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Eskalation in Venezuela USA überfallen Venezuela und entführen Maduro – ein Überblick

Ein beispielloser Militärschlag der USA erschüttert Venezuela und ruft weltweit scharfe Reaktionen hervor. Das ist bisher bekannt.

Der US-Angriff: Explosionen haben am frühen Samstagmorgen Venezuelas Hauptstadt Caracas und weitere Ortschaften in anderen Bundesstaaten erschüttert. Stunden später bestätigte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social, dass die USA in einem Militärschlag den Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Ehefrau gefangengenommen und ausser Landes gebracht hätten. Der Trump-Regierung zufolge befinden sie sich auf einem US-Kriegsschiff auf dem Weg nach New York. Dort soll ihnen wegen Vorwürfen des «Drogenterrorismus» der Prozess gemacht werden. Die Aktion forderte laut den venezolanischen Behörden Tote unter Soldaten und Zivilisten. Die USA gaben keine Todesopfer ihrerseits bekannt. Die Luftangriffe richteten sich Berichten zufolge vor allem gegen Militärstützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und Häfen.

Kampfjets, Bomber, Aufklärungsdrohnen: Was die USA einsetzten

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Kampfjets auf einem Flugplatz mit Militärpersonal und Fahrzeugen.
Legende: Der US-Angriff auf Venezuela – es war ein grossangelegter. REUTERS / Eva Marie Uzcategui

An der US-Militäraktion in Venezuela waren nach den Worten von US-General John Caine 150 Flugzeuge und Helikopter beteiligt. Auch Aufklärungsflugzeuge und Bomber waren dabei, sagte er vor den Medien in Florida.

Die Operation sei monatelang durch die Geheimdienste vorbereitet worden, erläutert der Vorsitzende des Vereinigten US-Generalstabs vor der Presse in Washington. Man habe den Tagesablauf von Maduro gekannt, was er esse, wo er sich bewege, was seine Haustiere seien. Man habe mit Geduld ⁠auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um das Überraschungsmoment zu nutzen und zivile Schäden so gering wie möglich zu halten.

Auch das Wetter sei entscheidend gewesen. US-Präsident Donald Trump habe den Angriff um 22.46 Uhr US-Ostküsten-Zeit angeordnet.

Das sagt die Trump-Regierung: Trump sprach auf seinem Anwesen in Mar-a-Lago von einem «spektakulären» Angriff und lobte ihn in den höchsten Tönen. Mit der Festnahme Maduros mache Trump die westliche Hemisphäre und Venezuela selbst sicherer, sagte der US-Präsident. Seinen Worten zufolge wollen die USA übergangsweise die Führung in Venezuela übernehmen. «Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemässen und umsichtigen Übergang gewährleisten können», so Trump. Zudem bleibe das US-Embargo gegen Öl aus Venezuela bestehen. Auch sagt Trump, die USA hätten «keine Angst», Bodentruppen in Venezuela einzusetzen. Mit der Militäraktion hat die US-Regierung die Vorherrschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinenten bekräftigt. US-Aussenminister Marco Rubio sagte an der Konferenz, Mitglieder des US-Kongresses seien erst nach dem Militärschlag darüber informiert worden.

Die US-Spezialeinheit Delta Force

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Laut Medienberichten sollen Venezuelas Präsident Maduro und seine Frau von US-Spezialkräften der Einheit Delta Force gefangen genommen worden sein. Der Truppe wurden schon früher spektakuläre Einsätze zugeschrieben und sorgte wiederholt für Schlagzeilen –  etwa 2019, als der damalige Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, in Syrien getötet wurde.

Die US-Militärpublikation military.com beschreibt die Delta Force als eine «hochselektive, streng geheime Einheit» des US-Militärs. Es soll sich um eine Anti-Terror-Einheit handeln, die besonders dafür ausgebildet ist, Zielpersonen gefangen zu nehmen beziehungsweise zu töten und Terrorzellen auszuheben. Zusammen mit den Navy Seals zähle die Delta  Force zu den am besten ausgebildeten Spezialeinsatzkräften des US-Militärs und der Welt.

Die Anklage: US-Vize-Aussenminister Christopher Landau liess auf X verlauten, dass Maduro nun für seine «Verbrechen» zur Rechenschaft gezogen werden soll. Laut US-Justizministerin Pamela Bondi sind Maduro und dessen Ehefrau in New York angeklagt worden. Maduro würden unter anderem Verbrechen in Zusammenhang mit Drogenhandel vorgeworfen, teilte Bondi auf X mit. Die USA werfen Maduro vor, er sei 2024 nicht rechtmässig wiedergewählt worden und wolle einen Machtwechsel in Caracas verhindern. Wie der US-Sender CNN berichtete, wurde Maduro in New York bereits 2020 angeklagt.

Die Reaktion aus Venezuela: Die venezolanische Regierung verurteilte die militärische Aggression gegen zivile und militärische Ziele. Diese Angriffe stellten eine Verletzung der UNO-Charta dar. Den USA gehe es darum, sich Bodenschätze, insbesondere die grossen Ölreserven, anzueignen und einen Regierungswechsel zu erzwingen. Die Regierung in Caracas beantragte eine Krisensitzung des UNO-Sicherheitsrates.

Maduro und Ehefrau
Legende: Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro mit First Lady Cilia Flores am 31. Juli 2024 in Caracas. Daneben Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez und ein anderer hoher Militär. Keystone/EPA/Ronald Penar

Internationale Reaktionen: Der Angriff der USA in Venezuela löste weltweit kritische Reaktionen aus. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas rief zur Achtung des Völkerrechts auf. «Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des internationalen Rechts und der Charta der UNO eingehalten werden. Wir rufen zur Zurückhaltung auf», schrieb Kallas auf X. Nach eigenen Angaben hatte sie zuvor mit Marco Rubio telefoniert. Russland verurteilte in einer Erklärung den «Akt bewaffneter Aggression». «Die Vorwände, die zur Rechtfertigung solcher Aktionen angeführt werden, sind unhaltbar», schrieb der Kreml und fordert Maduros Freilassung.

Schweiz ruft zur Einhaltung des Völkerrechts auf

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Die Schweiz ruft zu Deeskalation, Mässigung und zur Einhaltung des internationalen Rechts auf. Die Einhaltung des internationalen Rechts beinhalte auch die Respektierung des völkerrechtlichen Gewaltverbots und der territorialen Integrität souveräner Staaten, schrieb Nicolas Bideau, der Kommunikationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Samstag auf X.

SRF 4 News aktuell, 03.05.2025, 12:30 Uhr ; 

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