Genau drei Wochen ist es her, seitdem Donald Trump auf seinem Social-Media-Netzwerk «Truth Social» den Krieg verkündet hat und dem iranischen Volk zurief: «Die Stunde eurer Freiheit steht unmittelbar bevor. (…) Wenn wir fertig sind, übernehmt die Regierung!», und sich damit eine Falle stellte, aus der er nicht mehr herausfindet. Denn wer einen Krieg mit einer Maximalforderung beginnt, kann ihn nicht beenden, bis diese maximale Forderung erfüllt ist. Davor bestimmt der Gegner, wann und zu welchen Bedingungen der Krieg endet.
Andere sollen Hormus offenhalten
Am Freitagabend Washingtoner Zeit schreibt Trump ein weiteres Mal: «Wir sind sehr nahe dran, unsere Ziele zu erreichen.» Von Regimewechsel ist nicht mehr die Rede. Dafür davon, dass andere die Strasse von Hormus offenhalten sollen. Die USA würden dies «nicht tun», sondern höchstens helfen, und auch das nur, wenn sie gefragt würden. Was jedoch «nicht nötig» sein sollte, denn es wäre «eine einfache militärische Operation», so Trump.
US-Marines unterwegs
Mit der Realität hat das wenig zu tun. Und mit dem, was das Pentagon plant, auch nicht. Zwei Kampfverbände der US-Marines sind gemäss US-Medien unterwegs in den Persischen Golf. Was ihr Auftrag ist, ist unklar.
Doch es widerspricht Trumps eigener Aussage, die USA würden «erwägen, unsere grossartigen militärischen Anstrengungen im Nahen Osten zu reduzieren.» Brian Katulis vom Nahostinstitut in Washington urteilt: Donald Trump «sucht nach wie vor nach einem Ausweg, der sowohl vernünftig als auch realistisch ist.»
Trump in der Eskalationsfalle
Denn Donald Trump ist in dem gefangen, was der Chicagoer Politologe Robert Pape «Eskalationsfalle» nennt: Diese beginnt mit einer Staatsführung, die einen schnellen Erfolg erwartet und diesen mit begrenzten Luftschlägen zu erzielen versucht. Weil der Gegner jedoch nicht einknickt, sondern Vergeltung übt, muss auch die angreifende Seite eskalieren.
Dies geht so weiter, immer mit dem Gedanken, dass die nächste Eskalationsstufe den Gegner zum Einknicken bringt. Am Ende steht ein verfahrener Konflikt, der immer schwieriger zu beenden wird.
Trumps Optionen
Der Krieg gegen den Iran ist mitten in dieser Eskalationspyramide. Die iranische Führung kann nicht nachgeben, weil Donald Trump die bedingungslose Kapitulation und somit ihr Ende als Ziel gesetzt hat. Also reagiert sie mit Angriffen auf eine Reihe von Zielen wie zivile Flughäfen oder kritische Infrastruktur. Mit der Bedrohung der Strasse von Hormus nutzt der Iran zudem einen Hebel, der die Weltwirtschaft empfindlich trifft.
Der US-Präsident hat in dieser Situation zwei Optionen: Er kann weiter eskalieren, möglicherweise gar mit Einsätzen von US-Marines am Boden. Oder er akzeptiert ein Ergebnis, bei dem der Iran zwar deutlich geschwächt würde, das aber seine ursprüngliche Maximalforderung weit verfehlt und im Gegenteil ein noch radikaleres und kompromissloseres Regime hervorbringt. Beide Optionen sind wenig attraktiv.