Druck erzeugt Gegendruck – das zeigt sich derzeit im Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. US-Präsident Donald Trump setzte Teheran am Wochenende ein 48-Stunden-Ultimatum zur Räumung der Strasse von Hormus. Andernfalls drohten Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur. Iran reagierte umgehend und veröffentlichte eine Liste möglicher Ziele, darunter Kraftwerke und Entsalzungsanlagen im Nahen Osten. USA-Experte Christian Lammert ordnet die Lage ein.
SRF News: Eskalation statt Diplomatie: Inwiefern passt die Reaktion des US-Präsidenten zur Lage in der Strasse von Hormus zu dem, was wir sonst von ihm kennen?
Christian Lammert: Das passt ins Bild. Bei dieser Administration und diesem Präsidenten ist keine klare Strategie zu erkennen. Man weiss nicht, was erreicht werden soll. Viele Studien gehen zudem davon aus, dass der Iran längst nicht so nah an einer Atombombe war, wie Trump behauptet. Er wollte schnelle aussenpolitische Erfolge – und das ist nicht passiert. Jetzt begibt er sich auf einen gefährlichen Eskalationspfad ohne erkennbares Herauskommen. Er isoliert die USA noch stärker. Trump hat sich in eine Radikalisierungssackgasse manövriert, aus der er kaum herauskommt.
Die Trump-Administration hat wie bei vielen anderen Engagements keine Exit-Option.
Eine bedingungslose Kapitulation des Iran ist nicht zu erwarten. Militärisch schaffen es die USA offenbar nicht, die Strasse von Hormus zu deblockieren. Welcher Weg führt aus der Sackgasse?
Im Moment gar keiner. Dieses öffentliche Ultimatum ist ein neues Element. Normalerweise werden solche Fristen über diplomatische Kanäle signalisiert, um dem Gegner die Option für eine Reaktion zu geben. Der Iran hat zwei Optionen: aufgeben oder zurückschlagen – letzteres haben sie angedroht. Dabei stehen Angriffe auf zivile Infrastruktur im Raum. Das verstösst massiv gegen das Völkerrecht. Das Problem ist, dass die Trump-Administration wie bei vielen anderen Engagements keine Exit-Option hat.
Niemand in Trumps Administration kann ihn noch einfangen, er wird nicht mehr kontrolliert.
Was geschähe denn, wenn die USA die Drohung wahrmachen und der Iran die Strasse von Hormus komplett schliesst?
Das wäre eine massive Eskalation des Konflikts. Der Iran hat bereits angekündigt, Energie- und Versorgungsinfrastruktur anzugreifen. Die Folgen wären regional wie global gravierend. Wir sehen die Auswirkungen ja bereits jetzt bei den Preisen fürs Tanken und Heizen. Eine vollständige Blockade, kombiniert mit Angriffen auf Kraftwerke oder Gasfelder, hätte Konsequenzen für die Weltwirtschaft. Die Energiepreise würden stark steigen, ein wirtschaftlicher Einbruch wäre wahrscheinlich.
Trump ist auch Geschäftsmann. In einer solchen Situation wäre es «normal», auf Diplomatie zu setzen. Passen Diplomatie und Verhandlungsbereitschaft zum Bild der Stärke, das er von sich vermitteln will?
Genau darin liegt das Problem. Niemand in seiner Administration kann ihn noch einfangen, er wird nicht mehr kontrolliert. Er ist ein bisschen grössenwahnsinnig geworden und meint, er könne alles bestimmen. Ich glaube, er denkt von sich selbst, er sei der grösste und mächtigste Präsident aller Zeiten. Innenpolitisch gerät er immer stärker unter Druck, es ist Wahljahr und die Umfragen sehen nicht gut aus. Er wollte sich wohl durch einen schnellen Erfolg im Iran stärken – ohne klaren Plan. Jetzt stehen die Republikaner vor dem Trümmerhaufen und kommen nicht raus. Weil ihn keiner mehr einhegt, schlägt Trump immer stärker darauf. Und das ist sehr, sehr gefährlich für den globalen Frieden und die globale Stabilität.
Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.