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Steigende Corona-Fallzahlen in Südamerika
Aus Rendez-vous vom 12.04.2021.
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Explodierende Fallzahlen Corona in Südamerika: Wenn es nur das Virus wäre

Die Regierung in Peru empfiehlt als Massnahme gegen das Coronavirus regelmässiges Händewaschen. Nur: In Peru haben acht Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, an vielen Orten fehlen Abwasser-Systeme. Sie können nicht Händewaschen.

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch die Herausforderungen, denen sich Südamerika in dieser Pandemie gegenübersteht. Die Regierung mag zwar strenge Massnahmen verordnet haben, die Menschen aber widersetzen sich ihnen. Denn sie haben keine andere Wahl.

Ausgangssperren keine Option

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten arbeiten in Südamerika im informellen Sektor. Es handelt sich um Hausangestellte oder Strassenhändler. Wer heute nicht fremde Wohnungen putzt, auf der Strassenkreuzung Maistaschen verkauft oder auf einem Parkplatz Autos einweist, hat morgen nichts zu essen. Ausgangssperren sind für sie keine Option. Sie müssen das Haus verlassen.

Und ist das Virus einmal in einem der Armenviertel angekommen, hat es dort meistens leichtes Spiel. Die Vermeidung von Körperkontakt ist in einer Favela, in dem die Bewohner auf engstem Raum zusammenleben, schwierig.

Brasilien-Mutation breitet sich aus

Die Virus-Mutation aus Brasilien ist ein weiterer Grund für die steigenden Corona-Fallzahlen. Die Mutation verteilt sich auf dem ganzen Kontinent. Das Risiko wurde immer schon als hoch eingestuft, da Brasilien mit zehn südamerikanischen Ländern gemeinsame Grenzen hat.

In Argentinien wurden zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie mehr als 20’000 neue Fälle pro Tag bestätigt. Längst wird über einen neuen Lockdown diskutiert. Doch die einzelnen Provinzen können sich nicht auf Massnahmen einigen.

Das Nachbarland Chile hat zwar in Rekordzeit mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung geimpft. Trotzdem steigt die Zahl neuer Fälle immer noch. Und die Intensiv-Betten werden knapp. Der peruanische Gesundheitsminister sagte, dass Fälle der Mutation aus Brasilien «fast überall in Peru» entdeckt wurden. Die Mutation wurde auch in Uruguay und Paraguay bestätigt, beide Länder registrieren eine Rekordzahl an täglichen Todesfällen.

Temperaturen sinken

Der Sommer auf der Südhalbkugel ist zu Ende, jenseits des Äquators fallen die Temperaturen nun wieder, mehr Menschen treffen sich in geschlossenen Räumen, Fenster bleiben öfter mal geschlossen. Gleichzeitig sind viele Menschen nach teils extrem strengen und monatelangen Lockdowns im vergangenen Jahr kaum noch bereit, ihr Leben nun nochmals einzuschränken. Das wissen auch die Regierungen der jeweiligen Länder und scheuen darum neue Massnahmen.

Das kritisiert die Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO), Carissa Etienne: «Wir sehen, dass die Bevölkerung in der Region ihre Mobilität erhöht und nicht zu Hause bleibt, um sich und andere zu schützen.»

Worauf wir wieder bei den strukturellen Problemen sind. Die Corona-Quarantäne wird für viele zur Überlebensfrage. Nicht wegen des Virus. Wegen des Hungers.

David Karasek

David Karasek

Südamerika-Korrespondent, SRF

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David Karasek ist seit Anfang 2021 Südamerika-Korrespondent von SRF. Von 2015 bis 2018 lebte und arbeitete er als freier Journalist in Kolumbien und berichtete aus verschiedenen Ländern wie Ecuador, Venezuela oder Kuba für mehrere Medienunternehmen – unter anderem für SRF, die «Neue Zürcher Zeitung» und den «Tages-Anzeiger». Danach war er als Produzent und Redaktor bei SRF 4 News tätig. Karasek studierte in Bogotá an der Universität Javeriana Politologie.

Rendez-vous, 12.4.2021, 12:30 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Für EU-Importe wurden pro Jahr durchschnittlich Tropenwälder von der vierfachen Grösse des Bodensees gerodet. Innerhalb der EU steht Deutschland ganz oben auf der Liste. Für deren Anbau oder Produktion müssen vor allem Wälder in Südamerika und Südostasien weichen mussten. Die Rodungen machen sich nicht nur in Ökosystemen weit weg von Europa bemerkbar, sondern betreffen auch das Weltklima. Die Ära der Naturzerstörung muss enden, denn natürliche Ökosysteme wie Wälder sind unsere Lebensversicherung
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Intakte Natur hat die Kraft zu heilen""Artenvielfalt ist unsere Lebensversicherung". Sie garantiert saubere Luft, Wasser und Nahrungsmittel. Sie garantiere auch Arbeitsplätze. "Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Eine intakte Natur schützt vor Krankheiten und hat die Kraft zu heilen. Die EU ist einer der grössten Waldzerstörer (Regenwälder) Soja, Rindfleisch, Kaffee und Kakao: Damit Kunden in europäischen Supermärkten solche Produkte kaufen können, müssen in anderen Weltregionen Wälder weichen
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Peru zeigt ein Problem das auch hier spielt, die Politik, eine Regierung möchte etwas, empfiehlt etwas, will etwas erreichen aber die Anforderungen um dies zu erreichen sind nicht erfüllt. Ursache ist Politiker, Regierungen sind extrem Weltfremd, in Europa genauso wie am anderen Ende der Welt.