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Nüchternheit in China und Russland: Keine grossen Erwartungen an Joe Biden
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.01.2021.
abspielen. Laufzeit 11:42 Minuten.
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Erwartungen an den Präsidenten Gebremste Biden-Euphorie: Moskau wartet ab, Peking atmet auf

China und Russland stellen sich auf das Ende der trumpschen Chaostage ein. Und auf einen alten Bekannten.

Mit der mutmasslichen Einmischung in die US-Wahlen von 2016 liess Russland zumindest Sympathien für «President Trump» durchschimmern. Irgendwo zwischen stiller Bewunderung und Nichtangriffspakt pendelte sich dann Trumps Beziehung zu seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin ein. Säbelrasseln gab es allenfalls zwischen dem Kongress und dem Kreml.

Trump mit Putin
Legende: Erst gerade sorgte ein grossangelegter Hackerangriff für Schlagzeilen – die US-Behörden machten erneut Russland dafür verantwortlich. Trump schloss sich den Vorwürfen nicht an. Keystone

Auch mit Peking verband den scheidenden US-Präsidenten eine «besondere Beziehung»: Im Riesenreich hatte er seinen besten Feind gefunden. An der Zähmung des machtbewussten Kontrahenten bemass sich Trumps Anspruch, die USA zu alter Grösse zu verhelfen. «America First» war immer auch eine Kampfansage gegen Peking.

Trump mit US-Flagge
Legende: Mit dem «China Virus», wie der abtretende US-Präsident das Coronavirus umtaufte, fand die vierjährige Fehde zwischen Trump und China ihren rhetorischen Höhepunkt. Keystone

Nun übernimmt Joe Biden das Zepter im Oval Office – und mit ihm ein Mann, der als Vizepräsident unter Barack Obama und langjähriges Mitglied des Washingtoner Polit-Establishments seine ganz eigene Geschichte mit Moskau und Peking hat. Die SRF-Korrespondenten vor Ort wagen einen Blick in die Glaskugel.

Der ideologiefreie Dealmaker Trump, der keine Vorträge über Demokratie und Menschenrechte hält, hat Russland gefallen. Das dürfte nun anders sein.
Autor: David NauerSRF-Korrespondent in Russland

Sechs Wochen wartete Kreml-Chef Putin zu, bis er Biden als einer der letzten Staatschefs zu seinem Wahlsieg gratulierte. Kein Zufall: Denn Putin und Biden sind alte Bekannte – doch alles andere als gute Freunde, sagt David Nauer, SRF-Korrespondent in Moskau. Er erinnert sich an eine Episode, die sinnbildlich für das komplizierte Verhältnis zwischen den beiden steht.

2011 weilte Biden als US-Vizepräsident in Moskau und traf auf den damaligen russischen Premier. Der Überlieferung nach stand Biden in Putins Büro und sagte: «Ich habe in Ihre Augen geschaut, und ich denke, Sie haben keine Seele.» Putin antwortete: «Wir verstehen einander.»

Nauer interpretiert den rätselhaften, schicksalsschweren Dialog: Die Politiker trauen sich nicht recht und belauern einander. «Gleichzeitig haben sie aber auch keine Sentimentalitäten und eine realistische Einschätzung voneinander.»

In China ist man sich bewusst, dass sich die Beziehungen auch unter Biden nicht von heute auf morgen verbessern werden.
Autor: Martin AldrovandiSRF-Korrespondent in China

Tiraden aus dem Oval Office, andauernder Handelskonflikt, rigoroses Vorgehen gegen chinesische Techfirmen: Vier Jahre Trump waren für Peking ein wahres Trommelfeuer an bilateralen Zerwürfnissen. «Wirklich genug hat man hier aber von den Unsicherheiten, dem auf und ab von Trumps Politik», sagt Martin Aldrovandi, SRF-Korrespondent in Schanghai.

Im Ton dürfte Präsident Biden zwar freundlicher auftreten. Differenzen in der Sache gebe es aber auch unter ihm genug, so der Korrespondent. Peking wünsche sich schlicht mehr Stabilität und Berechenbarkeit von der neuen US-Administration.

«Gleichzeitig ist man sich hier bewusst, dass sich die Beziehungen auch unter Biden nicht von heute auf morgen verbessern werden.» Zumal auch die Demokraten Trumps harte China-Politik unterstützten.

SRF 4 News, 20.01.2021, 6:45 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Russland hat keinen einzigen Vertrag mit Trump unterschrieben. Für die ist es egal wer President ist.
  • Kommentar von Thomas Schuetz  (Sürmel)
    Man darf tatsächlich gespannt sein auf die neuen Präsidenten Biden / Harris. An ihren Taten sollt ihr sie messen. Das galt früher einmal. Heute reicht in der Politik oft ein " Sweet talking Romeo , wie bei Barack Obama beispielhaft gesehen. Natürlich hat Trump viel zu viel schmarren erzählt via Twitter und Co. Von seinem Narzissmus ganz zu schweigen. Aber das mit China dürfte leider die einzige Sprache sein, welche noch funktionieren kann. Russland ist ein ganz anderes Kapitel.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Man kann für oder gegen Trump als Person sein. Bewegt hat er wie kein anderer, hat Sachen gewagt wie kein anderer, ob positiv oder negativ. Eines ist klar: Auch Joe Biden kann nicht wie zu Obamas Zeiten überall gut Mensch spielen und überall "The first" im Geld verteilen sein: UNO, Nato, WHO, WTO, Entwicklungshilfe, usw. Zudem will Biden sofort 2 Bio USD (2'000 Mia.!!) in Corona-Massnahmen investieren. Biden steht da ab Beginn unter Druck, die USA wären innert kurzer Zeit bankrott.
    1. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      Es gibt offenbar immer noch genug Menschen, die glauben ohne Multilateralismus würden sich die Probleme der Zukunft lassen. Dazu ein ganz klares nein. Ich weis das man in weiten Teilen in der CH noch nicht so weit ist, denn das hat rein gar nichts mit gut Mensch zu spielen zu tun, sondern sind Gremien die schlussendlich nichts als geringeres wie den Weltfrieden sichern und globale Themen wie die Klimaveränderung angehen.
    2. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Nur wenn man es gut findet, wenn jede internationale Zusammenarbeit an die Wand gefahren wird, kann man ein paar gute Aktionen von Trump verzeichnen. Das ist aber nicht gut, sonder extem schädlich. Für die Welt und auch für die USA.
      Trump hat viel mehr als 2 Bio Geld verteilt, einfach am liebsten an die Vermögenden und Konzerne statt an diejenigen, die es wirklich brauchen. Davon gehen die USA ganz bestimmt nicht bankrott.
    3. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      Die US-Staatsverschuldung ist ein Problem, unter Trump, unter Obama, unter Bush und und und.
      Die benötigten zwei Billionen einzunehmen sind kein grundsätzliches Problem, wenn man den Mut hat, das Geld dort einzufordern wo es im Überfluss vorhanden ist. Es wird - wie in allen Staaten dieser Welt - angebracht sein, wegen der ausserordentlichen Corona-Kosten die Steuern anzupassen, auch in den USA.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Henchler: In der Sache gebe ich Ihnen recht, verstehe aber nicht, wie es möglich ist, nicht in dem Land zu leben und kein Bürger dieses Landes zu sein, um folgende Aussage zu machen: «Ich weis das man in weiten Teilen in der CH noch nicht so weit ist,» Bitte erklären Sie mir das.