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Schlagabtausch zwischen Trump und Biden
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.09.2020.
abspielen. Laufzeit 05:27 Minuten.
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Erstes TV-Duell vor US-Wahlen Politologin: «Verfall der Debattenkultur ist sichtbar geworden»

Die erste TV-Debatte vor der US-Präsidentenwahl verlief chaotisch. Die Bilanz einer Politikwissenschaftlerin.

In der Nacht trafen Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden zum ersten Mal aufeinander. Vor einem Millionenpublikum haben sie sich während 90 Minuten duelliert. Der Verfall der Debattenkultur sei bedenklich sichtbar geworden, sagt die Politikwissenschaftlerin Christiane Lemke.

Christiane Lemke

Christiane Lemke

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Christiane Lemke ist Politikwissenschaftlerin an der Leibnitz Universität in Hannover.

SRF News: Im Vorfeld ist man von einer bissigen, sehr hart geführten TV-Debatte ausgegangen. Hat sich das bestätigt?

Christiane Lemke: Das hat sich nicht nur bestätigt, es war streckenweise eine chaotische Debatte, die nicht nur hart geführt wurde, sondern auch sehr unfair.

Wer hat besser abgeschnitten?

Donald Trump hat immer wieder versucht, Joe Biden persönlich und inhaltlich anzugreifen, aber er konnte nicht so recht punkten. Aus meiner Sicht wurden die inhaltlichen Themen besser von Biden rübergebracht, während Trump inhaltlich gar nichts gesagt hat. Im Ergebnis waren aber beide unfair, was auch beim Publikum nicht gut angekommen ist. Sie haben sich beschimpft, aber inhaltlich hat Biden gewonnen.

Joe Biden.
Legende: Christiane Lemke: Joe Biden konnte inhaltlich punkten. Keystone

Wirkte das Ganze nicht auch absurd?

Es ist Ausdruck dieser sehr gespaltenen Gesellschaft und auch der Erosion von Vertrauen und Ansehen in wichtige Institutionen. Trump und Biden, die sich beide um das wichtigste und mächtigste Amt der Welt bewerben, sind nicht in der Lage, miteinander über sachliche Themen zu reden, sondern sie bekriegen sich nur.

Im Ergebnis waren sie beide unfair, was auch beim Publikum nicht gut angekommen ist.
Autor: Christiane LemkePolitikwissenschaftlerin

Biden hatte früher immer wieder einmal Aussetzer, wenn er sprach. Wie hat er sich jetzt geschlagen?

Er hat sich gut geschlagen und war sehr gut vorbereitet. Man merkt, dass er ein erfahrener Debattierer ist. Er hat ausserdem immer direkt das Publikum angesprochen oder die Wählerinnen und Wähler. Das hat er sehr präsent gemacht. Seine Zahlen, Daten und Fakten waren meines Wissens auf den ersten Blick korrekt. Er hat sich sehr viel besser geschlagen, als viele im Vorfeld befürchtet hatten.

Biden hat sich sehr viel besser geschlagen, als viele im Vorfeld befürchtet hatten.
Autor: Christiane LemkePolitikwissenschaftlerin

Donald Trump hat eine riesige Angriffsfläche geboten mit Steuerunterlagen und Corona-Pandemie. Konnte er sich verteidigen?

Trump hat das gar nicht versucht und ist diesen Fragen ausgewichen. Bei der Steuererklärung sagte er etwa einfach, er habe Millionen Steuern gezahlt. Dann lenkte er auf das Thema Covid-19 ab und ging gar nicht darauf ein. Denn er ist faktisch auch dort in Erklärungsnot.

Trump.
Legende: Christiane Lemke: US-Präsident Donald Trump ging gar nicht auf Kritikpunkte ein. Keystone

Hat diese Debatte etwas gebracht. Konnte man da überhaupt zusehen?

Es war streckenweise wirklich chaotisch und man hat nicht verstanden, was gesagt wurde. Wir wissen aus vergangenen TV-Debatten, dass sie nicht viel Wählerinnen und Wähler bewegen. Beide Seiten werden sich bestätigt sehen. Aber der Verfall der Debattenkultur ist bedenklich und so deutlich sichtbar geworden.

Der Verfall der Debattenkultur ist bedenklich und so deutlich sichtbar geworden.
Autor: Christiane LemkePolitikwissenschaftlerin

Mich hat es sehr irritiert, dass Trump auf nochmaliges Nachfragen des Moderators, ob er sich von den weissen Rassisten distanzieren würde, das nicht gemacht hat. Er sprach stattdessen von «Proud Boys», also stolzen Jungs, die sich im Hintergrund bereithalten. Auch bei der Frage der Briefwahl hat Trump nicht klar gesagt, dass er das Wahlergebnis anerkennen würde. Er wiederholte vielmehr, dass die Briefwahlunterlagen alle gefälscht seien und nicht anerkannt werden könnten.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

SRF 4 News, 20.09.2020, 07:15 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Ralf Fröhlich  (Rafroe)
    Wenn ein Politiker gegen D. T. in so einer "Debatte" antreten muss, muss er bereit sein seine guten Manieren in der Garderobe lassen. Er benötigt gute Nerven u darf sich bei aller Provokation nicht zu unüberlegten Aussagen hinreissen lassen. Sonst wird er überrollt u zerpflückt von ihm. Schwächen jeglicher Art werden gnadenlos aufgegriffen u für den Angriff verwendet. Mit konstruktiven Diskussionen, oder gar einer klaren Aussage von Seiten D. T. hat ja eh keiner gerechnet. The Show must go on!
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    „Proud Boys, stand back and stand by!“ Trump ruft Ultrarechte Neonazis auf, sich bereit zu halten! Ja wofür denn? Den Fall seiner Abwahl??
    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Logisch, und dann draufzuhauen…

      Das wäre der Beginn eines Bürgerkriegs.

      Auch ein Einsatzgebiet: Abhalten der Bevölkerung vom Wählen. (das war schon vor vier Jahren festgestellt worden). Das Problem ist, dass diejenigen, die aufräumen müssten (die Polizei) in vielen Fällen mit den "proud boys" sympathisiert.
    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Also mehr Sorge sollte uns diverse Aussagen von Biden machen.
      Solche wie:" Trump ja das Schosshündchen von Putin sei & die RU ein Kopfgeld auf US Soldaten ausgesetzt hätten, was ziemlich sicher eine Lüge ist, RU die Wahl manipuliert hätte, er nur dadurch Präsident geworden ist usw.
      Dieses ständige Bashing der DEMS gegen RU sollte uns Europäern Sorge machen.
    3. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @E.W.: So leid es mir für Sie tut, die Punkte, die Sie erwähnen sind halt Tatsachen. Schade, dass Sie der Propaganda so leicht auf den Leim gekrochen sind…
    4. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      M. W. Eben grad weil ich der Propaganda der DEMS nicht auf den Leim gekrochen bin, sind mir diese Lügen der DEMS aufgefallen.
      Alles nur um u. a. Stimmung gegen RU zu machen.
      Erstaunlich wie Menschen, welche hier in Europa leben dieses Bashing goutieren können.
      Schlechte Lügner sind sie beide & keiner spart damit.
      Und wenn Biden zu einem Schwarzen sagt, er nicht ihn, die DEMS wähle, er kein Schwarzer sei - na ja.
      Fettnäpfchen gegen einander aufgerechnet, steht Biden nicht besser da.
  • Kommentar von Peter Steiner  (Stein des Anstosses)
    Den Zusatz "Debatten-" kann man im Titel getrost weglassen.