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Und Nawalny wurde doch vergiftet
Aus Echo der Zeit vom 02.09.2020.
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Fall Alexej Nawalny Eine Smoking Gun im Kreml?

Es war also Nowitschok. Dieses in sowjetischen Geheimlabors entwickelte Nervengift hat Alexej Nawalny fast umgebracht. Er liegt auch jetzt, rund zwei Wochen nach dem Angriff, immer noch im Koma. Die Ärzte der Berliner Charité bezeichnen seinen Zustand als ernst.

Dass Nawalny gefährlich lebte, wusste man. Das wusste auch er selbst. Doch die Täter haben eine Waffe gewählt, die so grausam wie ungewöhnlich ist. Und die aus dem Angriff eine internationale Krise macht.

Gut vernetzte Leute

Nervengifte der Nowitschok-Gruppe kann man nicht im Heim-Labor zusammenmischen. Man kann sie auch nicht auf dem Schwarzmarkt kaufen. Zu solchen Giften haben nur gut vernetzte Leute Zugriff. In Russland wären das die Geheimdienste oder die Armee.

Der bekannteste russische Oppositionelle wurde also mit einem Gift angegriffen, das, nach allem was man weiss, nur von staatlichen Stellen eingesetzt werden kann. Was bedeutet das? Ist das die Smoking Gun im Kreml?

Als hätte man es mit einer Maus zu tun

Um es mit einem Gleichnis zu beschreiben: Geht man durch einen Wald und trifft auf etwas Grosses, Braunes, das laut brüllt – dann kann es natürlich eine Maus sein, ist aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein Bär.

Will heissen: Natürlich gibt es keine Beweise, dass der Kreml oder gar Präsident Putin persönlich in den Giftanschlag verwickelt sind. Aber es sieht doch ziemlich danach aus, dass staatliche Strukturen mitgewirkt haben. Eben: Es sieht aus wie ein Bär. Das Problem ist, dass die russischen Behörden so tun, als hätten wir es mit einer Maus zu tun. Oder noch besser, als wisse man gar nicht, was das für ein Tierchen ist.

Bisher jedenfalls kam von offiziellen russischen Stellen keine plausible Erklärung, was mit Nawalny passiert ist. Erst diagnostizierten staatliche Ärzte eine Unterzuckerung sowie Probleme mit dem Stoffwechsel. Jetzt sprechen sie von einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Man wird den Eindruck nicht los, dass hier die eigentliche Diagnose mit Nebelgranaten verschleiert werden soll.

Der Hauptverdächtige verhält sich verdächtig

Und die russische Politik sekundiert: Die Sprecherin des Aussenministeriums erklärte am Mittwochabend, Berlin soll erst einmal Fakten liefern. «Unsere Botschaft hat rund um die Uhr geöffnet, wir warten auf die Unterlagen.» Ein Kreml-naher Parlamentarier beklagte, die Deutschen würden mit Vorwürfen um sich werfen – statt mit Russland zusammenzuarbeiten.

Russland strickt sich seine eigene, alternative Realität zurecht. Eine Realität, in der Nawalny gar nicht vergiftet wurde und in der Russland grundlos am Pranger steht.

Wie gesagt: Es gibt keine harten Beweise, dass der Kreml oder andere staatliche Stellen in den Mordversuch an Nawalny verwickelt waren. Aber der Hauptverdächtige verhält sich – man kann es nicht anders sagen – ziemlich verdächtig.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

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David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

Echo der Zeit, 2.9.2020, 18:00 Uhr

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130 Kommentare

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  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    @H.Bernoulli
    Ja dann muss es natürlich stimmen
    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Ist leider genau so schon geschehen, vor gar nicht so langer Zeit. Siehe US-General Wesley Clark "7 Länder in 5 Jahren"
  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    @RvdV
    Blödsinn !
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Nun wissen wir: wer ein Krieg möchte, kann dies einfach mit einer Lüge auslösen, wenn er nur genug Macht über Regierungen und Medien hat, das zu propagieren, was die Stimmung dafür vorbereitet. Es gibt genügend Menschen, die den Lügen glauben schenken, nur weil sie von diesen Stellen kommt. "Nie wieder Krieg" - aber so, mit dieser Naivität und Propagandaanfälligkeit ist Krieg leider wieder leicht möglich.
    1. Antwort von Ralf Von der Velde  (Ralf Von der Velde)
      Keine Sorge es wird Garantiert Krieg kommen Direkt mit Europa, USA oder Russland. Es werden immer Stellvertreter Kriege geben. Da wo keine Atombomben fliegen. Denn wenn diese jemals fliegen sollten, dann lebt auf dieser Welt keiner mehr.