Zum Inhalt springen

Header

Video
Militär hat Passagierflugzeug unbeabsichtigt abgeschossen
Aus Tagesschau vom 11.01.2020.
abspielen
Inhalt

Flugzeug-Abschuss im Iran «Wenn er sich bedroht fühlt, dann drückt er auf den Knopf»

Der Iran hat nun doch eingestanden, für den Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs mit 176 Todesopfern verantwortlich zu sein. Das Militär habe die Maschine unbeabsichtigt abgeschossen, es handle sich um menschliches Versagen, hiess es. Nach diesem Schuldeingeständnis fordert der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski vom Iran, dass die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.

Demonstranten in Teheran fordern Rücktritt Chameneis

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Ein auf der Kurznachrichtenplattform Twitter veröffentlichtes Video zeigt Demonstranten in Teheran, die den Rücktritt des geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei fordern. Am Samstag hat die iranische Führung erstmals eingeräumt, das Passagierflugzeug sei vom Militär abgeschossen worden.

Es werden aber auch Stimmen laut, die der Fluggesellschaft eine Mitschuld am Absturz geben wollen. Doch diese widerspricht: «Das Flugzeug ist strikt auf Kurs gewesen», sagt der Vizepräsident der Airline, Ihor Sosnovski. Vor dem Start habe es keine Warnung aus Teheran über eine mögliche Bedrohung gegeben. Der Iran hätte den Flughafen schliessen sollen, so die Forderung nach dem Unglück.

Die zivile Flugsicherung hat nicht mit einem amerikanischen Angriff gerechnet.
Autor: Mauro MantovaniMilitärakademie ETH Zürich

«Das System Iran stand unter Stress»

Unter normalen Bedingungen würden Flugpläne und Echtzeitdaten zwischen dem Militär und den zivilen Behörden ausgetauscht, sagte Mauro Mantovani, Militärakademie ETH Zürich. «Aber das System Iran stand unter Stress», so Mantovani weiter.

Video
Mauro Mantovani, Militärakademie ETH Zürich: «Das System Iran stand unter Stress»
Aus 10vor10 vom 10.01.2020.
abspielen

Am Mittwoch habe sich die zivile Flugsicherung offenbar nicht bedroht gefühlt, «sie hat also nicht mit einem amerikanischen Angriff gerechnet». Die militärische Luftraumverteidigung aber hätte offenbar Grund gehabt, sich als erstes Ziel einer amerikanischen Kampagne zu sehen, so Mantovani.

Video
Herr Mantovani, müssten die Luftverteidigung nicht in der Lage sein, ein ziviles Flugzeug zu erkennen?
Aus 10vor10 vom 10.01.2020.
abspielen

«Fühlt sich bedroht und drückt den Knopf»

Dass allerdings die Verteidigung ein ziviles Flugzeug mit einer militärischen Intervention verwechselt, sei fast ausgeschlossen. «Die Flugzeuge sind mit Transpondern ausgerüstet, welche die Daten an die Bodenstationen senden. Vertraut man diesen, dann ist so ein Missverständnis eigentlich ausgeschlossen», betont Mantovani.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass es zu Verwechslungen kommt. Zuletzt wurde 2014 der Flug MH17 der Malaysia Airlines in der Ostukraine von prorussischen Rebellen abgeschossen. 298 Menschen starben damals.

Mantovani sagt, dass bei solchen Abschüssen die Entscheidungskompetenzen oftmals auf tiefere Stufen delegiert werden. So hatte im Iran offenbar ein Batterie-Kommandant das Sagen. «Wenn er sich persönlich bedroht fühlt, unter Stress steht, die Nerven verliert und eine aussergewöhnliche Bewegung am Himmel feststellt, dann drückt er auf den Knopf.»

Video
Mauro Mantovani, Militärakademie ETH Zürich: «Das System Iran stand unter Stress»
Aus 10vor10 vom 10.01.2020.
abspielen
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Delmar Lose  (DeLo)
    ... eigentlich ist es ja sogar eher so das die USA den Knopf drückte weil er sich bedroht fühl und das sogar ganz weit weg von zuhause auf fremdem Territorium!
    Imo muss man davon ausgehen das es sich um ein Fehler handelte, sicherlich ein sehr tragischer Fehler. Die Iraner haben sich wenigstens fürs erste entschuldigt was die Amerikaner in etlichen Fällen nicht gemacht haben, inkl. ein apschuss eines Zivilen Flugzeuges! (Google - Iran Air Flight 655) ... nur so neben bei ;)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Die Iranischen Behörden gingen zuerst nicht von einem Abschuss aus, weil das Flugzeug brannte - und nicht explodierte. Das sei ungewöhnlich und deute deshalb nicht auf einen Abschuss hin., Darum haben sie sich die Zeit genommen, den Vorfall genauer zu untersuchen - wie das andere Staaten bei ähnlichen Unglücken auch getan haben. Dass bereits nach 3 Tagen ein klares Schuldeingeständnis folgte, hat m.E. Vorbildcharakter.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Riitta Bislimi  (ribi)
    Hut ab für die Offenheit und Ehrlichkeit der iranischen Regierung! Sie haben ihren Fehler schnell zugegeben und sich dafür in aller Öffentlichkeit korrekt entschuldigt. Und Recht haben sie damit, dass Trump den ursächlichen Stress verursacht hat. Hätte Trump nicht Soleimani getötet, wäre dieser Unglück nicht passiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Schlegel  (teschle)
      Für welche Ehrlichkeit? Die Iraner haben vier Tage verschwiegen dass sie ein ziviles Flugzeug abgeschossen haben. Und jemand anderem die Schuld dafür zu geben, zeugt von sehr wenig Courage. Ob die Tötung des Generals die richtige Entscheidung war kann ich nicht beurteilen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @teschle: 4 Tage lügen, bevor man sich zur Wahrheit entschliesst. Finde ich für Politiker eine kurze Spanne. Und da Sie beim Attentat unsicher sind: Das war ein klarer Bruch des Völkerrechts. Stellen Sie sich vor, eine iranische Drohne würde in einem Nachbarland der USA einen Top-General "liquidieren", mit der Begründung, das sei ein Terrorist gewesen. Dann merkt man, dass es eine Kriegserklärung ist. Die Amis können bis heute nicht belegen, dass von Soleimani eine unmittelbare Gefahr ausging.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Alberto Salazar  (Dorotheus)
      @Thomas Schlegel

      Hat die USA jemals für einen ihrer militärischen Fehler entschuldigt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Wenn man ein schlechtes gewissen hat, so fühlt man sich ganz besonders bedroht. Das ist so ziemlich normal. Und mit Trump und Sloleimani hat das sicherlich nichts zu tun. Diese Beschuldigungen sind nun wirklich deplatziert und nicht nur deplatziert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen