Gefragt nach den Kosten des Iran-Kriegs, brachte es Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank, auf den Punkt: «Niemand weiss es. Wir haben keine Ahnung.»
Etwas konkreter wird es, wenn man sich auf die variablen militärischen Kosten konzentriert. Also auf jene, die nicht ohnehin anfallen, schlicht weil die Streitkräfte existieren, Waffen gekauft wurden und Soldaten bezahlt werden müssen. Vielmehr auf jene Zusatzaufwendungen, die unmittelbar den Angriffen auf den Iran zuzurechnen sind.
Dazu nannte das Weisse Haus nach den ersten Kriegswochen eine Zahl: zwölf Milliarden Dollar. Diese Zahl bestätigte im US-Sender CBS Chef-Wirtschaftsberater Kevin Hassett. Dennoch müsse die Regierung vorderhand beim Parlament keine Zusatzkredite beantragen.
Ein bis zwei Milliarden Dollar täglich
Zwei Wochen später sieht die Situation bereits völlig anders aus. Die Rede ist auf einmal von einer sehr bald nötigen Nachfinanzierung für das Pentagon von fünfzig Milliarden Dollar. Sogar die Summe von 200 Milliarden wird herumgeboten.
Zum einen stiegen die militärischen Kosten mittlerweile auf 24 Milliarden Dollar und dürften bald dreissig erreichen. Denn sie erhöhen sich gemäss Untersuchungen der Denkfabrik «Center for Strategic and international Studies» täglich um eine bis zwei Milliarden. Allein der Zusammenzug der amerikanischen Flotte im Nahen Osten und die Mobilisierung von insgesamt 50'000 Soldaten verschlang 630 Millionen, bevor der erste Schuss fiel.
Millionen für Raketen statt für Schulen
Zu Buche schlagen vor allem hochpotente, aber eben auch sündhaft teure Waffen. Etwa die von Schiffen aus abgefeuerten Tomahawk-Raketen zu einem Stückpreis von drei Millionen. Schon in den allerersten Kriegstagen wurden 160 davon abgefeuert.
Oder Patriot-Abwehrraketen à je vier Millionen pro Abschuss. Die Zerstörung einer Radaranlage durch den Iran wird ebenfalls teuer, denn sie hat 450 Millionen gekostet. Ausgaben fallen zudem an, weil Material in Mengen verschlissen wird, weil Wartungsarbeiten bei Kriegsschiffen unter hoher Belastung rascher anfallen, weil Kampfjets Unmengen an Sprit verfeuern oder weil Soldaten Überzeitzulagen zugute haben.
Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman stellt im Sender «MS Now» den Vergleich an: «300 Millionen Dollar wurden beim Abschuss von drei US-Flugzeugen über Kuwait vernichtet, das Geld ist weg. Damit hätte man nachhaltig Schulen bauen oder Krankenhäuser sanieren können.»
Israel muss Verteidigungshaushalt wohl aufstocken
Während die Kosten auf iranischer Seite kaum zu beziffern sind, ist bei jenen für Israel ersichtlich, dass sie sich in grosser Höhe bewegen. Dort werden die bisherigen Ausgaben, laut der Zeitung «Jerusalem Post», auf zwanzig Milliarden Schekel beziffert, also sechseinhalb Milliarden Dollar. Und täglich ist es eine Milliarde mehr. Der jetzt schon hohe Verteidigungshaushalt muss wohl um rund die Hälfte aufgestockt werden.
In Israel unterstützt die Bevölkerung mehrheitlich nach wie vor den Krieg; der Unmut über die Kosten bleibt vorläufig überschaubar.
In den USA ändert sich das gerade. Völlig unklare Kriegsziele, kein Ende abzusehen, aber horrende Kosten – Senator Richard Blumenthal, ein oppositioneller Demokrat, äussert sich «zutiefst unbefriedigt» über das, was die US-Regierung den Parlamentariern mitgeteilt hat: «Ich habe jetzt noch mehr Fragen. Antworten habe ich kaum erhalten.» Die Kriegskosten dürften in den Überlegungen von Trump, fortzufahren mit dem Krieg oder ihn zu beenden, eine immer grössere Rolle spielen.