespondenz mit dem früheren britischen Prinzen Andrew zu geben. So soll Epstein im Jahr 2010 für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelt haben.

Frühere Vorwürfe gegen Andrew

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Die inzwischen gestorbene US-Amerikanerin Virginia Giuffre warf Andrew vor, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, unter anderem als Minderjährige im Jahr 2001 in London. Sie sei damals im Schlepptau Epsteins nach Grossbritannien gebracht und zum Sex mit Andrew gezwungen worden, so der Vorwurf. Ein inzwischen berüchtigtes Foto zeigt die beiden angeblich im Londoner Haus von Epstein-Gehilfin Ghislaine Maxwell, wo der Missbrauch stattgefunden haben soll. Andrew stritt zwar alles ab, eine Zivilklage in den USA endete jedoch in einem angeblich millionenschweren Vergleich.

«Fergie»: Weitere Dokumente zeigen einen Mailverkehr zwischen Epstein und einer Sarah aus dem Jahr 2009. Der Inhalt legt nahe, dass es sich dabei um Andrews Ex-Frau Sarah «Fergie» Ferguson handelt. Epstein wird darin etwa als «Legende» und «Bruder, den ich mir immer gewünscht habe», bezeichnet. «Fergie» hatte bereits 2011 in einem Interview zugegeben, von Epstein 15’000 Pfund angenommen zu haben. 

SRF 4 News, 31.01.2026, 6 Uhr ; 

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